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Ein Magazin von Claire Doutriaux

Jeden Sonntag um 20 Uhr

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Ein Magazin von Claire Doutriaux

Jeden Sonntag um 20 Uhr

Ein Magazin von Claire Doutriaux

Sendung vom 8. Juni 2008 - 08/06/08

der Ort: der Partykeller

Haben Sie Lust auf eine Party? Das trifft sich gut, denn Deike Moggert zeigt uns den idealen Ort dafür. Sind Sie bereit?

Fragen Sie einmal einen Franzosen, was ihm spontan zum Thema Keller einfällt! Vermutlich nennt er Ihnen Stichworte wie Wein, Tiefkühltruhe, Werkzeug und Spinnweben. Das ist bei den Deutschen anders. Viele Deutsche denken beim Stichwort Keller sofort an wilde Partys in legendären Partykellern. Denn so mancher Deutsche hat zwischen Gerümpel und eingemachten Bohnen einen Raum eingerichtet, der eben diesem Zweck dient: Party machen. Partykeller gibt es vor allem auf dem Land. Aber auch in der Stadt, unter Einfamilienhäusern, Kurhäusern, Universitäten, Polizeipräsidien und Internaten kann man sie finden.

In einem authentischen Partykeller darf nie die Holzvertäfelung fehlen, die der feuchten, kalten Kellerwand einheimelnde Wärme geben soll. Sie ist mit Papiergirlanden, Lichterketten, Fußballpostern und Playboy-Kalendern dekoriert, also mit all dem, was man nie im Wohnzimmer aufhängen würde. Beliebt sind auch flotte Sprüche, die der Kellerbesitzer in liebevoller Kleinarbeit in ein Stück Holz gebrannt oder auf einen Porzellanteller gemalt hat.

Das Glanzstück des Partykellers ist die Theke. Sie ist mit einem Kühlschrank, einem Waschbecken mit integrierten Spülbürsten und manchmal sogar mit einer echten Zapfanlage ausgerüstet. Darauf liegen gehäkelte Deckchen und Bierdeckel, obendrüber hängen griffbereit die Gläser, damit es beim Einschank nicht zum Stau kommt. Vor der Bar stehen ein paar Barhocker. Und dann ist da noch die durchgesessene Couch von Oma. Auf der kann man gemütlich sitzen und nach Herzenslust Salzstangen knabbern. Eine verstaubte Glühbirne verleiht der Szenerie einen romantisch-vergilbten Touch. Es sei denn, man hat in eine Diskokugel oder eine Lichtorgel investiert. Dann noch eine Stereoanlage und los geht’s, die Party kann beginnen!

Zunehmender Wohlstand und mehr Freizeit veranlassen den Durchschnitts-Deutschen in den 60er-Jahren, sich ein schickes Eigenheim mit Hobbyräumen zum Heimwerken und Musikhören zu bauen. In dieser Zeit entstehen die ersten Partykeller. Hochkonjunktur haben sie in den 70er-Jahren, wenn schrille Flower-Power-Tapeten sie schmücken und Diskoklänge die Unterwelt zum Beben bringen. Für Geburtstage, Fußballweltmeisterschaften und Silvesterfeiern ist der Partykeller einfach ideal. Aber gut, eine Feier zu organisieren ist anstrengend. Meist sind dann doch die pubertierenden Jugendlichen etwas motivierter als ihre Eltern und sind am Ende die einzigen in der Familie, die den Partykeller nutzen - nachdem sie die Fahrräder rausgeräumt und alles entstaubt haben.

Die Party findet dann von den Eltern hermetisch abgeschirmt statt und ist wahrscheinlich nur aus diesem Grund so aufregend - abgesehen natürlich vom Flaschendrehen, was bekanntlich mit dem ersten Kuss endet. Leider kommen Partykeller allmählich aus der Mode. Eine Studie belegt, dass sich nur noch knapp 2 % der Deutschen einen einrichten würden, wenn sie das nötige Geld hätten. Aber Gott sei Dank gibt es in Deutschland immer noch unzählige Partykeller. Das Glanzstück der deutschen Partykultur wird sich doch so schnell nicht unterkriegen lassen.

Erstellt: 05-06-08
Letzte Änderung: 16-05-12


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