Die deutsche Gastronomie hat keinen Weltruhm, ich weiß. Es gibt jedoch ein deutsches Gericht, von dem ich finde, dass es internationale Anerkennung verdient. Diesen Leckerbissen möchte ich unseren französischen Freunden nicht länger vorenthalten. Meine Damen und Herren, darf ich vorstellen: die Currywurst.4. September 1949 in Berlin. Herta Heuwer steht in ihrer kleinen Imbissbude am Stuttgarter Platz. Es regnet in Strömen, kein Mensch auf der Straße. Um ihre Langeweile zu vertreiben, beginnt sie wild zu experimentieren. Sie mixt Tomatenmark mit allerlei Gewürzen, hantiert, probiert, schmeckt ab.
Dann hackt sie eine Bratwurst klein, gießt ihre dubiose Mixtur darüber und streut zu allem Überfluss auch noch Currypulver darauf. Das Ergebnis sieht nicht nur hochinteressant aus, es ist allen Erwartungen zum Trotz auch noch essbar! Die neue Kreation spricht sich schnell herum und Herta Heuwer nennt ihre Imbissbude ab sofort "1. Currywurstbraterei der Welt". Seltsamerweise beanspruchen auch die Hamburger die Erfindung der Currywurst für sich. Davon zeugte eine Gedenktafel am Hamburger Großneumarkt, die allerdings vor einiger Zeit gestohlen wurde. Dafür hängt Herta Heuwers Gedenktafel heute noch in Berlin-Charlottenburg.
Wie dem auch sei, schon bald wird in ganz Deutschland eine Currywurst nach der anderen serviert. Das Rezept wird auf Ketchup und Currypulver reduziert, aber den Gästen schmeckt es trotzdem. 1963 macht dann der Handwerkersohn Friedhelm Selbach aus Radevormwald eine Erfindung, die die Currywurstzubereitung revolutioniert: Den automatischen Currywurstschneider, eine an einen Fleischwolf erinnernde Maschine mit einem rotierenden Messer. Damit ist die Wurst in Sekundenschnelle servierfertig. Jetzt ist ihr Siegeszug nicht mehr aufzuhalten.Heute kann man Currywurst an Stehbuden in allen deutschen Städten bekommen. Und zwar an jeder Ecke und zu jeder Tageszeit. Sie kommt in der immergleichen Schale aus Pappe mit dem typischen, gewellten Rand, die genau in die Handfläche passt. Das ist nicht nur sehr ästhetisch sondern auch praktisch. Der Currywurst-Esser kann die Schale ganz locker in einer Hand halten und hat die andere frei, um die Wurststückchen mit einer unglaublich winzigen Plastikgabel aus der rotbraunen Soße zu fischen.
Noch eins: Wenn man Sie in Berlin beim Kauf einer Currywurst fragt: "Mit Darm oder ohne?" Dann antworten Sie nicht "Igitt", sondern: "Mit Darm bitte". Das bedeutet nämlich "mit Pelle". Alle lieben Currywurst, sogar der ehemalige Bundeskanzler Gerhard Schröder. Wie sie schmeckt? Nach Bratwurst, Ketchup und Curry. Wonach denn sonst?







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