Ich kann mich noch an den meiner Großmutter Grete erinnern. Er war rosafarben mit Rüschen und an den Seiten mit einer Art Häkelgitter überzogen. Als Kind starrte ich gedankenverloren darauf, die Arme auf den Tisch gestützt, und wunderte mich. Dieses Stoffding hatte etwas von einem Kleidungsstück, von einer Mütze oder von einem Muff. Und dann war er auch noch dick gefüttert. Umso seltsamer, dass dieses Etwas eine Kaffeekanne in sich verbarg. Das war, als würde meine Großmutter mit der Kaffeekanne spielen, so wie ich mit Puppen spielte. Oma sagte: "Das ist ein Kaffeewärmer." Kaffee-wärmer. Selbst heute finde ich das noch irgendwie rührend. Jede Kaffeekanne hat ja ihre eigene Persönlichkeit, deshalb braucht sie auch einen Kaffeewärmer, der zu ihr passt: Da gibt es verschnörkelte, elektrische, rustikale, mollige, seriöse und lustige. Manche zieht man mit einer Kordel zu, andere gleichen einer schicken Handtasche, andere wieder trägt man wie einen Korb. Sehr praktisch für’s Picknick.Ich dachte immer, der Kaffeewärmer sei typisch deutsch. Doch als ich meinen ersten Schüleraustausch in England verbrachte, sah ich in jedem Haushalt diese vermeintlich deutschen Kaffeewärmer. Ich erfuhr, dass sie dort tea cosy heissen und dass die Engländer seit Mitte des 19. Jahrhunderts ihren geliebten Tee damit warm halten. So ein schöner wie der von Oma ist mir dort allerdings nicht begegnet.
Leider ist der Kaffeewärmer im Aussterben begriffen, er wird von pflegeleichteren Materialien verdrängt, dem Stövchen oder der Thermoskanne. "Zu Recht", werden moderne Menschen sagen, "der Kaffeewärmer ist ein überflüssiger Staubfänger." Ich finde ihn aber einfach gemütlich und verschroben. Er gibt dem deutschen, rituellen Kaffee und Kuchen eine individuelle, etwas schräge Note. Doch vor allem erinnert er mich an meine Oma Grete. Und das möchte ich nicht missen.







per E-Mail verschicken

Facebook
Twitter
RSS

