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Ein Magazin von Claire Doutriaux

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Sendung vom 17. Dezember 2006 - 17/12/06

die Bildanalyse: Ulrich Wickert überquert die Place de la Concorde

Ulrich Wickert überquert die Place de la Concorde


Stellen Sie sich vor: Die Franzosen haben noch nie etwas von unserem Frankreich-Spezialisten Ulrich Wickert gehört. Und dabei hat er in Paris Kopf und Kragen riskiert. Elsa Clairon zeigt uns nun diese historische Aufnahme.


wickert.jpg.imageDataDie Franzosen kennen diesen Mann nicht. In Deutschland ist er bekannt wie ein bunter Hund: Für die Deutschen gehört, besser gesagt gehörte Ulrich Wickert, der berühmte Nachrichtensprecher der Tagesthemen im Ersten, natürlich zum Alltag. Hier sehen Sie ihn, am 31. August 2006, bei seiner Abschiedsfeier von den Tagesthemen.

Die Deutschen mochten Ulrich Wickert: seine persönliche und bisweilen humorvolle Art, die Nachrichten zu sprechen, seine Fähigkeit, komplexe Sachverhalte verständlich zu machen, die beruhigende Miene, die er den Dramen dieser Welt entgegensetzte, und nicht zuletzt sein Hang zur Kultur trugen zu seiner Popularität bei.
Und dann war da noch diese väterliche Art, mit der Wickert die Nachrichten Abend für Abend beendete, indem er allen 'eine geruhsame Nacht' wünschte. Ausserdem ist Wickert für die Deutschen ein bisschen das Gesicht Frankreichs.Bevor er nämlich die Tagesthemen moderierte, war er der ARD-Korrespondent in Frankreich, ganze dreizehn Jahre lang.

Wickert liebt unser Land und hat ihm mehrere Bücher gewidmet: "Und Gott schuf Paris", "Vom Glück, Franzose zu sein" oder auch "Frankreich. Die wunderbare Illusion". Titel, die die etwas herablassende Ironie widerspiegeln, mit der er uns Franzosen beobachtet. Hier ist er, Ulricht Wickert, 1984 und erklärt seinen Landsleuten, wie man die place de la Concorde überquert ohne sich überfahren zu lassen! Die Deutschen kennen diese legendäre Aufnahme, die Franzosen kennen sie nicht. Diesen Mangel wird Karambolage nun beheben. Schauen wir einmal gemeinsam: ...So, haben Sie’s gesehen? Was haben Sie denn gesehen? Haben Sie gesehen, wie Wickert die Place de la Concorde ohne anzuhalten und ohne die Autos zu beachten überquert?

Schauen wir noch einmal: Wickert schaut in die Kamera, läuft todesmutig los…und jetzt aufgepaßt: nach zwei Schritten wird das Bild geschnitten, er taucht in einer anderen Einstellung auf und läuft auf die Kamera zu, schauen Sie sich die Breite der Streifen auf dem Boden gut an … sehen Sie? Wickert geht weiter, schauen Sie genau hin, ein Lastwagen wird nämlich ins Bild kommen und ihn verdecken. Tatsächlich ist der Lastwagen der Beginn einer dritten Einstellung, in der wir unseren Reporter im Profil sehen, aber an einer ganz anderen Stelle der Place de la Concorde: die Boden-markierungen sind nämlich viel schmaler als vorhin, sehen Sie? Erneuter Schnitt auf die vorherige Einstellung, Wickert kommt auf uns zu und hat den Platz überquert.

Aber warum ist die frontale Einstellung, die ungeschnitten seine Heldentat bewiesen hätte, geschnitten worden? Wieso fehlen bei dieser Einstellung 5 oder 6 Sekunden? Gab es etwas zu verheimlichen? Hat ein Auto den waghalsigen Reporter etwa doch zum Anhalten gezwungen?

Liebe deutsche Freunde, es tut uns wirklich leid, an einem Mythos zu kratzen. Wir wollten diese Heldentat eigentlich nur den Franzosen vorstellen. Doch nach aufmerksamem Betrachten der Bilder müssen wir Ihnen enthüllen: wahrscheinlich ist Ulrich Wickert nie über die Place de la Concorde gegangen ohne sich um die Autos zu scheren und ohne anzuhalten. Umso besser übrigens, sonst würde er heute wohl nicht mehr unter uns weilen. Und das wäre doch sehr schade, oder?

Text: Elsa Clairon
Bild: Claire Doutriaux

Erstellt: 14-12-06
Letzte Änderung: 02-10-09


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