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Berlinale 2007 - Perspektive Deutsches Kino - 16/09/08

Prinzessinenbad

Ein Film von Bettina Blümner


3etoiles.jpg.imageDataDokumentarfilm über drei 15-jährige Freundinnen aus Berlin-Kreuzberg

artekoproduktion.gif.imageDataDeutschland 2007, 92 Min.
Mit Klara, Mina und Tanutscha
Perspektive Deutsches Kino


  • Synopsis

Klara, Mina und Tanutscha sind 15. Sie sind beste Freundinnen und kennen sich schon seit der Grundschule. Jetzt kommen sie in ein Alter, wo sich bereits unterschiedliche Lebensläufe abzeichnen, aber noch schweißt sie ihre Freundschaft fest zusammen.


  • Kritik

„Ich bin jung, dynamisch und naiv“ scherzt Klara, auf dem Bett ihrer besten Freundin Tanutscha sitzend, während sie ein großes rotes Plüschkissen in Herzform an sich drückt. Tanutscha schminkt sich grade und bald werden die beiden losziehen ins nächtliche Kreuzberg. Dorthin, wo die türkischen Jungs sich vergnügen, denn deutsche Jungs findet Klara langweilig. Die türkischen Jungs seien zwar oft „Arschlöcher“, aber was hilft es, sie „steht eben auf Arschlöcher.
“Eineinhalb Stunden Sprüche pur, einer toppt den anderen. Bisweilen bekommt man als Zuschauer das Gefühl, das Material sei nach der Schlagfertigkeit der Sprüche ausgewählt und montiert worden. Wahrscheinlich aber funktioniert der Alltag der Mädels genau so: Sieger ist der, der mit dem richtigen Oneliner die Lage checkt. „Ich komm aus Kreuzberg, du Muschi“, grölt Tanutscha ins Telefon, an dessen Ende sich ihr anonymer Telefonchatpartner  - ein Deutscher - befindet. Der hatte sich herabgelassen anzunehmen, sie käme vielleicht aus Zehlendorf. Als sie Liebeskummer hat, lässt ihre Mutter Tanutscha die Schule schwänzen, obwohl sie sich erinnert, dass sie selbst dies früher nicht tun konnte. Dann kochen sie eben zusammen was. Als ihre Mutter sie warnt, nicht zu viel Salz ins Essen zu tun, meint Tanutscha genervt: „Jaaa Mama, ...nicht therapieren bitte.
“Tanutscha lebt bei ihrer allein erziehenden Mutter, wie ihre Freundinnen auch. Für Klara gibt es kaum Regeln, obwohl sie diese grundsätzlich schon gut gefunden hätte, doch dazu ist es nun zu spät: „Wenn mir jetzt alle Vorschriften geben würden, würd’ ich sagen, leckt mein Arsch.“ Nun gut, eine einzige Spielregel gibt es, wie ihre Mutter betont: „Kein Heroin und nicht schwanger werden.“ Alles andere ist erlaubt.
Lisis Female-Rap, Afrob, She-Raw und einige andere Berliner Artists begleiten die Freundinnen durch Kreuzberg. Diese Musik mit ihren treibenden Beats, die aber durchaus auch mal sehr melancholisch sein kann, trifft das Lebensgefühl der Mädchen, verleiht dem Film eine zusätzliche Ebene.
Regisseurin Bettina Blümner hat ihre drei Mädels in aller Ruhe kennen gelernt und sich mit ihnen angefreundet, Vertrauen zu ihnen gewonnen. Mit Kameramann Matthias Schöningh hat sie die drei immer wieder mal, insgesamt ein Jahr lang begleitet. Entstanden ist so ein dichter Film über das Erwachsenwerden in Kreuzberg. Über rotzfreche Mädels, die sich von niemandem was sagen lassen, die definitiv keine Opfer sind, die aber des Öfteren auch mal ganz schön was einstecken müssen. Eine normale Familie etwa hatten sie nie. Klara hatte mit ihren 15 Jahren schon über 30 „Freunde,“ das muss ihr erst mal eine nachmachen.
Nana A.T. Rebhan

Erstellt: 12-02-07
Letzte Änderung: 16-09-08