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Berlinale 2007 - Wettbewerb - 16/09/08

Angel

Ein Film von François Ozon


Aufstieg und Fall einer Schriftstellerin aus einfachen Verhältnissen

Frankreich/Großbritannien/
Belgien 2007
Länge 137 Min.
Format 35 mm, 1:1.85
Mit: Romola Garai, Sam Neill, Charlotte Rampling, Lucy Russell, Michael Fassbender, Jacqueline Tong, Janine Duvitski, Christopher Benjamin


  • Synopsis

England: 1905. Angel Deverell gelingt es, mit kitschigen Romanen eine erfolgreiche Schriftstellerin zu werden und sich all ihre Kindheitsträume zu erfüllen. Doch nach dem raschen Aufstieg folgt der Fall...

Im Gespräch mit François Ozon


  • Kritik

ANGEL ist der erste englischsprachige Film, an den sich der französische Regisseur François Ozon wagt. Der Film ist eine Adaption des gleichnamigen Romans von Elizabeth Taylor, welchen sie bereits 1957 schrieb. Begeistert nahm Ozon die Gelegenheit wahr, einen historischen Kostümfilm zu drehen: "Ich habe sofort gespürt, dass eine Verfilmung des Buches mir die Gelegenheit bieten würde, mich mit einem romantischen Universum auseinanderzusetzen, dass mir Anlass für ein großes Epos in der Tradition der Melodramen der 30er, 40er Jahre geben würde, in dem sich nach den Regeln von 'Aufstieg und Fall' vom Schicksal einer glänzenden Persönlichkeit erzählen ließe. Und dann habe ich mich in die Figur dieser Angel verliebt, die mich amüsierte, faszinierte und schließlich tief berührte."

Sein Problem bestand nur noch darin, Angel sympathischer als im Buch zu gestalten. Elizabeth Taylor zeichnet sie bisweilen geradezu grotesk, immer aber sehr ironisch. In einem Film ist es schwierig, über mehr als zwei Stunden eine eher unsympathische Hauptfigur zu haben - der Zuschauer soll sich ja schließlich mit ihr identifizieren können. „Daraufhin erschien sofort Scarlett O’Hara vor meinem geistigen Auge, eine Figur, von der die Engländer sagen: 'You love and hate her at the same time" erzählt François Ozon, und er wusste, wie er Angel kreieren wollte.

Mit Romola Garai, die bereits in Mira Nairs VANITY FAIR und Woody Allens SCOOP zu sehen war, hat Ozon eine hervorragende Besetzung gefunden. Die Schauspielerin geht völlig auf in ihrer Rolle. Dank ihrer zerbrechlichen und blassen Erscheinung und ihrer großen neugierigen Augen, fällt es schwer, sie unsympathisch zu finden. Sie spielt eine Frau, die völlig in ihrer eigenen Traumwelt lebt, ein faszinierender Zustand, der ihr hilft, beständig weiter an Romanen zu arbeiten, wo andere längst eine Schreibblockade hätten.

Ozon gelingt es, mit farbenprächtigem Dekor, glamourösen Kostümen und prächtigen Farben die Phantasiewelt der Angel Deverell zum Leben zu erwecken. Der Filmscore von Philippe Rombi – angelehnt an die Musik von Frank Skinner, der für die melodramatischen Meisterwerke von Douglas Sirk komponierte, komplettiert die bonbonfarbene Welt Angels. Erst ganz zuletzt, auf dem Totenbett wird die eigensinnige Schriftstellerin sich für einen Moment der Wahrheit stellen, wenn sie ihrer persönlichen Assistentin Nora anvertraut: „Du warst der einzige Mensch, der mich jemals wirklich geliebt hat.“ Oder ist selbst dieser melodramatische Satz Teil ihrer lebenslangen Inszenierung?

Nana A.T. Rebhan


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  • Biografie François Ozon

Geboren am 15.11.1967 in Paris. Nach einem abgeschlossenen Filmstudium an der orbonne absolvierte er 1990-93 ein Regiestudium an der Pariser Filmschule FEMIS. Nach mehreren Kurzfilmen machte er mit der Familienfarce SITCOM (1998) auf sich aufmerksam. War im Berlinale-Wettbewerb 2000 mit der Fassbinder-Verfilmung GOUTTES D’EAU SUR PIERRES BRULANTES und 2002 mit 8 FEMMES vertreten. Auch SOUS LE SABLE und SWIMMING POOL (beide mit Charlotte Rampling) waren Kinoerfolge.

Erstellt: 05-02-07
Letzte Änderung: 16-09-08