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Ein Magazin von Claire Doutriaux

Jeden Sonntag um 20 Uhr

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Ein Magazin von Claire Doutriaux

Jeden Sonntag um 20 Uhr

Ein Magazin von Claire Doutriaux

Sendung vom 16. Juli 2006 - 16/07/06

der Gegenstand: der Paternoster

der Paternoster


Corinne Delvaux, die viele Jahre in Deutschland gelebt hat, möchte die Franzosen heute für einen ganz besonderen deutschen Fahrstuhl begeistern. 


Wissen Sie, dass die Franzosen diesen Fahrstuhl nicht kennen? Dieser Fahrstuhl, der niemals stillsteht: der Paternoster. In jeder Hinsicht ein Erfolgsmodell. Schauen Sie: Er ist schön, faszinierend, leise und so praktisch. Ein Fahrstuhl, vor dem man nicht dazu verdammt ist, darauf zu warten, dass  er endlich an Ihrer Etage ankommt. Der ideale Aufzug für alle Ungeduldigen.Und dann hat der Paternoster so einen sinnigen Namen, vom Rosenkranz abgeleitet. Der erste Paternoster wurde 1885 in einem Hamburger Handelskontor installiert. Heute sind in Deutschland noch an die 350 in Betrieb. Und das nur, weil  ein paar Vereine hartnäckig für ihren Erhalt kämpfen. Aber wer will denn dem Paternoster den Garaus machen? Eine ganze Reihe von Technischen  Überwachungsvereinen, die bekanntlich in Deutschland mächtig sind. Immerhin verursachen die Paternoster jedes Jahr mehrere, manchmal sogar tödliche Unfälle.



Sehen Sie dieses Schild hier?  "Für Kinder und Gebrechliche verboten". Dieses Ding hält eben nie an: man muss während der Fahrt rein- und rausspringen, wie bei einem fahrenden Zug. Wenn das daneben geht. Los, nur Mut! Hoppla! ….. Uff! Geschafft!


Aber schon geht der Stress los, denn man muss ja wieder aussteigen. Ich kenne niemanden, der bei der Vorstellung, aus diesem Ding herausspringen zu müssen, keine Angst hätte. Das Herz klopft, oft fährt noch jemand mit, vor dem man sich nicht bloßstellen möchte. Nein, noch nicht, ist noch zu früh! Jetzt oder nie. Mein Gott, verpasst! Hilfe! Werde ich nun zusammengequetscht, oder dreht sich die Kabine um und ich fahre kopfüber nach unten? Ein wahnwitziger Fahrstuhl, der zum Todesspiel treibt.

Was ich beim Paternoster so genial finde, ist, dass er die auf absolute Sicherheit eingeschworene Gesellschaft permanent herausfordert. Und schließlich  ist es ganz schön paradox, dass ausgerechnet in Deutschland  und da auch noch in den Gebäuden der Behörden diese scheinheiligen Paternoster ihren stummen, steten und provozierenden Widerstand leisten gegen alle Normalisierungsversuche  europäischer  Instanzen.

Text: Corinne Delvaux
Bild: Joris Clerté

Erstellt: 17-02-09
Letzte Änderung: 25-04-04


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