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21/01/05

Der Fremde im Zug

Donnerstag den, 03/02/2005 um 20.40



97 Min.
(Strangers on a train)
Spielfilm, USA 1951,
Synchronfassung, ZDF
Regie: Alfred Hitchcock; Buch: Raymond Chandler, Czenzi Ormonde, Whitfield Cook; Kamera: Robert Burks; Schnitt: William H. Ziegler; Musik: Dimitri Tiomkin;
Produzent: Alfred Hitchcock, Barbara Keon; Produktion: Warner Brothers; Buch/Autor: Patricia Highsmith
Mit: Farley Granger - (Guy Haines), Robert Walker - (Bruno Anthony), Ruth Roman - (Anne Morton), Leo G. Carroll - (Senator Morton), Patricia Hitchcock - (Barbara Morton), Kasey Rogers - (Miriam Joyce Haines)


Während einer Bahnfahrt wird der Tennisstar Guy Haines von einem Fremden angesprochen, der ihm ein merkwürdiges Geschäft vorschlägt: Er will die scheidungsunwillige Frau des Sportlers ermorden. Dafür soll der Champion im Gegenzug den verhassten Vater von Bruno Anthony, so der Name des Fremden, töten. Haines hält Anthony für einen harmlosen Irren, doch nachdem der ungebeten "seinen Teil" des Mordplans ausgeführt hat, gerät sein vermeintlicher Partner unter Druck. Weil Haines nun die ersehnte Hochzeit mit der Tochter eines einflussreichen Senators offen steht, gilt er der Polizei als dringend des Mordes an seiner Frau verdächtig. Überdies drängt Anthony Haines, nunmehr den zweiten Teil des Mordkomplotts auszuführen. Andernfalls werde er der Polizei erzählen, wie sie gemeinsam die Morde geplant hätten. Haines muss handeln, bevor die tickende Zeitbombe Anthony einen weiteren Mord begeht oder ihm den Mord an seiner Frau anhängen kann.

Zusatzinfo

Der Film wird in einer deutsch synchronisierten Fassung mit ergänzenden untertitelten Original-Passagen ausgestrahlt.
Das Drehbuch entstand nach dem Debütroman von Patricia Highsmith.
Der Film ist die Frucht einer ungewöhnlichen Zusammenarbeit: Alfred Hitchcock, Patricia Highsmith und Raymond Chandler fanden für dieses Projekt zusammen. Die Kooperation verlief, wie man sich bei derart eigenständigen Künstlernaturen denken kann, nicht ganz reibungslos. Der Routinier Chandler war von Hitchcock beauftragt, den Roman der damals blutjungen und weitgehend unbekannten Highsmith zu einem Drehbuch umzuarbeiten. Das Resultat enttäuschte Hitchcock, und drei weitere Autoren bekamen die Chance, am Drehbuch mitzuarbeiten. Dabei ist der Grundeinfall der Geschichte ebenso einfach wie amoralisch: Zwei sich zufällig begegnende Fremde tauschen "ihre Morde" untereinander aus. Kompliziert wird die Geschichte erst dadurch, dass nur einer der beiden Fremden das Tauschgeschäft wirklich will. Unwillentlich wird die Hauptfigur Guy Haines in ein Verbrechen hineingezogen, das er unbewusst vielleicht doch herbeigewünscht hat. Der Dandy und Draufgänger Bruno Anthony tut, wofür Haines nicht den Mut hat. Diesen, seinen Helden, zeichnet Hitchcock nicht übermäßig sympathisch. In dem berühmten Gespräch mit Truffaut geht Hitchcock sogar so weit zu sagen, der Zuschauer sympathisiere eher mit dem neurotischen Mörder Bruno Anthony als mit dem schwächlichen Karrieristen Haines. Um das Motiv der verdrängten beziehungsweise ausgelebten Wünsche noch zusätzlich zu verstärken, hat Hitchcock deutliche Signale für eine homoerotische Anziehung zwischen den beiden Männern im Film verankert. Um Ärger mit der Zensur zu vermeiden, hat Hitchcock die Anspielungen auf die Homosexualität in der amerikanischen Fassung dezenter gestaltet als in der englischen.
Die Selbstzensur durch den deutschen Verleiher der 50er Jahre zielte in eine völlig andere Richtung. Szenen, die als zu brutal, zu sadistisch oder zu schwarzhumorig empfunden wurden, wurden in der bislang in Deutschland gezeigten Fassung des Films herausgeschnitten. Auf diese Weise ergibt sich eine Differenz von knapp fünf Minuten, die in der ARTE-Sendefassung durch Originalmaterial mit englischem Ton ergänzt wurde. Zum ersten Mal können die Zuschauer im deutschen Fernsehen nicht nur die ungekürzte Mordszene im Spiegel von Miriam Haines Brille sehen. Auch die abschließende Karussellszene ist jetzt in voller Länge zu bestaunen. Schließlich zeigen zwei sehr witzige, bislang gekürzte Szenen mit Hitchcocks Tochter Patricia, die die kleine Schwester der Geliebten von Guy Haines spielt, den rabenschwarzen Humor des Regisseurs.
Das "Lexikon des Internationalen Films" schreibt: "Eine Lektion in Sachen 'Suspense' und ein Versuch über heimliche Mordgelüste und deren Belastung für das Gewissen; spannend inszeniert und voller 'nebenbei' angerissener moralischer Problemstellungen wie Schuld und Angst."

Erstellt: 21-01-05
Letzte Änderung: 21-01-05