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Hinter dem klangvollen technokratischen Begriff „situative Prävention“ versteckt sich eine ursprünglich aus den USA stammende Stadtplanungspolitik, die inzwischen in vielen europäischen Großstädten praktiziert wird und von der Annahme ausgeht, es gäbe in einer Stadt bestimmte, für Kriminalität besonders anfällige Orte.
Demnach kann man Kriminalitätsbekämpfung betreiben, indem man den öffentlichen städtischen Raum entsprechend umgestaltet. Diese Politik zielt darauf ab, die Innenstädte für potentiell gefährliche, gewaltbereite oder kriminelle Kreise – Jugendbanden, Dealer, Diebe – unattraktiv zu machen. Sie schafft einen transparenten öffentlichen Raum, ohne Rückzugs- und Versteckmöglichkeiten, ohne jede Chance, sich der Überwachung zu entziehen.
Kriminalitätsbekämpfung durch städtebauliche Maßnahmen – das klingt ja eigentlich gar nicht so schlecht. Was ist daran so problematisch?
Sicherlich ist nicht alles schlecht an der situativen Prävention. Damit kann man tatsächlich die Einhaltung der Gesetze unterstützen. Wir haben damit ein Problem, weil sie auch eingesetzt wird, um Obdachlose zu vertreiben, obwohl sie keine Kriminellen sind. Das Argument der öffentlichen Sicherheit, mit dem häufig die situative Prävention begründet wird, zieht in dem Moment nicht, wo es um die Umgestaltung der Innenstädte und nicht der Problemviertel geht.
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Das ist auch das Ziel sämtlicher städtischer Vorschriften, die das Betteln, Lagern oder Zelten verbieten. Wer auf der Straße lebt, wird an die Peripherie der Städte gedrängt. Allerdings greifen nicht alle Städte zum Mittel der Schikanierung durch die Polizei, um dieses Elend dadurch zu verbergen, dass man es aus den Innenstädten verdrängt. Dementsprechend gibt es manche Kommunen, die eine inhumane Politik betreiben und Obdachlose systematisch der Stadt verweisen, während andere deren Anwesenheit mehr oder weniger tolerieren.
In welchen Städten ist die Situation besonders schwierig?
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Egal wie – die situative Prävention kann und darf nicht die einzige Antwort der Gesellschaft auf die Wohnraum- und Armutsproblematik sein. Denn sonst verschlimmert man damit nur noch die Lage derer, die auf der Straße leben.
Warum greift diese Politik immer weiter um sich?
Es sind die Bürgermeister und Stadtverordneten, die diese Entscheidungen treffen. Allerdings tun sie dies unter dem Druck örtlicher Lobbygruppen, wie etwa Einzelhandelsverbände oder Bürgervereine, die von der Stadtverwaltung verlangen, vor ihren Türen „aufzuräumen,“ und die Obdachlosen wegzuschaffen. Im Grunde eine pragmatische Politik mit sichtbarem Resultat, die kaum auf Widerstand trifft – anders als die Maßnahmen zur Bekämpfung des sozialen Elends. Man braucht sich nur anzuschauen, welche Schwierigkeiten Hilfsorganisationen und Behörden bei der Einrichtung von Notunterkünften oder Obdachlosenheimen haben. Sehr oft scheitert dies am Widerstand der Anwohner, weil sie eine Beeinträchtigung ihrer Wohnqualität befürchten.
Das Gespräch führte Charly Loufrani.
- Buchtipp
Von Claudia Riedel,
Verlag Peter Lang, Frankfurt, 2002
ISBN-10: 3631502699
ISBN-13: 978-3631502693








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