Sendung vom 11. Januar 2009 - 11/01/09
die Frage: Sardinen / Heringe
Sardinen / Heringe
Ein Zuschauer aus Berlin, Günter Hoffmann, stellt uns folgende Frage: Können Sie mir vielleicht sagen, warum die Franzosen beim Camping unsere Heringe für das Zelt als Sardinen bezeichnen? Wir haben Frau Prof. Dr. Margit Förster, Professorin für Völkerkunde gebeten, diese Zuschauerfrage zu beantworten.
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Das ist in der Tat ein lustiger kleiner Unterschied: In Deutschland bezeichnet man seit etwa 1900 mit Hering den Zeltpflock oder Haken, mit dem ein Zelt am Boden befestigt wird. vermutlich ganz einfach auf Grund der Ähnlichkeit mit der Gestalt und Farbe des Fisches! Und der Hering ist eben der Deutschen liebster Fisch! Die Franzosen hingegen sind ganz verrückt nach Sardinen. Und das zeigt sich auch in der Sprache. Auf französisch gibt es den Ausdruck: plate comme une sardine, platt wie eine Sardine, wenn man sagen will, dass ein Mädchen wenig Oberweite hat.
Wenn es sehr eng ist, zur Stoßzeit in der Metro zum Beispiel, sagen sie: man sei "serrés comme des sardines", wie Sardinen eingezwängt. Gut, auch in Deutschland hört man manchmal den Ausdruck "wie die Sardinen eingezwängt", doch weitaus häufiger sagen wir: "Wir sind wie die Heringe eingezwängt", nicht wahr? Und zu einem besonders hageren Menschen sagen wir Deutschen: "dünner Hering". Und das ist auch logisch! Im Mittelmeer und Atlantik gibt es Sardinenschwärme, in der Nord- und Ostsee Heringsschwärme. Und was den Fischkonsum in beiden Ländern angeht, verzehrte man 2006 in Frankreich 11.400 Tonnen Ölsardinen, in Deutschland lediglich 4.309 Tonnen. umgekehrt werden in Deutschland jährlich 205 800 Tonnen Heringe verspeist, in Frankreich nur 6181 Tonnen. Ganz einfach also: In beiden Länder hat sich die Bezeichnung des jeweils populärsten Fisches durchgesetzt. Ich hoffe, Ihre Frage damit zufriedenstellend beantwortet zu haben.
Text: Margit Förster
Bild: Aurélie Pollet & Christine Gensheimer & Dagmar Weiss
Erstellt: 09-01-09
Letzte Änderung: 10-09-09