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Ein Magazin von Claire Doutriaux

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Jeden Sonntag um 20 Uhr

Ein Magazin von Claire Doutriaux

Sendung vom 20. Mai 2007 - 20/05/07

die Art und Weise: die "bise"

die "bise"


Sie wissen, dass sich die Franzosen zur Begrüßung Küsschen auf die Wangen drücken? Bloß wieviele? Nikola Obermann führt uns in die hohe Kunst der "bise" ein.


bise_2.jpg.imageDataWenn etwas ganz besonders einfach ist, sagen die Franzosen, es sei "simple comme bonjour", "so einfach wie guten Tag sagen". Das wundert mich immer, ich finde das Guten-Tag-Sagen in Frankreich nämlich sehr kompliziert. Vor allem für Ausländer. Denn die Franzosen sagen nicht einfach "Salut" oder geben sich die Hand wie die Deutschen, nein, sie küssen sich auf die Wange! Und diesen Kuss, auf französisch "la bise", muss man von klein auf gelernt haben, wie die Franzosen - "Gib Tante Geraldine ein Küsschen!" - sonst wirkt man dabei lächerlich.

bise_1.jpg.imageDataDer unerfahrene Ausländer hingegen beugt sich mit gespitzten Lippen steif nach vorne, weiß nicht wohin mit seinen Armen, ob man den anderen anfasst, welche Wange zuerst dran ist, ob man die Lippen aufsetzt oder nur so tut… Lachen Sie nicht, jeder deutsche Austauschschüler hat garantiert diesen peinlichen Moment erlebt, wenn man vor einer Gastfamilie steht deren Mitglieder nur eins im Sinn haben: den Neuankömmling zu küssen! Beim Ritual der bise stellen sich vier Fragen: Wann? Wen? Wie? Und wie oft?

Wann: Wenn man sich in der Freizeit trifft, manchmal morgens auf der Arbeit und immer, wenn man zu Freunden geht. Die Zeit, die für die Küsserei draufgeht, verhält sich dabei proportional zur Anzahl der Freunde. Wenn auf einer Party schon 15 Leute da sind, ist man verhungert, bis man sich zum kalten Buffet durchgeküsst hat. Die Deutschen, die sich ein zeitsparendes "Hallo" zuwinken, finden das immer ein bisschen anstrengend.

bise_3.jpg.imageDataWen: Man berücksichtige die familiäre, freundschaftliche und berufliche Bindung, das Alter und den sozialen Status der Person. Seinen Chef küsst man nicht. Beziehungsweise man wartet, bis er einem die bise anbietet. Doch unter Kollegen küsst man sich ungehemmt. Unter Männern kommt es drauf an: Freunde oder Familienmitglieder küssen sich manchmal, aber nicht immer. Die jüngeren Leute küssen viel, und auch die männliche Jugend macht dabei immer häufiger mit.

Wie: Die bise, das ist plötzliche Nähe, animalisches Schnüffeln und ein hervorragender Ausgangspunkt zum Flirten. Intensität, Dauer und Bedeutung der Küsschen sind daher variabel und dem Feeling der Beteiligten überlassen. Wenn man die Person nicht gut kennt, hält man sich lieber etwas zurück.

Wie oft? Ach, das leidige Problem der Küsschen-Anzahl! In Paris sind es zwei, in Montpellier 3, in Turballe gibt man 4, im Département Gard sind es 3 usw., usw. Wenn man nicht weiß, woher das Gegenüber kommt, erlebt man so manche unklare Situation, wenn man zum Beispiel jemandem einen dritten Kuss geben will, der sich längst umgedreht hat, oder wenn man nach zwei Küsschen Schluss macht, obwohl der andere einem liebend gern vier gegeben hätte.

Allerdings habe ich bemerkt, dass auch die Franzosen nicht genau wissen wieviel bises man wo macht. Mir wurde gesagt, in Strassburg seien es 2, oder 3, oder 2. Ein Bewohner von Nemours behauptet, dort seien es 4, andere sagen, es sind 2. Woher diese Ungereimtheiten? Das hat mit der Klassenzugehörigkeit zu tun. In Frankreich sind Klassenunterschiede noch recht markant, man könnte deshalb grob sagen, dass die Großbürger, die nicht ja gerade für ihre Großzügigkeit bekannt sind, sich nur 2 mal küssen, und die Proleten mit ihrem großen Herzen es nicht unter 4 mal tun.

Kurz, dem Ausländer wird damit das Leben schwer gemacht, denn er weiß nie wie er sich verhalten soll. Ich finde, die Franzosen sollten eine "Frankreichkarte der bise" herausbringen, auf der je nach Region und nach sozialer Klasse angezeigt wird, wie viel Küsse man auf seiner Reise quer durch Frankreich zu geben hat! Ich wette, die nützt den Touristen genauso viel wie den Einheimischen.

Erstellt: 16-05-07
Letzte Änderung: 18-03-11


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