DVD-News - 27/06/07
Ein kurzer Film über das Töten
Ein Film von Krzysztof Kieslowski
Filmisches Plädoyer gegen die Todesstrafe
Polen 1988, 84 Min.
Regie: Krzysztof Kieslowski
Mit Miroslaw Baka, Jan Tesarz, Krzysztof Globisz
Synopsis: Der junge Jacek streunt scheinbar ziellos durch die Straßen Warschaus. Er steigt in ein Taxi, lässt sich irgendwohin bringen und ermordet auf dem Weg dorthin den Taxifahrer. Schnell wird er gefasst und verurteilt. Die Todesstrafe wartet auf ihn und wird vollstreckt.
Kritik: Mit EIN KURZER FILM ÜBER DAS TÖTEN hat der polnische Regisseur Krzysztof Kieslowski ein filmisches Meisterwerk und ein nachhaltiges Plädoyer gegen die Todesstrafe geschaffen. Mit realistischer Genauigkeit schildert der ehemalige Dokumentarfilmer das Umherstreifen Jaceks, seine Vorbereitungen zur Tat und schließlich den Mord selbst. Von Anfang an ist klar, dass der Film nicht gut enden kann. Das erste Bild zeigt bereits eine tote Ratte in einer Pfütze, in der zweiten Einstellung hängt eine tote Katze an einer Teppichklopfstange in einem herunter gekommenen Vorort Warschaus. In zahlreichen Großaufnahmen nähert sich Kameramann Slawomir Idziak (GATTACA, BLACK HAWK DOWN) Jacek, der hervorragend von Miroslaw Baka gespielt wird. Er bleibt immer dicht an ihm, verfolgt jede seiner Bewegungen.
Slawomir Idziak verwendet einen grünen Filter vor seiner Kamera, der die Umrisse an den Rändern verschwimmen lässt und die ganze Szenerie in eine ungesunde, grün-bräunliche Farbe taucht, die aber hervorragend zur morbiden Stimmung des Films passt. Hier mag man sich nicht aufhalten, das drohende Unheil hängt von Beginn an über der Geschichte. Langsam braut es sich dann zusammen, Jacek übt in einem Café mit einem Strick und steigt schließlich ins Taxi des schlecht gelaunten Fahrers. Es wird nicht viel gesprochen während des gesamten Films. Der Zuschauer kann sich dadurch gut auf die Bilder und die Handlung konzentrieren, die ihn durch ihre Intensität schnell in Beschlag nimmt. Der Mord selbst erscheint willkürlich und dadurch nur noch umso hinterhältiger. Viele Minuten lang müssen wir minutiös mit ansehen, wie der Taxifahrer erdrosselt wird. Nicht sterben mag. Jacek schlägt deshalb ein wenig später mit einer Eisenstange auf ihn ein, das Gebiss des Fahrers fällt zu Boden, Jacek tritt wütend darauf.
Die Grausamkeit des Tötens zeigt Kieslowski später noch einmal, wenn er - genauso detailliert - den Vollzug der Todesstrafe zeigt. Ebenfalls ein Tod durch den Strick – diesmal mit einer Wanne drunter, für die Exkremente. Kieslowski wertet nicht, er zeigt nur, aber sein Plädoyer ist deshalb doch ganz eindeutig: EIN KURZER FILM ÜBER DAS TÖTEN ist einer der wichtigsten Filme gegen die Todesstrafe. Entstanden ist er innerhalb der Dekalog-Reihe des Regisseurs, die dieser fürs polnische Fernsehen zwischen 1988-89 schuf. Sein Film wurde 1988 für den ausländischen Oscar nominiert und gewann den Spezialpreis der Jury in Cannes. Der bereits 1996 im Alter von 54 Jahren verstorbene Regisseur sagte über seinen Film: "Ich glaube nicht an die soziale Rolle des Filmemachers. Aber dieser Film ist aus der Notwendigkeit entstanden, von der Todesstrafe sprechen zu müssen. Diese Art des Todes lastet schwer auf uns allen und macht uns alle schuldig."
Nana A.T. Rebhan
Erstellt: 23-04-07
Letzte Änderung: 27-06-07