Steht man auf einer der vielen, verschachtelten Terrassen des Festivalzentrums, tut sich einem ein sagenhaft malerisches Panorama des Städtchens Cannes auf. Und manchmal ist man doch erstaunt über das Paradox, das sich da vor den Augen auftut: Rund um das Festival schunkeln riesige, strahlend weiße Yachten, auf denen wahrscheinlich in diesem Moment der eine oder andere millionenschwere Deal bei einem Glas Champagner abgemacht wurde. Gestern und heute sind üblicherweise die Tage der Vertragsunterzeichnungen auf dem Filmmarkt. Entscheidende Tage also, bevor viele Produzenten abreisen (und wie so oft, streikten just heute Teile des Flughafenpersonals).
Auf der anderen Seite, in den großen Kinosäälen des Festivals, gibt es die schöne Kunst zu sehen in Gestalt von Werken mit interessanten wie abseitigen Themen:
Das Dschungelepos „
Che“, wieder ein neuer, überraschender Streich von Steven Soderbergh, weidet mit viereinhalb Stunden den Mythos des kubanischen Revolutionsführers Ernesto „Che“ Guevara aus – mit einer brandneuen, hochauflösenden HD-Kamera. Für so viel grandioses wie gleichermaßen anstrengendes Arthouse-Kino muss man schon viel Geduld mitbringen.
Ein Dschungeldrama ganz andere Art spielt sich bei
A Festa Da Menina Morta am Amazonas ab: Ein junger Mann wird als Heiliger in einem Dorf verehrt. Ritualisierte Feste bestimmen das Leben der Ureinwohner, die alle von der Aura dieses Wahnsinnigen angezogen als auch gefangen sind. Dann zur Abwechslung vielleicht ein wenig skandinavisch trockenen Charme mit
O’ Horton von Bent Hamer (
Factotum), eine liebevolle Erklärung an norwegische Skurrilitäten.
Verena Dauerer