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Dienstag 12. Juli 2005 um 20.45 Uhr - 30/06/05

Jagd nach Gerechtigkeit - Das Tribunal von Den Haag

Die Kanadierin Louise Arbour wird vom UN-Sicherheitsrat auf einen Posten berufen, den es vorher nie gab: Sie wird Chef-Anklägerin des Kriegsverbrechertribunals in Den Haag. Doch sie muss um die Anerkennung des Tribunals kämpfen, bis sie die Anklage gegen den ehemaligen jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic durchsetzen kann.

1996 ernennt der UN-Sicherheitsrat Louise Arbour zur Chef-Anklägerin des neuen Kriegsgerichtshofes im niederländischen Den Haag. Arbour weiß, dass sie sich mit diesem Erfolg einen Platz in der Rechtsgeschichte gesichert hat. Dieser neue, unerforschte Raum der Rechtssprechung bedeutet für sie eine große Herausforderung. Doch sie weiß auch, dass bei einem Fehlschlag des Tribunals bekannte Kriegsverbrecher wie Mladic, Karadzic, Arkan und Milosevic, die für die Bürgerkriege im ehemaligen Jugoslawien und für ungefähr 250.000 Tote verantwortlich sind, unbehelligt bleiben.

Seit den Nürnberger Prozessen hat die Welt kein solches Tribunal mehr gesehen, das sich mit Kriegsverbrechen und Völkermord befasst, und sein Erfolg ist richtungsweisend für die Zukunft der Menschheit und des Weltfriedens. Doch in Den Haag entdeckt Arbour eine düstere Wahrheit. Die meisten rechnen mit ihrem Scheitern. Ihr eigener stellvertretender Ankläger führt eine Meuterei gegen sie an. Die UN-Bürokratie knebelt ihre Arbeit. Todesdrohungen von extremistischen Serben gehören zum Alltag. Doch damit nicht genug: NATO-Generäle, angeführt vom französischen Kommandeur in Bosnien, erstarren angesichts der Vorstellung, dass ihre eigenen Soldaten in Särgen nach Hause geschickt werden könnten, und weigern sich, in ihren Einsatzgebieten Kriegsverbrecher zu verhaften.

Arbour muss feststellen, dass sie eine Anklägerin ohne Polizei ist, und ihre Haftbefehle bedeutungslos zu sein scheinen. Sie erkennt, dass sie entweder handeln muss oder das Tribunal und jegliche Hoffnung auf Gerechtigkeit in Ex-Jugoslawien zerschlagen werden. Sie schmiedet einen verwegenen Plan. Mit Hilfe eines entschlossenen Captain der britischen SAS umgeht sie die NATO-Kommandeure und organisiert einen geheimen Helikopter-Angriff, durch den zwei Serben ergriffen werden, die auf der UN-Liste der meistgesuchten Kriegsverbrecher stehen. Die NATO-Generäle reagieren verblüfft und wütend. Doch die internationalen Medien sind begeistert. Plötzlich verfügt Arbours Tribunal über politische Schlagkraft. Als nächstes nimmt sie den berüchtigten serbischen Kriegsverbrecher Radovan Karadzic ins Visier. Doch als das Sonderkommando zuschlägt, ist Karadzic fort - gewarnt auf Befehl des französischen Oberkommandos. Karadzic wusste zu viel über serbische Verbindungen zum französischen Militär. Auf die Karadzic-Niederlage folgen weitere und schließlich kommt Arbours Freund und Verbündeter, der Captain der SAS, brutal zu Tode. Die gewalttätigen Albträume, die sie seit ihrer Ankunft plagen, werden schlimmer. Die Massengräber, das Sterben, die Enttäuschung vergiften sie und unterwandern ihre Unbefangenheit.

Die kanadische Richterin, die bei ihrer Ankunft in Bosnien "Gerechtigkeit statt Rache" predigte, steht am Rande der Verzweiflung. Doch sie wird sich nicht beugen. Am 22. Mai 1999 erhebt sie erstmals gegen einen amtierenden Staatschef Anklage wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Im Juli 2002 beginnt in Den Haag der Prozess gegen Slobodan Milosevic.

Louise Arbour, die mittlerweile zur UN-Hochkommissarin für Menschenrechte berufen wurde, war als Beraterin an der Erstellung des Drehbuchs beteiligt. Der gebürtige Belgier Charles Binamé realisierte zahlreiche Dokumentarfilme für das Office National du Canada, bevor er mit "Blanche" (1993) seinen ersten fiktionalen Film drehte. Für "Coeur au poing" gewann Binamé 1998 auf dem Internationalen Tschechischen Filmfestival Karlovy Vary den Chrystal Globe und den Preis für das beste kanadische Drehbuch auf dem Internationalen Filmfestival in Vancouver.

