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Ein Magazin von Claire Doutriaux

Jeden Sonntag um 20 Uhr

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Ein Magazin von Claire Doutriaux

Jeden Sonntag um 20 Uhr

Ein Magazin von Claire Doutriaux

Sendung vom 19. November 2006 - 19/11/06

der Ort: der Kreisverkehr

der Kreisverkehr


Sicher ist Ihnen aufgefallen, dass der Verkehr an Kreuzungen immer häufiger durch einen Kreisel geregelt wird. Um uns den Ursprung des Kreisverkehrs zu erklären, nimmt uns Bettina Wohlfart auf eine kleine Europareise mit.


rondpoint1.jpg.imageDataSie haben sicher schon einmal in einem Kreisverkehr vergeblich Runden auf der Suche nach der richtigen Ausfahrt gedreht! Aber während Sie da im deutschen "Kreisverkehr", im französischen "rond-point" oder englischen "roundabout" im Kreis fahren … haben Sie sich je die lange Geschichte dieses Verkehrsphänomens vorgestellt? Nein? Dann kommen Sie mit! Zunächst geht es Richtung Paris und zurück in die Renaissance. Die französische Königin Maria von Medici sehnte sich in Paris nach einem Zeitvertreib, der in ihrer Geburtsstadt Florenz ganz à la mode war: mit der Kutsche spazieren fahren.

Die mittelalterlichen Gassen rund um den Louvre kamen für solche Exkursionen nicht in Frage. 1620 ließ die Königin deshalb außerhalb der Stadt eine majestätische anderthalb Kilometer lange Allee anlegen, gesäumt von Ulmenreihen. Alsbald fand die hohe Gesellschaft Geschmack an den Spazierfahrten: die Damen in offenen Kaleschen, die Herren zu Pferd. Die neue Allee wurde sogar bald schon zu einem galanten Treff.

Die Herren ließen ihre Pferde von einer Kalesche zur nächsten tänzeln, und die Kaleschen konnten - und nun sind wir beim Thema - im ersten Kreisverkehr der Geschichte eine Runde drehen. Noch heute heißt die damals so elegante Allee nach der Königin: Cours la Reine, cours kommt vom Italienischen corso. Und der alte Kreisel ist heute die Place du Canada.

rondpoint2.jpg.imageDataDas war also der allererste Kreisverkehr. Ganz in seiner Nähe befindet sich seit 1907 der Archetyp des heutigen Kreisverkehrs: nämlich die Place de l’Etoile mit dem Triumphbogen in ihrer Mitte. Dieser viel-spurige Megakreisverkehr mit 12 sternförmig abzweigenden Avenuen und tosendem Verkehr ist der Alptraum aller ausländischen Autofahrer. Bei jedem Kreisverkehr stellt sich die Frage nach der Vorfahrt! Fast überall gilt heute: Vorfahrt für die Fahrzeuge, die sich im Kreisel befinden. Aber keine Regel ohne Ausnahme – in Paris zum Beispiel!

Was das tägliche Chaos erklärt, das oft in Pariser Kreisverkehren herrscht. Aber setzen wir nun nach England über und wagen uns im Linksverkehr hinters Steuer. Sofort wird klar, dass sich die Briten den Kreisverkehr im großen Stil angeeignet haben. Ihr erster Kreisel war der "Parliament Square" in London, der 1924 gebaut wurde. Lange hielten die Engländer den absoluten Kreisel-Rekord - auch wenn die Franzosen sie später überholten. Die "gyratories" sind oft einfallsreich dekoriert und bekamen sofort den liebevollen Spitznamen "roundabout" - "Drumherum".


Doch der Höhepunkt ist sicherlich der "magic roundabout": ein Megakreisel mit mehreren integrierten Unterkreiseln, in denen der Autofahrer vom Festland endgültig die Kontrolle verliert. Die Briten sind so begeistert von ihren Kreiseln, dass sie das "roundabout spotting" erfunden haben: Der Zeitvertreib besteht darin, immer neue Kreisel ausfindig zu machen, zu fotografieren, zu katalogisieren und sogar Picknicks auf den Inseln zu veranstalten.

rondpoint3.jpg.imageDataNie hat der deutsche Kreisverkehr so viel Begeisterung ausgelöst. In Deutschland wird der Kreisel nur selten dekoriert, er ist rein funktionell. Es gibt auch nur etwa viertausend Kreisel, gegen fünfzehn- bis zwanzigtausend in Großbritannien und fast dreißigtausend in Frankreich! Fahren wir also noch einmal zurück nach Frankreich. Seit gut zwanzig Jahren hat sich eine wahrhaftige Kreiselepidemie im Land verbreitet.


Jede Gemeinde hat in ihrem Bauplan eine Umgehungsstraße vorgesehen, auf der sich die Kreisel wie Perlen reihen und das Prinzip der Kreuzung mit ständigem Stau effizient ersetzen. Die Kreiselinseln sind dabei zum idealen Standort für den Ausdruck von Regionalstolz geworden: bukolische Landschaften mit Lavendel, Weinrebe und Olivenbaum in der Provence, Betonkühe und silberne Pferde in der Normandie, Tuffsteinarchitektur an der Loire, aber auch Skulpturen regionaler Künstler, römische Ruinen oder florale Dekorationen, die meist wunderbar kitschig sind und so weiter und so fort. Geraten Sie also nicht in Panik, wenn plötzlich eine Giraffe über Ihrem Steuer auftaucht, wahrscheinlich nähern Sie sich einfach nur einem Kreisel!


Erstellt: 17-11-06
Letzte Änderung: 18-03-11


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