Vorsicht, nicht alle sind echt. Man sieht sie in Frankreich und in der ganzen Welt, die kleinen, sympatischen Kerle mit dem freundlichen und etwas einfältigen Gesichtsausdruck. Viele Franzosen können sogar die Namen von allen kleinen Gesellen Schneewittchens aufzählen, weshalb sie felsenfest davon überzeugt sind, dass die Zwerge - die man manchmal sogar überflüssigerweise "kleine Zwerge" nennt - ur-französisch sind. Aber die wahren Zwergenfreunde und Zwergenfachleute wissen natürlich, dass die einzig Echten, die Originale, deutsch sind. Und sie wissen auch noch genauer, dass die echten Gartenzwerge aus der kleinen Stadt Gräfenroda kommen. Dort, mitten im Thüringer Wald schuf im Jahre 1880 der Keramik-hersteller Philipp Griebel die ersten Zwerge, die er Gnome nannte.
Warum wohl Gnome? Gnome, die man seit dem Mittelalter kennt, sind Erdgeister, kleine schlaue und nützliche Wesen, fleißig und dienstbar. Sie leben in kleinen Höhlen und dunklen Grotten des Waldes und begleiten häufig die Bergleute bei ihrer Arbeit. Die Thüringer Bergleute trugen eine rote spitze Zipfelmütze, die dazu diente, die Decke der unterirdischen Stollen in den Minen zu fühlen. Aus diesem Grund setzte unser Keramiker den Zwergen ein rote spitze Zipfelmütze auf. Es gibt aber auch andere Theorien: Danach sollen Gnome Mittler zwischen der dunklen Unterwelt und den überirdischen Gewalten sein. Die spitze Zipfelmütze dient da gewissermaßen als Antenne.Wie dem auch sei, ein richtiger Original-Gartenzwerg hat außer der roten Zipfelmütze einen langen weißen Bart und bunte Kleider. Er ist ungefähr 30 cm groß, aus Terracotta geformt und innen hohl. Darüber hinaus kann er mit den verschiedensten Utensilien ausgestattet sein, wie z.B. Eimer, Rechen, Schubkarre, Beil, Hammer, Schere, Angelrute, usw. Es gibt ungefähr 300 verschiedene Modelle von echten Gartenzwergen. Jeder hat seinen eigenen, persönlichen Charakter. Auch deshalb schließt man die kleinen Freunde ins Herz. Man schätzt, dass mehr als 20 Millionen Deutsche mindestens einen in ihrem Garten haben.
Die kleinen, sehr fleißigen und friedlichen Kerle dienen nicht nur der Zierde. Sie behüten auch den Garten. So versteht es sich von selbst, dass man behutsam und liebevoll mit ihnen umgeht. Man muss sie vor Unwetter und Unglücken schützen, indem man sie z.B. auf kleinen Stöckchen festmacht. Manche ihrer Besitzer sprechen sogar regelmäßig mit den Zwergen. Angeblich verstehen sie nämlich deutsch. Allerdings kann man die exzessive Liebe zu Gartenzwergen auch übertreiben: Weil die Nachfrage immer größer wurde, haben die Hersteller in Gräfenroda – gleichwohl Hüter der Tradition – weibliche Figuren geschaffen als Gespielinnen für die armen vereinsamten Zwerge. Die Reaktion auf diese Ketzerei war entsprechend heftig:Für den Internationalen Gartenzwerg-Schutzverein können diese grotesken Figuren auf gar keinen Fall als ordentliche Gartenzwerge betrachtet werden.
Aber es gibt noch schlimmere Geschmacksverirrungen, wie diese lüsternen Zwerge, die ihren Hintern oder gar den Penis zeigen; ganz zu schweigen von diesen schrecklichen Plastikfiguren, die aus China oder sonstwoher kommen. Das ist wirklich zu kitschig. Achtung, ich muss meine Landsleute vor einer großen Gefahr warnen, die unsere kleinen Lieblinge bedroht. Sie kommt aus Frankreich: Wussten Sie, dass nachts manchmal Aktivisten der sogenannten Gartenzwerg-Befreiungsfront in die Gärten eindringen und Gartenzwerge kidnappen, um sie von ihrer angeblichen Knechtschaft zu erlösen und dann in ihrer natürlichen Umgebung, dem Wald, auszusetzen? Nein, die Franzosen haben wirklich nichts vom wahren Wesen der Gartenzwerge verstanden.







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