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Prager Chroniken

Jeden Dienstag: Erleben Sie die tschechische EU-Ratspräsidentschaft, so wie sie von den Tschechen selbst gesehen wird. Humor inklusive.

> N°8 Die Unsichtbaren

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Jeden Dienstag: Erleben Sie die tschechische EU-Ratspräsidentschaft, so wie sie von den Tschechen selbst gesehen wird. Humor inklusive.

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WEBMAGAZIN - 06/04/09

Raketenabwehrsystem ? Welches Raketenabwehrsystem?

Es ist schon lange her, dass wir Neuigkeiten vom Antiraketenschild der USA in der Tschechischen Republik und Polen erhalten haben. Und das aus gutem Grund, denn dieses Thema lässt derzeit die Nervosität in Regierungskreisen in Prag steigen: Eine große Mehrheit der Tschechen spricht sich mittlerweile gegen das Raketenabwehrsystem aus, wie beispielsweise eine großangelegte Demonstration am 24. Februar 2009 vor dem Sitz der Präsidentschaft in Brüssel gezeigt hat. Oder auch der „nationale Tag der Unsichtbaren, der im Dezember 2008 in den großen Städten Böhmens und Mährens zelebriert wurde.






(Spontane Übersetzung: „Wir sind hier vor das Hauptgebäude des tschechischen Rundfunks gekommen, um festzustellen, dass die Stimme einer Mehrheit der Tschechen nicht gehört wurde. Für die Medien und die Regierung sind wir unsichtbar... Deswegen haben die Türen hier blockiert, um mit jemandem von der Nachrichtenredaktion zu sprechen. Aber keiner wollte uns antworten.“)

Die Schilder der Demonstranten sind klar: „Wir fordern eine offene, demokratische Diskussion.“ Alles andere wird als ein Rückschritt betrachtet, der böse Erinnerungen weckt: „1968: Husák, Bil’ak. 2008: Topolánek, Vondra.“ So werden der derzeitige Regierungschef und sein Vize-Premierminister für Europa Alexandr Vondra mit Gustav Husák und Vasil Bil’ak verglichen, jenen Bonzen der Kommunistischen Partei, welche sich 1968 aktiv an der Niederschlagung des Prager Frühlings beteiligt hatten. Sicherlich ist dieser Vergleich eine Übertreibung. Aber die Abwesenheit des Raketenabwehrsystems in den staatlichen Medien ist frappant...

Doch ist sie alles andere als überraschend: Den neuesten Umfragen in der linken Tageszeitung Právo zufolge sprechen sich mittlerweile 60 bis 70 % der Tschechen gegen die Installation des „Radars“ aus, wie das Abwehrsystem im Volksmund genannt wird. Und 75 % der Bevölkerung will ohnedies, dass ein Referendum zu der Frage abgehalten wird.

Um die bekanntesten Befürworter des Schilds, wie etwa der Staatspräsident Václav Klaus und Alexandr Vondra, ist es verdächtig still geworden. Erste Fraktionen der Regierungskoalition beginnen allerdings die Stimme des Volkes zu beachten. Vor allem die Grünen und ihr bekanntester Vertreter, der Außenminister Karl von Schwarzenberg, der bereits Anfang Februar eine sehr persönliche Planung des Projekts vorgelegt hat: „Ich denke nicht, dass dieses Projekt aufgegeben wird. Aber man könnte es um drei oder fünf Jahre verschieben. Oder sogar bis 2015... Oder noch später, bis es nützlich wird – irgendwie, jedenfalls...

Alexander Knetig

Erstellt: 02-03-09
Letzte Änderung: 06-04-09


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