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DVD-News - 05/07/06

Die Nacht des Leguan

Ein Film von John Huston


Ungewöhnlich offenherzigen Einblicke in die Seele des Dramatikers Tennessee Williams

  • Synopsis

Ein vom Glauben abgefallener Pfarrer sucht in einem gottverlassenen Nest in der mexikanischen Wüste nach seinem Seelenheil – eine weltliche Hausbesitzerin, eine vergeistigte Künstlerin und ein leidenschaftlicher Teenager können ihm Erlösung verschaffen – oder aber die Hölle bescheren.


  • Der Kommentar zum Film

Ende der 50er/Anfang der 60er Jahre war Tennessee Williams unangefochten der berühmteste amerikanische Theaterdramatiker, dessen Stücke nicht nur am Broadway Kasse machten, sondern auch einen New York Critic Award nach dem anderen abräumten und anschließend oftmals von den berühmtesten amerikanischen Hollywoodregisseuren verfilmt wurden („Die Katze auf dem heißen Blechdach“/“Endstation Sehnsucht“). John Huston interessierte sich für „The Night of the Iguana“ von 1961, ein Spätwerk von Williams, dass für sein überraschend hoffnungsvolles Ende, aber auch für die über die ungewöhnlich offenherzigen Einblicke in die Seele des Dramatikers gelobt wurde. Als verlängertes Sprachrohr des Autors fungiert Reverend Shannon (Richard Burton), den bei einer Predigt plötzlich die eigenen Furien reiten und sich fortan als Reiseleiter eines eher fragwürdigen Touristikunternehmens in Mexiko durchschlägt. Dieser Shannon hat, wie er in schonungsloser Selbsterkenntnis seiner jungen Verehrerin Charlotte – gespielt von Kubricks „Lolita“-Darstellerin Sue Lyon - zu Protokoll gibt, seinen Vorrat an Emotionen bereits verpulvert und eine verlorene Ehre wie er dürfe keineswegs mehr eine romantische Liaison eingehen, um nicht noch größeren Schaden über die Menschheit zu bringen.

Huston, ein ausgezeichneter Kenner Mexikos und seiner Volksseele, verlegte den Hauptteil seiner Geschichte in das 1964 noch kaum touristisch erschlossene und paradiesische Puerto Vallerta an der Atlantikküste, wo der Pastor seine ihm anbefohlene, aus bibelfesten texanischen Hausfrauen bestehende Reisegruppe aus Angst vor einer Anklage wegen Verführung Minderjähriger hinmanövriert hat. Hier weiß Huston in für ihn ungewohntem Schwarzweiß eine gewohnt feuriges Drama zu entfalten, ist dabei jedoch weit weniger dämonisch, als bei seinen berühmten Mexiko-Dramen „Der Schatz der Sierra Madre“ oder „Tanz auf dem Vulkan“. Und das, obwohl Richard Burton mit vollem Einsatz eine verirrte Seele spielt, die Alkohol und Irrsinn zu verfallen droht. Nicht weniger als drei Frauen haben ihn am Endpunkt seiner Flucht vor sich selbst umzingelt. Drei Frauen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Während Ava Gardner in ihrem exotischen Hotel nicht weniger verrückt wirkt wie ihr Freund Shannon und die junge Lolita Burton dazu bringt, auf zerbrochenen Glasscherben zu gehen, um seine Triebe im Zaum zu halten (diese Szene hatte Williams vor Ort auf Einladung Hustons geschrieben), bietet Deborah Kerr in einer gewohnt züchtigen Rolle als Reisebegleiterin ihres dichtenden Großvaters die Perspektive einer unverhofften Errettung. Doch Williams weiß zu viel über die ‚condition humaine’ und Huston hat zu wenig übrig für konventionelle Hollywood-Happy-Endings, als das die Hoffnung auf ein überraschendes Ende enttäuscht werden würde.

Extras: Zwei im Auftrag von Warner gedrehte Kurzdokumentationen gewähren Einblicke in die Hintergründe dieser für Hollywood-Verhältnisse recht ungewöhnlichen Dreharbeiten, wurde, wie für Huston typisch, doch ausschließlich an Originalschauplätzen gedreht. Eine logistische Herausforderung für die 130 Crew-Mitglieder, denn ein ganzes Dorf musste auf einer abgelegenen Insel errichtet werden. Hinzu drohten Eifersüchteleien zwischen den drei Hauptdarstellerinnen, zumal auch die damalige Burton-Ehefrau Elisabeth Taylor samt zugehöriger Klatschpresse an den Dreharbeiten teilnahm. John Huston wusste diesem potentiellen Problem auf unnachahmliche Art und Weise vorzubeugen – jeder Akteur bekam am runden Tisch eine Pistole von ihm geschenkt, inklusive Kugeln, auf die die Namen der Mitspieler eingraviert waren. Effizienter kann Konfliktvorbeugung am Drehort nicht sein.

Martin Rosefeldt



  • Die Nacht des Leguan
(The Night Of The Iguana)
Ein Film von John Huston
Darsteller: Richard Burton, Ava Gardner, Deborah Kerr, Sue Lyon
USA, 1964, 113’, 16:9 (1,85:1), s/w
Warner Brothers

Sprachen: Deutsch/Englisch/Spanisch (mono)
Untertitel: Englisch/Spanisch/Deutsch/Portugiesisch/Tschechisch, Dänisch/Schwedisch/Norwegisch/Polnisch
Untertitel für Hörgeschädigte

Specials:
Die Nacht des Leguans – Hustons Glücksspiel (Mini-Doku, 10 Minuten)
Auf den Spuren des Leguan (Mini-Doku, 14 Min.)
Teasertrailer/US-Kinotrailer

Erstellt: 25-04-06
Letzte Änderung: 05-07-06