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Ein Magazin von Claire Doutriaux

Jeden Sonntag um 20 Uhr

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Ein Magazin von Claire Doutriaux

Jeden Sonntag um 20 Uhr

Ein Magazin von Claire Doutriaux

Sendung vom 07. Februar 2010 - 07/02/10

der Gegenstand: die Hostie

die Hostie


Der Besuch bei einer deutschen Freundin hat in Corinne Delvaux Erinnerungen geweckt. Sier erzählt uns nun eine sehr persönliche Geschichte aus ihrer Kindheit.

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Sie werden vielleicht irritiert sein von dem, was ich heute erzähle. Ich möchte jedoch niemanden schockieren, sondern nur etwas ansprechen, das meine Kindheit geprägt hat und immer anklingt, wenn ich in Deutschland bin…

Wie die meisten französischen Mädchen hatte ich meine erste Kommunion mit 6 Jahren. Das war Anfang der 60er Jahre. Damals erklärten uns die Nonnen unserer Schule, dass der Priester uns , inzwischen ist das etwas anders, eine runde Hostie auf die Zunge legen werde.

Diese Hostie habe durch das Sakrament des Abendmahls ein Wandlung erfahren: sie sei zum Leib Christi geworden, der für uns am Kreuz gestorben ist. Wir sollten diese geweihte Hostie also wie etwas Übersinnliches empfangen: wir durften sie nicht anfassen, nicht mit ihr im Mund herumspielen, wir sollten sie auf der Zunge zergehen lassen und durch die Berührung mit ihr kein Vergnügen empfinden.

Mein Gott, wie alleine waren wir damals mit all unseren Fragen, all diesen Gewissenskonflikten, in die uns die Anweisungen der Nonnen stürzten. Was sollte man tun, wenn die Hostie am Gaumen festklebte? Durfte man sie mit der Zunge vom Gaumen lösen, oder war das schon Gotteslästerung?

Für ein sechsjähriges Kind sind das ernsthafte Fragen, die wir kaum mit einer Freundin zu besprechen wagten. Einmal, als ich mich im Beichtstuhl bezichtigte, die Hostie mit Genuss gegessen zu haben, antwortete mir der Priester, dass dies unmöglich sei, das man den Leib Christi nicht mit Lust essen könne. Ich musste demnach ein ganz fürchterliches Kind sein. 

Und doch gab es Süßigkeiten, die man Hostien nannte: das waren zwei Hostien mit Vertiefungen, die aneinandergeschweißt mit einer leckeren Brause gefüllt waren. Diese Hostien gab es in rosa, grün, gelb und blau. Sie hatten natürlich nichts mit den Hostien der Kirche zu tun, man durfte sie lustvoll genießen.

Und dann, eines Tages, als ich schon in Deutschland wohnte, besuchte ich ein Freundin. Sie machte gerade Makronen. Der Teig war fertig. Doch bevor sie kleine Häufchen davon auf das Backblech setzte, sah ich mit großem Erstaunen, wie sie runde Blättchen ordentlich auf dem Blech verteilte, genau: Hostien! Diese Hostien meiner Kindheit, weiß und dünn, nur etwas größer, als die, die ich kannte.

Dann gab sie einen Klecks Teig auf jede Hostie. Die Hostien nahm sie aus einer rechteckigen, schmalen Schachtel, auf der "Backoblaten" geschrieben stand. 150 Hostien in einer Schachtel, Hostien zum Backen, zum anknabbern, unter den Gaumen kleben, ablecken, zerbrechen, lutschen, anfassen.Ich erfuhr also, dass man auf deutsch "Backoblaten" zu diesen Blättchen aus Weizenmehl und Stärke sagt, die man zum Plätzchenbacken nimmt. Zu Hostien werden sie erst durch die Weihe beim Gottesdienst.

Manche behaupten, Backoblaten schmecken nach nichts, außer vielleicht nach Pappe.  Meiner Meinung nach irren Sie sich sehr. Backoblaten haben einen ganz und gar köstlichen Geschmack, und sei es auch nur der Geschmack des Verbotenen…  

Text: Corinne Delvaux
Bild: Bérangère Lallement


Erstellt: 15-02-10
Letzte Änderung: 15-02-10


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