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Ein Magazin von Claire Doutriaux

Jeden Sonntag um 20 Uhr

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Ein Magazin von Claire Doutriaux

Jeden Sonntag um 20 Uhr

Ein Magazin von Claire Doutriaux

Sendung vom 3. Dezember 2006 - 03/12/06

der Gegenstand: die Dosenmilch

die Dosenmilch


Elisa Eidam ist eine Studentin, die zwischen Frankreich und Deutschland pendelt. Ihr Vater ist deutsch, ihre Mutter Französin. Wenn es ums Kaffeetrinken geht, scheint sie jedenfalls eher deutsch zu sein.


barenmarke_1.jpg.imageDataMan findet sie auf deutschen Kaffeetafeln. Einem Franzosen kommt sie wie ein Stilbruch vor, in Deutschland ist sie Kult: die Dosenmilch. Wie ein Ufo steht die kleine Weißblechdose auf der geblümten Tischdecke, zwischen Kaffekanne, Schwarzwälder Kirschtorte und der Zuckerdose aus Meissner Porzellan. Daneben liegt ein Werkzeug, das ein bisschen aussieht wie ein Schraubenzieher.

Zu Beginn des gemütlichen Kaffeekränzchens tut der Deutsche nun etwas, was jedem uneingeweihten französischen Besucher als das traumatischste seiner Urlaubserlebnisse in Erinnerung bleiben wird. Der Deutsche nimmt den Schraubenzieher, stellt ihn auf die Dose und rammt ihn mit brachialer Gewalt ins Blech. Kaum hat sich der Franzose von seinem Schreck erholt, kracht das Werkzeug erneut in den Deckel, denn wie jedermann weiss, bedarf es nicht nur eines Auschankloches, sondern auch eines sogenannten Blubberloches.

barenmarke_2.jpg.imageDataDas zweite Loch hat oft zu Folge, das die gelbliche, dickflüssige Kondensmilch in hohem Bogen auf die Blümchentischdecke spritzt, beziehungsweise auf die Anwesenden. Am nächsten Tag benutzt man die Dose weiter, obwohl das Blubberloch mittlerweile angetrocknet ist und sich auf dem Deckel eine unappetitliche Milchkruste gebildet hat. Wie eklig, sagen da die Franzosen. Die bekannteste Dosenmilch ist die von Bärenmarke. Den Bärenmarkenbär kennt jeder Deutsche. Er ist das Symbol für heimelige Gemütlichkeit und bringt die heile Welt der Alpenwiesen auf den Tisch.

Aber seit wann geben Bären überhaupt Milch? Seit 1912. In diesem Jahr wurde nämlich die erste ungezuckerte Kondensmilch von der Berner Alpen Milchgesellschaft auf den Markt gebracht. Und weil im Berner Stadtwappen ein Bär ist, nannte man die Marke kurzerhand Bärenmarke. Was, empören sich die Deutschen, unsere Dosenmilch ist gar keine deutsche sondern eine schweizer Erfindung? Nein, sagen wir, sie ist eine französische Erfindung.

Die ungezuckerte Kondensmilch verdanken wir Louis Pasteur, der 1860 die Milch durch Erhitzen erst haltbar machte: Sie kennen alle das Pasteurisieren. Allerdings sind die Franzosen gar keine grossen Fans von Kondensmilch, schon gar nicht im Kaffee. Den trinken sie am liebsten schwarz. Kondensmilch gibt es in Frankreich entweder ungezuckert beim Kochen oder in einer ganz unsäglichen, regressiven Variante, die bei charakterschwachen Personen angeblich wie ein Droge wirken soll : gezuckert und am liebstendirekt aus der Tube gesuckelt. Wie eklig, sagen da die Deutschen.

Erstellt: 30-11-06
Letzte Änderung: 18-03-11


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