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DVD-News September 2005 - 11/10/05

Der alte Affe Angst

Ein Film von Oskar Röhler


Zwischen ihnen steht die Angst,
der alte Affe Angst

  • Synopsis

Er liebt sie und sie liebt ihn. Es könnte perfekt sein, doch zwischen ihnen steht die Angst, der alte Affe Angst. Als es kompliziert wird in ihrer Beziehung, der Sex nicht mehr funktioniert, und sein Vater im Sterben liegt, kämpfen sie jeder auf seine/ihre Weise. Seine destruktive Seite gewinnt Überhand, und fast scheint alles verloren: Sie unternimmt einen Selbstmordversuch, doch Gott oder wer auch immer hat es gut mit ihr gemeint, und beide bekommen noch mal die Chance auf einen Neuanfang.

  • Der Kommentar zum Film

In vielen Momenten seines neuen Films gelingt es dem Berliner Regisseur Oskar Röhler die Intensität einer gelebten Beziehung so unmittelbar und unverfälscht auf die Leinwand zu bannen, wie das sonst kaum ein anderer Filmemacher schafft, schon gar nicht ein Deutscher. Das sind große Momente, die unter die Haut gehen, und die man nicht so schnell vergisst. Schonungslos offen, gar intim wird Röhler da, und in seiner größten Verletzlichkeit wirkt er am Souveränsten. Weil er das weiß, und weil es sein Anliegen ist, seine persönlichen Erfahrungen filmisch zu verarbeiten, hat er sich mit Der alte Affe Angst nach Die Unberührbare einem weiteren Kapitel seines Lebens zugewandt. Arbeitete er in Die Unberührbare die schmerzhaften Erfahrungen mit dem Tod seiner Mutter Gisela Elsner auf, beschäftigt ihn nun die Krebserkrankung seines Vaters und dessen Tod. Im Zentrum aber steht die Liebe.

Regisseur Robert (André Hennicke) und Marie (Marie Bäumer) können nicht miteinander und auch nicht ohne einander. In der Auseinandersetzung mit den Gefühlen seiner beiden Charaktere überschreitet Röhler Grenzen, die für einige sensible Zuschauer wohl kaum mehr zumutbar sein dürften. Aber die Höhen und Tiefen, extreme Verspieltheiten und ein Selbstmordversuch beschreiben genau die Grenzlosigkeit, die die Intensität dieser Beziehung ausmacht. Röhler macht die Perversionen des Lebens nachvollziehbar. Etwa wenn Robert zum Psychiater geht, und diesem gesteht, dass er nicht mehr mit Marie schlafen kann. Aber nicht etwa, weil er sie nicht mehr liebt, sondern weil er sie eigentlich so sehr begehrt, dass er rasend vor Eifersucht ist. Um mit diesem extrem starken Gefühl überhaupt klar zu kommen, um damit irgendwie zu überleben, blockiert er seine Gefühle und seine Begierde für Marie so stark, dass er sie schließlich nicht mehr begehrt.

Wer an dieser Stelle der Beschreibung bereits den Kopf schüttelt, und diese Form der Beziehung nicht nachvollziehbar oder psychotisch findet, der sollte dem Film besser fern bleiben. Denn er stört nur die anderen Zuschauer, die einen Film erleben wollen, wie es ihn - grade von deutschen Filmemachern, die mit tiefen Gefühlen eher ihre Schwierigkeiten haben - nur sehr selten zu sehen gibt.

Nana A.T. Rebhan

  • Das Bonusmaterial

Der alte Affe Angst, er isst bei Oskar Roehler zwar nicht mehr die ganze Seele auf, wie noch bei Fassbinder, aber die darin als Schatz angesammelte Liebe, wenn sich nach ein paar Beziehungsjahren allmählich die Gewohnheit einstellt und die sexuelle Anziehung abnimmt. So geschieht es dem Regisseur Robert (André Hennicke) und der Kinderärztin Marie (Marie Bäumer). Doch wie die beiden trotz widriger Umstände dafür kämpfen und dafür unkonventionellste, auch abgründige Wege einschlagen, das rührt aufgrund der schonungslosen Ehrlichkeit, mit der Roehler sich den eigenen Seelenqualen in seinem Drehbuch genähert hat, ans Herz. Ein grandioses Schauspielerensemble haucht den Figuren anrührende Authentizität und wahrhaftige Leidenschaft ein.

Wie es zu der glücklichen Symbiose aus gelungener Drehbuchvorlage, inszenatorischem Wagnis und schauspielerischen Höchstleistungen kommen konnte, das schildern in Interviews eindringlich und ausführlich der Regisseur und die beiden Hauptdarsteller. Wie im Leben gilt eben auch im Film – ohne Risiko geht es nicht.

Martin Rosefeldt


  • Der alte Affe Angst
Regie: Oskar Röhler
Darsteller: André Hennicke, Marie Bäumer, Vadim Glowna
BRD, 2002, 88’
Warner Brothers Home Entertainment

  • Technische Angaben
Sprachen: Deutsch (5.1 (Dolby Digital)
Extras: Kino-Trailer, Interviews mit Oskar Roehler, Marie Bäumer und André Hennicke

Erstellt: 11-10-05
Letzte Änderung: 11-10-05