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Ein Magazin von Claire Doutriaux

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Ein Magazin von Claire Doutriaux

Jeden Sonntag um 20 Uhr

Ein Magazin von Claire Doutriaux

Sendung vom 8. Oktober 2006 - 08/10/06

der Gegenstand: die "fontaine Wallace"

die "fontaine Wallace"


Unsere Journalistin Nikola Obermann erzählt uns heute die Geschichte der malerischen Pariser Brunnen, die sogenannten Fontaines Wallace…


wallace.jpg.imageDataWer ist die schönste Pariserin? Die Seine? Die Kathedrale Notrfie-Dame? Amélie Poulain? Nein, ich finde, es ist die Fontaine Wallace. Sehen Sie sich diese Schönheit an: Ein Trinkwasserbrunnen aus grünem Gusseisen, 2 Meter 71 hoch. Auf dem Sockel vier Karyatiden, die auf ihren erhobenen Armen eine spitz zulaufende Kuppel tragen, die mit Delphinen verziert ist. In der Mitte fließt ein feiner Strahl Trinkwasser. So. Das ist alles. Das ist alles? Nein, das noch lange nicht alles. Fontaine Wallace. Wallacebrunnen.

Wallace, das klingt aber nicht gerade französisch… Stimmt. Zur Fontaine Wallace gehört nämlich eine Geschichte. Die Liebesgeschichte zwischen einem Engländer und den Franzosen, während die Deutschen sie bombardieren. Gut, ich erzähl sie Ihnen: Der Engländer, Sir Richard Wallace, wird 1818 in London als unehelicher Sohn eines gewissen Marquis von Hertford geboren, einem der reichsten Männer Europas. Ab 1824 lebt Richard bei seiner Großmutter in Paris, freundet sich mit Malern an und wird Kunstsammler.

wallace2.jpg.imageDataKurz nach Ausbruch des deutsch-französischen Krieges von 1870/71 ist Paris von den Deutschen belagert. Es hagelt Bomben. Es ist kalt. Es mangelt an allem: Kohle, Nahrungsmittel, Wasser. Und jetzt entpuppt sich Richard Wallace als wahrer Philanthrop, barmherzig und bescheiden. Anstatt nach England zurückzukehren um seine Haut zu retten, bleibt er in Paris, um den Parisern zu helfen. Und er hilft ihnen wirklich. Denn das trifft sich gut, er hat gerade eine riesige Erbschaft gemacht.

Also organisiert er einen Ambulanzdienst und eröffnet mit 100 000 Francs eine patriotische Spendenaktion, für – Zitat - "die unglücklichen Familien, die ihr Zuhause unter dem Feuer des Feindes verlassen müssen." Nach dem Krieg, den die Deutschen bekanntlich gewinnen, entwirft Sir Wallace dann zwei wunderschöne, der Renaissancekunst nachempfundene Brunnen, um zu verhindern, dass man jemals auf den Pariser Straßen Durst erleiden müsse. Hier ist das große Modell und hier das kleine, als Wandbrunnen gedacht. Sir Wallace überträgt die Herstellung einem begabten Bildhauer, Charles-Auguste Lebourg, und schenkt der Stadt Paris 50 Stück.

wallace3.jpg.imageDataDie erste Fontaine Wallace wird im September 1872 auf dem Boulevard de la Villette eingeweiht. Die begeisterte Menschenmenge schlägt sich fast um die zwei Eisenbecher, die an einer Kette festgemacht sind. Auch wenn die Becher 1952 aus Hygienegründen abgeschafft wurden, kann man heute noch aus den Pariser Wallacebrunnen trinken. Es gibt insgesamt 108 davon, Originale und Kopien. Sie sind sehr praktisch für Obdachlose und Touristen und alle finden sie wunderschön. Wenn Sir Wallace das wüsste, würde er sich sehr freuen. Wirklich sehr.


Erstellt: 27-09-06
Letzte Änderung: 18-03-11


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