Wendy Crewson spielte in "Das Ende des Sommers" (1999, Regie: Helen Shaver) und in Robert Zemeckis "Im Schatten der Wahrheit" (2000) an der Seite von Harrison Ford und Michelle Pfeiffer. Neben Arnold Schwarzenegger stand sie 2000 in "The 6th Day" (Regie: Roger Spottiswoode) vor der Kamera. 1998 gewann sie den Gemini-Preis in Toronto für die Serie "Due South" (1997, Regie führten unter anderem George Bloomfield und Francis Damberger), 1999 für "At the End of the Day: The Sue Rodriguez Story" (1998, Regie: Sheldon Larry) und 2003 noch einmal für "The Many Trials of One Jane Doe" (2002, Regie: Jerry Ciccoritti).

Stipe Erceg, gebürtiger Kroate, absolvierte sein Schauspielstudium in Berlin und spielte seit 1998 vor allem Theater, bis er Hauptrollen in "Der Typ" (2003, Regie: Patrick Tauss) und "Yugotrip" (2004, Regie: Nadya Derado) übernahm, für den er 2004 den Preis in der Kategorie Bester Nachwuchsschauspieler auf dem Max Ophüls Festival erhielt. International bekannt wurde Stipe Erceg durch seine Rolle in "Die fetten Jahre sind vorbei" (2004, Regie: Hans Weingartner). Zuletzt war er in "Stadt als Beute" (2005, Regie: Miriam Dehne, Esther Gronenborn und Irene von Alberti) zu sehen.


Heino Ferch schaffte den Durchbruch mit Tom Tykwers Film "Winterschläfer" (1997) und stand anschließend in "Comedian Harmonists" (1997, Regie: Jürgen Vilsmaier) vor der Kamera, für den er 1998 mit dem Bayerischen Filmpreis ausgezeichnet wurde. 1998 war er in "Lola rennt" (Regie: Tom Tykwer) zu sehen. 2001 spielte er in "Der Tunnel" (Regie: Roland Suso Richter), für den er 2001 den Bayerischen Filmpreis und 2002 die Goldene Kamera erhielt. Es folgte 2003 eine Hauptrolle in "Das Wunder von Lengede" (Regie: Kaspar Heidelbach), für die er im selben Jahr ein Bambi und 2004 den Adolf Grimme Preis gewann. In Oliver Hirschbiegels viel diskutiertem Film "Der Untergang" (2004) spielt Ferch den Nazi-Architekten Albert Speer, eine Rolle, für die er mit einem Bambi ausgezeichnet wurde. Dieses Jahr war er auch in Helmut Dietls "Vom Suchen und Finden der Liebe" (2005) auf der Leinwand zu sehen.

Im Juli 2005 jährt sich das Massaker von Srebrenica zum zehnten Mal. Die Massenerschießungen in Srebrenica, denen 1995 mehrere tausend Menschen zum Opfer fielen, sind bis heute eine offene Wunde. ARTE erinnert mit einem Programmschwerpunkt an die Opfer. Die einzelnen Sendungen im Überblick:

(1): "Kriegsmüde - Zehn Jahre nach Srebrenica", Dokumentation, Montag den 4. Juli 2005 um 22.35 Uhr
(2): "Jagd nach Gerechtigkeit - Das Tribunal von Den Haag", Spielfilm, Dienstag, den 12. Juli 2005 um 20.40 Uhr
(3): "Der Krieg nach dem Krieg - Ein Themenabend zehn Jahre nach Srebrenica", Themenabend, Dienstag, den 12. Juli 2005 ab 20.40 Uhr

Fernsehfilm, Deutschland / Kanada 2005, WDR, Erstausstrahlung, 90 Min
Regie: Charles Binamé, Drehbuch: Ian Adams, Riley Adams, Michelle Lovretta, Kamera: Georges Archambault, Musik: Michel Cusson, Schnitt: Dominique Fortin; Ton: Claude La Haye, Claude Beaugrand, Bernard Gariépy-Strobl, Produktion: Galafilm, Produzent: Françine Allaire, Arnie Gelbart
Mit: Wendy Crewson (Louise Harbour), Stipe Erceg (Pasko Odzak), Heino Ferch (Keller), John Corbett (Captain John Tanner), William Hurt (General Mortimer)

Erstellt: 30-06-05
Letzte Änderung: 30-06-05