Deutschland 2007Länge 89 Min.Format 35 mm, 1:1.85Mit: Nina Hoss, Devid Striesow, Hinnerk Schönemann, Christian Redl, Burghart Klaußner, Barbara Auer, Selin Barbara Petzold
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Yella wagt einen Neubeginn. Nachdem ihr Mann Ben Insolvenz angemeldet hat, hält sie es in Wittenberge nicht mehr aus. Sie sucht sich eine Arbeit im Westen. Bald schon beginnt sie als Assistentin von Philipp, der für eine Private Equity-Firma unterwegs ist. Aus der Zusammenarbeit wird mehr, doch Yella kann die Gespenster ihrer Vergangenheit nicht verdrängen.
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Eine gescheiterte Ehe, Schulden, ein besessener Ehemann – all das will Yella (Nina Hoss) hinter sich lassen und zieht aus ihrer ostdeutschen Kleinstadt auf die andere Seite der Elbe in den Westen, wo sie auf Arbeit und ein neues Leben hofft. In Hannover lernt sie Philipp (Devis Striesow) kennen, der für eine Privat Equity Firma arbeitet. Als sie seine Assistentin wird, betritt sie eine vom Spiel um Macht bestimmte Welt. Doch ihr Gefühl, endlich angekommen zu sein, wird beeinträchtigt durch verstörende Stimmen und Nachklänge, die aus der Vergangenheit auftauchen. Plötzlich befällt Yella die Angst, dass dieses neues Leben nichts als ein Traum ist.
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Nach GESPENSTER (2003) ist YELLA bereits Christian Petzolds zweiter Film in Folge, der es in den Wettbewerb der Berlinale geschafft hat. Wie in GESPENSTER geht es auch in YELLA erneut um Gespenster; um Personen, die eigentlich nicht anwesend sind, aber die Gegenwart eines anwesenden Menschen nachhaltig prägen. GESPENSTER lebte von seiner seltsam schwebenden Atmosphäre, die jede Szene und jeden Ort durchzog. Petzold sagt zwar, er wolle genau daran anknüpfen, aber YELLA ist anders geworden. Hatte das Spiel der beiden Freundinnen Toni (Sabine Timoteo) und Nina (Julia Hummer) in GESPENSTER etwas Vertrautes, Verschwörerisches, scheint Yella (Nina Hoss) es allein gegen den Rest der Welt aufnehmen zu müssen. Zwar kommen sich Yella und Philipp (Devid Striesow) irgendwann schließlich doch näher, fast zwangsläufig. Aber er ist der einzige Mann, der nicht mit ihr flirtet und das findet sie gut so. Die Szenen zwischen ihnen bleiben deshalb recht unterkühlt.
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| "Yella" von Christian Petzold |
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Christian Petzold erzählt eine moderne Gruselgeschichte. Er platziert sie in die Welt des Risikokapitals, der anonymen Hotels, der gläsernen High-Tech-Büros und lässt seine beiden Hauptfiguren viel Auto fahren, Tag für Tag. Yella scheint ein bestimmtes Ziel zu verfolgen in dieser ihr neuen Welt. Wir sehen ihr zu, wie sie sich ihre rote Bluse immer wieder anzieht, ihre schwarzen Pumps. Wie sie alleine in ihrem Hotelzimmer auf der Bettkante sitzt, das nur für sie allein riesig zu sein scheint. Wie sie ihren Vater anruft, um ihm zu sagen, dass es ihr gut geht. Wir sehen ihr zu, aber wir kommen nicht an sie heran. Das mag genau der Effekt sein, den sich Petzold wünscht. Yella scheint geradezu transparent zu sein, als wäre sie da und gleichzeitig auch nicht – sie ist nicht fassbar. Am Ende des Films wird der Zuschauer diesen Effekt verstehen, im Nachhinein wird vieles klar. Dann wird er auch sehen, dass dieser Film geradezu pedantisch genau geplant und gebaut ist. Jedes kleine Detail ergibt einen Sinn, nichts ist zufällig. Einmal läuft Yella eine Straße entlang. Sie hält vor einer Toreinfahrt inne und beobachtet, wie ein Familienvater nach Hause kommt und wie er von seiner Frau und seiner Tochter liebevoll begrüßt wird. Eine ganz normale Familie wäre ihr größtes Glück auf Erden. Doch manche Menschen sind bestimmt, ein anderes Schicksal zu haben. Um Klischees zu vermeiden hat Christian Petzold Nina Hoss die Haare braun gefärbt. Die Farben des Films sind nicht entsättigt, sondern manchmal fast knallig bunt, wie die grünen Elbwiesen. Auch das kann gruselig sein, Sie werden es sehen.
