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Schwerpunkt Europa

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Schwerpunkt Europa

15/06/04

Zeittafel: schlesische Geschichte

10. Jhdt.
Unter Mscislaw I. wird das polnische Reich gegründet. Die zu dieser Zeit in Schlesien ansässigen Slawen nehmen an der Reichsbildung teil.

1000
Kaiser Otto gründet das Erzbistum Gnesen, das bis 1821 existieren wird und eine erste regionale Abgrenzung darstellt.

12. Jhdt.
Aus dem Adelsgeschlecht der Piasten bildet sich eine eigenständige Herrschaftlinie heraus, die bald in den Rang von Herzögen erhoben wird.

1208
Nach einem Streit von Herzog Heinrich I., dem Bärtigen mit Polen wird gezielt die Ansiedlung von deutschen Bauern, Handwerkern, Bergleuten und Kaufmännern betrieben. Vorrangig aus Aachen, Thüringen und Franken wandern daraufhin Gastarbeiter ein, die deutsche Dörfer gründen. Es entsteht eine slawisch-deutsch gemischtes Siedlungsgebiet.

1241
In der Schlacht bei Liegnitz stellt sich ein Heer aus deutschen und polnischen Rittern und Bauern gemeinsam einem Angriff der Mongolen entgegen. Unter Führung des schlesischen Herzogs Heinrich (der Fromme) werden die einfallenden Truppen aufgerieben. Im Anschluss daran bekommen immer mehr schlesische Städte Magdeburger Stadtrechte zugesprochen. Schlesien wird wirtschaftlich wichtiger.

1320
In Schlesien sind durch Erbteilung 10 niederschlesische und 7 oberschlesische Fürstentümer entstanden.

1327
Die böhmische Lehenshoheit wird durch die Dynastie der Piasten anerkannt. Schlesien wird Teil von Böhmen.

1517
Martin Luther schlägt seine 95 Thesen an die Tore der Schloßkirche zu Wittenberg. Schlesien schließt sich der Reformation sehr schnell an.

1526
Schlesien gerät zusammen mit dem Königreich Böhmen unter die Herrschaft der katholischen Habsburger. Dennoch beharrt das Herzogtum auf seinem Protestantismus. Die Gegenreformation (Rekatholisierung) im 17. Jh. hat nur in Oberschlesien Erfolg.

1618-1648
Große Teile Schlesiens werden im 30-jährigen Krieg zerstört und geplündert.

1675
Nach dem Tod des letzten Piasten wird Schlesien österreichische Provinz.

1742-63
Maria Theresia tritt Schlesien nach der Niederlage im ersten Schlesischen Krieg an König Friedrich I. von Preussen ab. Es folgen jedoch noch der zweite und der Dritte Schlesische Krieg, ehe der Frieden von Hubertusburg geschlossen wird. 90 Prozent der Provinz gehören fortan zu Preußen, ein kleiner Teil bleibt bis 1918 bei Österreich.

1844
Der schlesische Weberaufstand wird von der preußischen Armee blutig niedergeschlagen. Das Ereignis entfaltet große symbolische Wirkung und wird in der Folge oft als erster deutscher Aufstand des sich herausbildenden Proletariats gedeutet.

1919-21
Nach dem Ersten Weltkrieg wird Oberschlesien ein Teil des wiederhergestellten Staates Polen. In einer Volksabstimmung stimmen 61% der Bevölkerung für einen Verbleib bei Deutschland. In der Folge kommt es zu schweren Unruhen, Oberschlesien wird schließlich zwischen Polen, Deutschland und der Tschechoslowakei aufgeteilt.

1933/1939-45
Unter der Herrschaft der NSDAP beginnt die gezielte Verfolgung von Juden und Oppositionellen in den deutschen Teilen Schlesiens. Mit der Aufteilung Polens zwischen Nazideutschland und der UdSSR am Beginn des 2. Weltkriegs wird auch Oberschlesien wieder Teil des Deutschen Reiches. Im Laufe des Krieges werden die polnischen Juden und polnische Oppositionelle in Ghettos oder Arbeitslagern interniert, so z. B. im schlesischen Lager Groß-Rosen. Später erfolgt der millionenfache Mord durch das Nazi-Regime.

1945-48
Mit dem Einmarsch der Roten Armee fällt der allergrößte Teil Schlesiens unter polnische Herrschaft. Mehrere Millionen der in Schlesien ansässigen Deutschen fliehen oder werden vertrieben, Gewalttaten begleiten die Massenflucht. Im Zuge der Westverschiebung Polens werden Ostpolen (Galizien, Weißrussland) in der Provinz angesiedelt. In ganz Polen beginnt die Zeit des stalinistischen Kommunismus.

1956
Im „polnischen Oktober“ erstreitet sich Polen eine größere Unabhängigkeit von der UdSSR, die es auch, anders als Ungarn oder die Tschechoslowakei, bis zum Zusammenbruch des Sowjetregimes behalten wird.

1970-90
Im Zuge der neuen Ostpolitik und besiegelt noch vor der deutschen Wiedervereinigung wird Schlesien durch mehrere polnisch-deutsche Verträge auch völkerrechtlich ein Teil des polnischen Staates.

1990
Als erster nicht-kommunistischer polnischer Staatspräsident seit dem 2. Weltkrieg tritt Lech Walesa sein Amt an. Das post-kommunistische Polen reformiert Wirtschaft und Gesellschaft.

2004
Polen tritt der EU bei. Schlesien wird damit wieder, was es einst schon einmal war: eine Provinz im Herzen Europas.

Erstellt: 11-06-04
Letzte Änderung: 15-06-04