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Berlinale 2007 - Wettbewerb - 16/09/08

Obsluhoval jsem anglickeho krale

Ein Film von Jiří Menzel


Eine schwungvolle Fabel über das Schicksal eines berechnenden Karrieristen im Spiegel des zwanzigsten Jahrhunderts

Ich habe den englischen König bedient
Tschechische Republik/Slowakische Republik 2006
Länge 118 Min.
Format 35 mm, 1:1.85
Mit: Ivan Barney, Oldřich Kaiser, Julia Jentsch, Marián Labuda, Milan Lasica, Zuzana Fialová, Martin Huba, Josef Abrhám, Jiří Lábus, Rudolf Hrušínský, Pavel Nový, Karel Jaromír Dulava, Petra Hřebíčková, Eva Kalcovská, Šárka Petruželová, István Szabó,


  • Synopsis

Jan (Ivan Barney) arbeitet als Diener in einer böhmischen Kleinstadt und lernt im Kontakt mit der feinen tschechischen Gesellschaft der 1930er-Jahre die Annehmlichkeiten eines Lebens in Wohlstand kennen. Der Prunk stachelt seinen Ehrgeiz an. Er findet eine neue Anstellung in einem Nobelhotel mitten in Prag, zu dessen Gästen auch der Kaiser von Abessinien gehört. Dieser verleiht ihm einen Orden für seine Dienste. Dass er die junge sudetendeutsche Aktivistin Lisa (Julia Jentsch) liebt, wird jedoch nicht gerne gesehen, und fast schon scheint ihn das Glück zu verlassen. Doch als die Soldaten des Reiches das Land besetzen, ist sein Aufstieg kaum noch aufzuhalten.

Jan (Ivan Barney) arbeitet als Diener in einer böhmischen Kleinstadt und lernt im Kontakt mit der feinen tschechischen Gesellschaft der 1930er-Jahre die Annehmlichkeiten eines Lebens in Wohlstand kennen. Der Prunk stachelt seinen Ehrgeiz an. Er findet eine neue Anstellung in einem Nobelhotel mitten in Prag, zu dessen Gästen auch der Kaiser von Abessinien gehört. Dieser verleiht ihm einen Orden für seine Dienste. Dass er die junge sudetendeutsche Aktivistin Lisa (Julia Jentsch) liebt, wird jedoch nicht gerne gesehen, und fast schon scheint ihn das Glück zu verlassen. Doch als die Soldaten des Reiches das Land besetzen, ist sein Aufstieg kaum noch aufzuhalten.


  • Kritik

Im Laufe seiner Karriere hat Jiri Menzel dem literarischen Werk Bohumil Hrabals so häufig seine Ergebenheit erwiesen, dass diese x-te Adaptation einer Vorlage des berühmten Autors durch den Regisseur beinahe selbstverständlich erschien. „Ich habe den englischen König bedient“ ist das letzte Stück Hrabals, das bislang vom Kino unberührt geblieben war, und hat nichts vom Werk eines alternden, geschwätzigen Meisters, der sich exzentrisch seinen Marotten hingibt. Der Filmtitel bezieht sich auf eine Bemerkung eines integren und kultivierten Maître d’Hôtel gegenüber dem jungen Jan, der seinen älteren Kollegen später verraten wird, um schneller auf der Karriereleiter nach oben zu klettern. Und er wird auch noch andere verraten, die Fassade des Anstandes dabei aber immer aufrecht erhalten. Jiri Menzel hat wie bei seinen Vorgängerwerken lange an dieser Adaptation gefeilt. Im Gegensatz zu seinem Landsmann Milos Forman ist Menzel im Osten geblieben, wo die Zensur und die Jahre erzwungener Untätigkeit vieles verzögert haben. Doch Menzel ist darüber nicht verbittert. An einem Wendepunkt in seinem Leben angekommen würde auch Jan am liebsten alles in großem Gelächter und mit einem Glas Bier in der Hand ertränken. Die tragisch-absurde, grotesk-komische Erzählung über ein Leben, das vom holprigen Rhythmus des zwanzigsten Jahrhunderts geprägt ist, steckt voller brillanter Einfälle, die so genialer Vorläufer wie Jacques Tati, den Brüdern Coen, Roy Andersson, Charlie Chaplin und vor allem Ernst Lubitsch würdig sind.

Eine Stimme aus dem Off begleitet die Ereignisse, alternativlos und nicht paraphrasierend. Sie wird nach und nach zu einer eigenständigen Person neben Jan, zu seiner Seele, die sich für vieles zu entschuldigen hätte. In dieser vielschichtigen und schwungvollen, doch niemals überschnappenden Fabel mischt sich die Schönheit jugendlicher Körper und strahlender Gesichter mit den urwüchsigen Porträts dickbäuchiger und bärtiger Würdenträger. In der undankbaren und grotesken Rolle einer jungen rundlichen Sudetendeutschen, die ein wenig unbeholfen plötzlich der Sache der Nazis dient, zeigt Julia Jentsch, eingezwängt in unmögliche graugrüne Kostüme, eine couragierte, beeindruckende und verstörende Leistung. Kaum jemand aus Menzels Generation vermag so geschickt mit Einstellungen umzugehen, immer mehr Gags entstehen aus den Bildern, das rustikale Mitteleuropa nimmt Gestalt an und wird zum Schauplatz für Jans „Leiden“. Der Antiheld dieses Films wird einem zunehmend sympathisch, besonders, als er sich gegen Ende als alter Mann fragt, ob er und jener berechnende Typ von damals ein und dieselbe Person waren.

Julien Welter


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  • Biographie Jiří Menzel

Geboren am 23.2.1938 in Prag. 1966 Spielfilm debüt mit der Oscarprämierten Hrabal-Verfilmung OSTŘE SLEDOVANÉ VLAKY. Nach dem Verbot der Hrabal-Adaption SKŘIVÁNCI NA NITI (Goldener Bär 1990) arbeitet er ab 1969 an Theatern in der ČSSR und im Ausland sowie für das Fernsehen in Schweden. Mitte der 70er Jahre Rückkehr zur Filmregie. In den 90er Jahren ist er als Regisseur vor allem an Prager Theatern und europäischen Bühnen, u.a. der Comédie Française, tätig.

Erstellt: 05-02-07
Letzte Änderung: 16-09-08