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Ein Magazin von Claire Doutriaux

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Ein Magazin von Claire Doutriaux

Jeden Sonntag um 20 Uhr

Ein Magazin von Claire Doutriaux

Sendung vom 17. Februar 2008 - 17/02/08

der Gegenstand: die Rücktrittbremse

die Rücktrittbremse


Corinne Delvaux schwingt sich heute auf ihr Fahrrad, um den Franzosen eine deutsche Eigenart zu erklären. Auf geht's!


Wir sind in Berlin. Das sieht man doch am Fernsehturm im Hintergrund, oder? Gut, dieser Herr ist Franzose und er freut sich, denn seine Berliner Freunde haben ihm ein Fahrrad geliehen, um die Stadt zu besichtigen. Super. Unser französischer Freund steigt also auf das wunderschöne Hollandrad, von denen es in Deutschland zahlreiche gibt und auf denen man so wunderbar aufrecht sitzt. Aber was macht er denn da? Unser Freund hat anscheinend ein Problem. Er kommt wohl nicht vom Fleck! Was ist denn bloß los?

Also, irgendetwas stimmt nicht, obwohl das Fahrrad doch ganz normal aussieht… Neuer Versuch, es sieht so aus, als wolle das Fahrrad einfach nicht! Nun, unserem Freund wird langsam klar, dass er sein Gleichgewicht nicht durch kurzes Rückwärtstreten halten kann und auch das Pedal kann er nicht in die gewünschte Position bringen, nein, es weigert sich hartnäckig, sich auch nur einen Zentimeter nach hinten zu bewegen. Unser französischer Freund hat soeben Bekanntschaft mit einer deutschen Besonderheit gemacht, und zwar mit der Rücktrittbremse. Sobald man bei diesem Fahrrad das Pedal nach hinten tritt, bremst es. Es steht augenblicklich still.

Dieses System erleichtert das Erlernen des Fahrradfahrens leider gar nicht… man bekommt das Pedal nämlich nur schwer in die richtige Startposition. Das System wurde 1903 von dem Deutschen Ernst Sachs erfunden. Sieht er nicht fabelhaft aus? Ein Großteil aller deutschen und skandinavischen Stadtfahrräder sind damit ausgestattet, in Südeuropa konnte es sich allerdings nicht durchsetzen. Hier sehen Sie eine hübsche Werbung von damals für die Rücktrittbremse der Firma Fichtel und Sachs. Schauen wir uns das mal an: Alles passiert in der Nabe des Hinterrades. Hier das Modell einer Nabe. Wenn der Radfahrer das Pedal nach hinten tritt, wird dieser Konus in den Bremsmantel hineingedrückt, beide verkeilen sich und üben einen Druck auf das Nabeninnere aus, wodurch das Fahrrad gebremst wird. Genial, oder? Bremsen, die sich nie abnutzen und die in jeder Lebenslage funktionieren. Selbst beim scheußlichsten Wetter: Sehen Sie selbst, auch wenn es in Strömen regnet, funktioniert dieses Bremssystem hervorragend und das Fahrrad bleibt sofort stehen, was, wie Sie zugeben müssen, bei einfachen Felgenbremsen meistens nicht der Fall ist.

Und hier eine andere ältere Werbung, die ebenfalls sehr hübsch ist und die Vorzüge der Rücktrittbremse im Gebirge preist. Wir erlauben uns allerdings, einige Vorbehalte zu äußern: Die Rücktrittbremse macht das Rad schwerer, was das Erklimmen von Gebirgsstraßen nicht gerade erleichtert. Die Probleme stellen sich jedoch vor allem beim Herunterfahren: Die Benutzung der Rücktrittbremse empfiehlt sich bei Gebirgsabfahrten nämlich nicht. In der Tat kann die Überhitzung der Nabe das Bremssystem kaputt machen...

Text: Corinne Delvaux
Bild: Claire Doutriaux
Mit: Jacques Falgous

Erstellt: 15-02-08
Letzte Änderung: 20-05-10


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