ARTE en Français

Schriftgröße: + -
Home > Film erleben > CANNES 2008

Cannes 2008

Verfolgen Sie auf ARTE und arte.tv das Geschehen rund um das weltweit bedeutendste und glamouröseste Filmfestival!

> Alle Filme > Adoration

Cannes 2008

Verfolgen Sie auf ARTE und arte.tv das Geschehen rund um das weltweit bedeutendste und glamouröseste Filmfestival!

Cannes 2008

Internationale Filmfestspiele Cannes 2008 - Im Wettbewerb - 21/08/08

Adoration

Ein Film von Atom Egoyan


Ein Junge sucht nach der Wahrheit über seinen Vater: War er ein Killer?

Synopsis: Simon schreibt bei seiner Französischlehrerin Sabine eine Übersetzungsübung. Es geht um eine Zeitungsmeldung, in der ein Terrorist seiner nichts ahnenden schwangeren Freundin eine Bombe in die Tasche schmuggelt. Simon identifiziert sich mit dem noch nicht geborenen Kind im Bauch der jungen Frau. Seinen Aufsatz stellt er ins Internet und bekommt zahlreiche Reaktionen darauf. Er ahnt nicht, was für eine Lawine er dadurch losgetreten hat.

ARTE Kultur im Gespräch mit Atom Egoyan
Der Trailer zum Film
(Windows Media Video)

Kritik: Der Zeitungsartikel, der Atom Egoyan zu ADORATION inspirierte, ist von 1986. Ein Jordanier hatte seiner schwangeren irischen Freundin eine Bombe in ihre Handtasche gepackt, von der sie keine Ahnung hatte. Egoyan: "Diese Story hat mich beeindruckt, weil sie ein Beispiel dafür ist, wie extrem ein Terrorist reagieren kann. Wie jemand eine Person, die ihm nahe steht, in etwas Abstraktes verwandeln kann. Nicht nur gegenüber seiner Verlobten, sondern auch gegenüber dem ungeborenen Kind." Egoyan überlegte sich, wie wohl das Kind sich fühlt, das im Wissen aufwächst, dass sein Vater es töten wollte.

Doch die Identifikation von Simon mit dem ungeborenen Kind ist nicht das einzige Thema des Films. Als Simon seinen persönlichen Aufsatz ins Netz stellt, tritt er eine Lawine an Reaktionen los, die er kaum bewältigen kann. Seine Klassenkameraden halten einen Videochat mit ihm, die Lehrer seiner Schule chatten abends untereinander, und er bekommt Reaktionen aus aller Welt, von Holocaust-Überlebenden bis hin zu Nazis. Diese jedoch fallen so konträr aus, dass sie Simon nicht helfen können, sondern ihn zunehmend verwirren.

Kommunikation war stets ein wichtiges Thema in den Filmen von Atom Egoyan. In ADORATION untersucht er, wie weit die Vernetzung geht und wie weit sie in unsere Privatsphäre eindringt. Die Beziehung der Privatpersonen zu den Medien hat sich in den letzten beiden Jahrzehnten grundlegend geändert, seit prinzipiell alle Menschen, die über eine Online-Verbindung und einen Computer verfügen, miteinander kommunizieren können. Zwar ist Gruppenchat, wie dieser im Film gezeigt wird, noch nicht an der Tagesordnung, aber in wenigen Jahren ist er dies sicher.

ADORATION ist auch eine Coming-of-Age Geschichte und eine Geschichte über die Suche nach Wahrheit. Simon muss sich damit abfinden, dass sein Großvater noch auf dem Totenbett beteuert, dass Simons Vater "ein Killer" gewesen sei. Viel später erst taucht eine Frau auf, die seinen Vater gekannt hat und ihm ganz andere Geschichten über ihn zu erzählen weiß.

ADORATION ist eine komplexe Geschichte mit komplexen Charakteren, die sich intensiv mit einer Familie beschäftigt und deren Mythen und Rätsel zumindest teilweise zu lösen vermag. In zahlreichen realen und phantasierten Rückblenden erzählt sich eine bis zum Ende spannende Geschichte, die diverse Wendepunkte bereithält. Lange ist nichts, wie es auf den ersten Blick scheint. Egoyan versteht es gekonnt, den Zuschauer immer tiefer in seine komplexe Geschichte einzubinden. Er löst zwar das Rätsel der Geschichte immer mehr, wirft aber gleichzeitig auch viele Fragen auf, die zum Nachdenken anregen.

Nana A.T. Rebhan
.............
Adoration
Kanada 2008, 100 Min.
Regie: Atom Egoyan
Mit Arsinée Khanjian, Scott Speedman, Rachel Blanchard, Noam Jenkins
Offizieller Wettbewerbsbeitrag


Erstellt: 20-05-08
Letzte Änderung: 21-08-08