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Ein Magazin von Claire Doutriaux

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Ein Magazin von Claire Doutriaux

Jeden Sonntag um 20 Uhr

Ein Magazin von Claire Doutriaux

Sendung vom 25. Januar 2004 - 25/01/04

die Bildanalyse: die Pressekonferenz

die Pressekonferenz


Daniel Binswanger ist deutschsprachiger Schweizer und lebt in Paris. Er ist Philosoph. Für Karambolage analysiert er eine Pressekonferenz im Elysée-Palast.


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Poivre d’Arvor: Guten Abend meine Damen und Herren, wir befinden uns im Garten des Elysée-Palasts zu einem Gespräch mit dem Staatspräsidenten. Guten Tag Herr Präsident!

Chirac: Guten Tag!

Poivre d’Arvor: In diesem Interview wollen wir gemeinsam mit Arlette Chabot versuchen, einige der Fragen zu beantworten, die sich die Franzosen über die Arbeitslosigkeit, die 35 Stunden Woche und so weiter stellen.

"Die Welt ist apfelsinenblau". So jedenfalls steht es in einem berühmten Vers des Surrealisten Paul Eluard. Und so scheint es auch, die würdige Zelebrierung französischer Größe gelegentlich zu fordern. Der vierzehnte Juli beispielsweise, Nationalfeiertag und Gipfel aller Republikanischen Weihen. Am vierzehnten Juli 1998, zwei Tage nachdem die französische Elf im Fußballweltmeisterschaftsfinale triumphiert hatte, schienen selbst die Farben gebeten von gallischer Grandeur zu künden. Die Starjournalistin Arlette Chabot trägt deshalb einen knallroten Tailleur, ein wahres patriotisches Feuerwerk. Der Rasen könnte gepflegter nicht sein, und niemand würde es wagen, die satte Grünfläche mit Füßen zu treten. Und natürlich ist der Himmel blau so blau, blau wie die Freude, blau wie der Sieg. Die ganze Farbskala scheint stramm zu stehen, denn, wie sagt nicht Präsident Chirac: …

Chirac: Dieses französische, zu gleich aber auch multikulturelle Team, bietet ein sehr positives Bild von Frankreich.

Es lebe die Patrie des Regenbogens, das Frankreich, das Farbe bekennt, das Farbfilm-Elysée. Der Präsident, versteht sich, repräsentiert alle Franzosen - weshalb er demokratisch gewählt wird. Aber der Präsident repräsentiert auch die Grandeur der Staatsmacht - weshalb er auf royalistischen Pomp nicht ganz verzichten kann. Und wie entschärft man diesen abgründigen Widerspruch in der Stunde der heiligen Eintracht? Man öffnet dem Volk den Palast. Handverlesene aber nichtsdestotrotz sehr volkstümliche Volksvertreter werden zur jährlichen Garden Party, zum tadellos demokratischen Staats-Picknick im Elyséegarten gebeten. In gebürender Distanz spielen die Volksvertreter Kulisse. Weit im Hintergrund, formen sie einen Ehrenspalier für sich selbst. Doch da steht plötzlich ein Frage im leeren Raum, der den Souverän umgibt, und schon entschlüpft sie dem Mund des ewig von seiner Luzidität gebeutelten Poivre d'Arvor.

Poivre d’Arvor: Heute möchten wir Ihnen gerne eine Frage stellen. Wozu dient eigentlich ein Staatspräsident?

"Wozu ganz genau ist der Staatspräsident eigentlich nütze?" Schweigen. Als wollten sie antworten, funkeln der Rasen, der Himmel und der orange Tailleur was das Zeug hält. Doch die Spannung wird unerträglich.

Chirac: Der Staatspräsident muss in erster Linie die Institutionen verkörpern.

"Die Rolle des Präsidenten ist es, die Institutionen zu verkörpern." Natürlich: es muss verkörpert werden. Es kommt auf das Bild an. Das Bild der Grandeur. Denn alle Farben zeigen Flagge. Der Effekt ist teuflisch französisch. Und ein wenig surreal.


Text: Daniel Binswanger
Bild: Claire Doutriaux

Erstellt: 05-05-04
Letzte Änderung: 10-09-09


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