Sendung vom 14. Juni 2009 - 14/06/09
der Wohnraum: das Wohnzimmer
Elsa Clairon lädt uns nun ein, die Einrichtungen deutscher, österreichischer, schweizer und französischer Wohnungen genauer zu betrachten.
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Im Jahr 2004 beschließt eine deutsche Werbeagentur, um nicht zu sagen Jung von Matt, das typische Wohnzimmer einer typischen deutschen Familie in ihrer Hamburger Agentur nachzubauen, um die Bedürfnisse der Verbraucher besser einschätzen zu können. Hier also das Wohnzimmer der Müllers, eine selbstverständlich absolut fiktive Familie.
Beflügelt vom Erfolg ihrer Aktion baut die Agentur ein Jahr später nach demselben Prinzip auch das Wohnzimmer einer österreichischen Durchschnittsfamilie nach und schließlich auch noch das typische schweizer Wohnzimmer. Vorsicht, die Möbel wurden nicht irgendwie ausgesucht, sie wurden nach einer genauen Analyse von Hunderten von Statistiken der Möbelhersteller ausgewählt.
Das Problem ist nur, dass die Agentur Jung von Matt leider keine Filiale in Frankreich hat. Also mussten wir uns von Karambolage ganz allein an die Arbeit machen, naja, nicht ganz, denn der französische marktführende Möbelhersteller Conforama hat uns geholfen. Gut.
Beginnen wir mit dem unverzichtbaren Herzstück eines jeden Wohnzimmers: das Sofa. Hier also das Sofa, das man am häufigsten in Deutschland, in der Schweiz und Österreich sieht. In ihrem Kommentar erklärt uns die Agentur Jung von Matt, dass sich die Schweizer und Österreicher für blaue Sitzgruppen begeistern, dass die Österreicher wuchtige Sitzecken bevorzugen, dass die Schweizer Sitzgruppen aus Sessel, Zwei- und Dreisitzern lieben, während die Deutschen ein absolutes Faible für warme Erdtöne wie Terrakotta haben.
Wir erfahren auch, dass das deutsche Sofa Frauensache ist. Wenn Frau Müller es sich gemütlich machen will, kuschelt sie sich in eine Decke und liest ein gutes Buch. Herr Müller sitzt wie die meisten seiner männlichen Landsleute so, dass er sofort sehen kann, wer reinkommt. Man erklärt uns auch, dass die Österreicher bevorzugt Schlafsofas kaufen, um ihre Gäste darauf unterzubringen, auch wenn sie nur selten davon Gebrauch machen. In Frankreich sind die drei Sofas, die sich bei Conforama am besten verkaufen, das beige Schlafsofa, das graubraune Sofa mit dem Bettsessel, das auch als Eckkombination funktioniert, und das braune Schlafsofa.
Natürlich braucht man zum Sofa auch einen Couchtisch. Die Deutschen und die Schweizer mögen den Materialmix, wie man hier sieht. Die Schweizer haben ein kleines Faible für asymmetrische Tische. Der österreichische Couchtisch ist aus Massivholz und passt so gut zum österreichischen Sofa. Wir erfahren, dass in Deutschland praktisch immer eine Zeitung auf dem Couchtisch liegt, und dass es sich dabei meistens um die Bildzeitung handelt, deren Auflage bei dreieinhalb Millionen liegt. Wir erfahren auch, dass die Lieblingsblumen der Deutschen Tulpen sind und es Frau Müller ist, die sich um die Blumen kümmert. Hier der meistverkaufte Couchtisch in Frankreich, dicht gefolgt von diesem hier.
Kommen wir zur Schrankwand, die in keinem Wohnzimmer fehlen darf. Das Prunkstück dient nicht nur Repräsentationzwecken sondern auch als Stauraum. Jung von Matt zufolge leiden die Deutschen an Sammlerwut. Es hängen viele Photos an den Wohnzimmerwänden: Hochzeitsphotos und Photos vom kleinen Alexander. In der Schweiz herrscht ein regelrechter Kinderkult. Die Kinderphotos stehen dort wie auf einem Altar. Die Stereoanlage besticht nicht durch Modernität. Die Schweizer sind nämlich sparsam und kaufen erst eine neue, wenn die alte endgültig den Geist aufgegeben hat. Die Österreicher nennen die Schrankwand "Wandverbau". Der Herr des Hauses stellt ganz oben seine Fußballpokale zur Schau, oder, noch österreichischer, seine Skipokale.
Doch es scheint, als seien die Tage der Schrankwand in Deutschland gezählt, immer mehr Deutsche wenden sich von dem Möbelmonster ab. In Frankreich liebt man Einzelstücke: ein Schrankregal mit passendem Buffet oder ein rustikaler Schrank, auch er mit dem dazugehörigen Buffet. Seltsamerweise hat sich Jung von Matt nicht für das Eßzimmer interessiert, zentraler Punkt des französischen Familienlebens: Hier also das am weitesten verbreitete französsiche Eßzimmer, dicht gefolgt von seiner rustikalen Variante.
So, wir hoffen sehr, dass die Agentur Jung von Matt auch bald eine vergleichende Studie über Küchen und Schlafzimmer macht… Wir werden sehen.
Text: Elsa Clairon
Bild: Maija-Lene Rettig
der Wohnraum: das Wohnzimmer finden Sie auf der
DVD 8
Erstellt: 12-06-09
Letzte Änderung: 16-05-12