Die nächsten Monate werden für diesen Politiker, der noch nie für seinen Pragmatismus bekannt war, sicherlich nicht leicht werden. Seine direkte Art hat ihm nämlich viele Freunde, aber ebenso viele Feinde beschert. Zunächst die Freunde: Seit seiner Jugend war Saša Vondra ein großer Anhänger des amerikanischen Systems. Doch Politik und Wirtschaft interessierten ihn zunächst herzlich wenig und so begann er sein Studium für Naturwissenschaften. Doch Ende der 80er Jahre fing er an sich öffentlich gegen die Sowjetunion stark zu machen. Dies bescherte ihm einen dreimonatigen Aufenthalt im Gefängnis. Es war Václav Havel höchstpersönlich, der ihn nach der Samtenen Revolution aus seiner Zelle direkt zu sich auf die Prager Burg holte und ihn zu seinem Berater für außenpolitische Angelegenheiten machte. Danach setzte Vondra seinen größten Traum in die Tat um: Von 1997 bis 2001 war er der tschechische Botschafter in den USA. Hier knüpfte er Kontakte von der neokonservativen Szene, die ihn 2002 mit der Organisation des NATO-Gipfels in Prag betraute. Kurz bevor er 2006 Außenminister und 2007 Vize-Premierminister für Europa wurde, machte er sich noch entscheidend für die Stationierung des amerikanischen Raketenabwehrschildes in Tschechien und Polen stark.
Dieses letzte Projekt hat ihn somit von vornherein für seine russischen Partner suspekt gemacht. Und es wird auch von einem anderen Mann kritisiert, der seit Sommer 2008 unbedingt der Freund der Russen sein will: So hat sich Nicolas Sarkozy im November 2008 dafür eingesetzt, dass das Projekt erst einmal auf Eis gelegt wird. Seitdem verfolgen die tschechischen Medien die Telenovela dieser beiden Politiker, die sich einfach nicht ausstehen können. Gleich nach Sarkozys Ankündigung veröffentlichte Vondra in der großen Mitte-Rechts Zeitung Lidové Noviny einen Kommentar mit dem Titel „Ein bisschen mehr Respekt, Herr Präsident!“ Und als Sarkozy im Dezember die tschechischen Präsidentschaftsvorbereitungen kritisierte, entgegnete Vondra: „Europa wurden in den letzten sechs Monate von Herrn Sarkozy irgendwie hypnotisiert, um nicht zu sagen für dumm verkauft.“ Das Duell hat nach der Selbstinszenierung Sarkozys am 5. Februar im französischen Fernsehen einen neuen Höhepunkt erreicht. Die Idee des Präsidenten Automobilfabriken, „welche heute beispielsweise in Tschechien ansässig sind“ wieder nach Frankreich zu holen, stößt in Prag verständlicherweise nicht gerade auf breite Zustimmung. Mirek Topolánek warf Sarkozy Protektionismus vor. Vondra ging noch ein Stück weiter: „Während Frankreich unter dem permanenten Ideen-Geysir von Herrn Sarkozy lebt, arbeitet die tschechische Präsidentschaft hart um wenigstens ein paar konkrete Lösungen zu finden.“ Fortsetzung folgt...









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