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Berlinale 2007 - Wettbewerb - 16/09/08

Irina Palm

Ein Film von Sam Garbarski


Sympathisches sozial-romantisches Märchen mit Happyend und einer großartigen Marianne Faithfull.

Belgien/Deutschland/Luxemburg/Großbritannien/Frankreich 2007
Länge 103 Min., Format 35 mm, 1:1.66


Der Trailer zum Film


  • Im Gespräch mit der Schauspielerin Marianne Faithfull
Marianne Faithfull


  • Synopsis

Als Maggie erfährt, dass ihr Enkelkind Olly sterbenskrank ist und nur durch eine teure Operation in Australien gerettet werden kann, will sie mit allen Mitteln die nötigen 6000 Pfund beschaffen. Sohn Tom ist schon lange arbeitslos, das von ihrem Mann geerbte kleine Haus im Dorf hat sie für die Behandlungen bereits verkauft, eine reguläre Arbeit zu finden ist in ihrem Alter praktisch unmöglich. Also fährt sie nach London und betritt mit dem Mut der Verzweiflung einen Sexclub, der eine „Hostess“ sucht. Dem Clubbesitzer Miki gefallen ihre weichen, zarten Hände, und er führt sie behutsam aber bestimmt in die Arbeit ein, von der sie bisher nicht die geringste Vorstellung hatte: Hinter einer Wand mit einem passenden Loch den Männern einen runter zu holen. Akkordarbeit der etwas anderen Art, aber Maggie überwindet sich, bekommt den Künstlernamen Irina Palm, und ist bald Londons „berühmteste rechte Hand“. Die Männer stehen vor ihrer Kabinenwand Schlange und Miki gibt ihr einen großen Vorschuss, so dass sie ihrem Sohn das Geld geben kann, nur im Dorf fängt man bald an zu tuscheln, warum sie wohl jeden Tag nach London fahre. Als Tom erfährt, woher das Geld stammt, rastet er aus und will Maggie verbieten, dort weiter zu arbeiten.


  • Kritik

Mit Humor und großer Sensibilität für die Katastrophen des Alltags erzählt, ist der Film ganz auf Marianne Faithfull ausgerichtet, die allein in ihrem traurig-amüsierten Gesicht und durch kleine Gesten eine so große Veränderung glaubhaft vorführt. Man kann oft Lachen hier, aber der Film macht sich über niemanden lustig, schon gar nicht über Maggie oder den liebenswerten Miki, noch nicht einmal über Maggies Kunden, die zur reinen Triebabfuhr antreten und aus Maggies Händen genau das bekommen. Ein guter Deal für alle Beteiligten, schlimmstenfalls muss Maggie mal wegen eines „Penisarms“ behandelt werden, und man ist eigentlich schon ganz erfreut, dass hier mal kein so abgrundtief böses und verkommenes Milieu gezeigt wird.

Am Ende entwickelt sich sogar zwischen Maggie und Miki eine zarte Annäherung, und natürlich wünscht man beiden sofort, dass sie bis an ihr Lebensende miteinander glücklich werden. Aber aus der guten Laune heraus, die der Film vermittelt, sollte man ihn auch nicht überschätzen und womöglich gleich zum Wettbewerbsfavoriten machen. Durch die allzu wohlwollende Perspektive und die permanente Empathie mit seinen Figuren bleibt der Film letztlich auf dem Niveau eines netten, sozial-romantischen Märchens mit Happyend. Ein sympathischer Film mit einer wunderbaren Marianne Faithfull und jederzeit einen Kinobesuch wert – ein großer Festivalfilm ist es deshalb noch lange nicht.

Thomas Neuhauser


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  • Biographie Sam Garbarski

Geboren am 13.2.1948 in Krailing bei München. Ging mit 22 Jahren nach Belgien. 1970 Gründer und bis 1997 Leiter einer Werbeagentur. 1997-2003 Regisseur von mehr als 50, zum Teil preisgekrönten Werbefilmen. 1998 erste Kurzfilmregie. 2003 wird sein Spielfilmdebüt LE TANGO DES RASHEVSKI ein internationaler Festival und Kinoerfolg.

Erstellt: 05-02-07
Letzte Änderung: 16-09-08