Nana A.T. Rebhan![france123[1].jpg.imageData](/i18n/1459362,property=imageData,v=1.jpg)
Christian Petzold ist sicher niemand, der es allen recht macht, doch sein Filmschaffen steht gar nicht so sehr unter dem Banner der Konsensverweigerung. Vielmehr geht es ihm um die Fallgruben und Risse, die sich unter der augenscheinlich glatten und sauberen Oberfläche verbergen. Nach dem Vorbild von Filmen wie „Claire Dolan“ des Amerikaners Lodge Kerrigan (angesiedelt im verwinkelten Viertel um die Wall Street in New York) und Horrorfilmen des Italieners Dario Argento driftet „Yella“ nach und nach wie im Labor gesteuert ins Irreell-Fantastische. Die Sequenzen und Einstellungen ergänzen sich, lösen sich dann gegenseitig auf, der Regisseur spielt mit dem Raum, mit angenehmen, seelenlosen Räumen (Hotels, Flure, Parkplätze, Büros). Yella treibt dahin in einer Welt, die sie berauscht, in der sie aber zugleich spürt, dass etwas nicht stimmt, dass sie keinen Boden unter den Füßen hat.
Zum großen Glück schert sich Petzold nicht um Realismus oder Wahrhaftigkeit, sondern setzt auf Theoretischeres, mit dem sich der Zuschauer durchaus auch nach Ende der Vorstellung noch befassen kann. Wie in einem Schmelztiegel vermischen sich in diesem Film die Welt des großen Geschäfts, Witze über den Schriftsteller John Grisham und dessen erfolgsgekrönte Romanverfilmungen (siehe „Die Firma“ ) und das in eine ländlich-entschlossene und eine städtisch-kämpferische Hälfte geteilte Deutschland. Petzold platziert all diese verworrenen Themen in einen offenen, luftigen und trügerischen Rahmen. Bei ihm steht das Wasser nicht für das Prinzip des Lebens, sondern wird zum Leichentuch, als das Auto in Assoziation zu „Wolfsburg“ (2003) zu einer Todesmaschine des Industriezeitalters wird. An dieser Stelle ist die böseste Form des Product-Placement der Filmgeschichte lobend zu erwähnen: Während ein Auto nach einem dramatischen Unfall unaufhaltsam im Fluss versinkt, treibt auf der Wasseroberfläche eine Flasche vorbei. Im Laufe des Films ist immer wieder das Lied „Road to Cairo“ des Amerikaners David Ackles, hier in der Version von Julie Driscol, zu hören, das die unmögliche Rückkehr einer umherirrenden Seele in ihre Heimatstadt beschreibt und wie ein Echo zu Yellas Schicksal und Christian Petzolds letztem Film „Gespenster“ (2005) klingt. Den anziehenden Gegenpart der von Nina Hoss ver- bzw. entkörperten gespenstischen jungen Frau spielt herausragend Devid Striesow.
Julien Welter-------------------------------------------
- Biographie Christian Petzold
Geboren 1960 in Hilden. Lebt seit 1981 in Berlin. Studium der Germanistik und Theaterwissenschaft, anschließend 1988-94 Studium an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (dffb), nebenher Regieassistenzen bei Harun Farocki und Hartmut Bitomsky. 1995 erste Spielfilmregie. DIE INNERE SICHERHEIT (2000) wurde mit dem Deutschen Filmpreis in Gold ausgezeichnet.