Es ist amtlich: die jetzt noch üblichen französischen Nummernschilder sollen bald aus Frankreich verschwinden. Ab 2008 sollen die Schilder europäisch und damit vereinheitlicht werden. Ich persönlich finde das bedauerlich, weil damit ein kleines Spiel - und ein schöner Zeitvertreib - auf dem Weg in die Ferien verloren geht.Dies ist also ein französisches Nummernschild: Man nennt sie auch plaques minéralogiques, "mineralogische" Schilder. Ein eigenartiges Wort, das an Bergbau und Kohle denken lässt, das daher kommt, dass früher die Bergbaubehörde dafür zuständig war. Schwarze Ziffern und Buchstaben auf gelbem oder weissen Grund –früher waren sie silbern oder weiss auf schwarzem Grund, aber sie waren wohl nachts für die Polizei nicht so gut zu erkennen. Der erste Teil der Ziffern und Buchstaben ist rein willkürlich. Manche Buchstaben, wie zum Beispiel "i, o und u" werden nicht benutzt, weil sie leicht zu verwechseln sind. Am Ende stehen die beiden Ziffern des Départements.
In Frankreich gibt es 95 alphabetisch geordnete Départements, von 1 für Ain bis 89 für Yonne. Napoleon hat das so angeordnet. 1922 wurde der Bezirk Belfort zum Département und bekam die Nummer 90. Und 1968 wurde das riesige Département "Seine" aufgeteilt, Paris behielt die 75 und fünf neue Départements bekamen die Ziffern 91 bis 95. Wenn eine 93 – Seine –Saint Denis einer 75 in den Ferien begegnet, sagt sie sich: schon wieder so ein arroganter Pariser! Der hochnäsige Fünfundsiebziger denkt: Pffh, ein Vorstädter! Das verbindet. Wenn man eine 59 überholt, weiss man, der kommt aus dem Norden und man denkt an Zechen. 13, Bouches du Rhône, man denkt an Marseille, oder bei der 69, Rhône, denkt man an Lyoner Küche und Wurst.
Je nach Herkunft, Ferienort oder Kenntnisstand hat jeder so seine Bezugspunkte: Sie fahren beispielsweise hinter einer 55: Sie denken an den Freund, der ein Ferienhaus im Département Manche – 50 - hat und an die Tante im Département Moselle – 57 – dazwischen gehören wohl Marne und Meurthe-et-Moselle und so kommen Sie zu dem Schluss: "kein Wunder, dass der Typ mit der 55 vor mir so langsam fährt, der kommt aus dem Département Meuse nach dem Flüsschen Meuse benannt, das der Dichter Charles Péguy "endormeuse" nannte, einschläfernd.Ein schöner Zeitvertreib. Weniger Begabte haben im Handschuhfach eine Liste der Départements, die man beim Tanken bekommt, sonst kann man auch in seinen Taschenkalender schauen. Denn in französischen Kalendern findet man immer, meist ganz vorne, die Liste der Départements. Voilà. Gute Fahrt.







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