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Freitag, 28. April 2006 um 20.40 Uhr - 07/04/06

Söldner der Hölle

Afrika, Ende des 19. Jahrhunderts: Getrieben von fanatischem Eroberungswillen ziehen die beiden jungen Offiziere Voulet und Chanoine raubend und mordend durch den Tschad. Ihr Feldzug wird unaufhaltsam zu einer Reise in den eigenen Wahnsinn...

1898: Seit 20 Jahren liefern sich Frankreich, England und Deutschland ein Wettrennen um die Eroberung Afrikas. Getrieben vom Ehrgeiz träumen Voulet und Chanoine, zwei junge Hauptmänner an der Spitze einer Horde weißafrikanischer Infanteristen, davon, neue Gebiete zwischen Niger und dem Tschad zu erobern. Aber aus Paris weht ein neuer Wind: die Dreyfus-Affäre peitscht die antisemitisch-national wie die republikanisch gesinnten Gemüter auf. Der Versuch, Französisch-Äquatorialafrika weiter auszudehnen, scheitert, als die Franzosen auf die Briten stoßen. Oberst Klobb schränkt den Aufgabenbereich von Voulet und Chanoine immer mehr ein. Die Männer fühlen sich von ihren Vorgesetzten in Paris im Stich gelassen, weichen aber von ihrem Feldzug keinen Schritt ab. Plündernd, sengend und mordend zieht ihre Truppe durch Afrika. Ihrem imperialistischen Wahn gänzlich verfallen, beschließen die beiden Männer, ein "weißes Reich" auf dem schwarzen Kontinent im "Herzen der Finsternis" zu errichten. Ihre Massaker alarmieren endlich die französischen Regierungsstellen; eine Kompanie wird abgeordnet, um sie aufzuhalten. Doch in ihrer fanatischen Raserei lassen sie sich durch nichts von ihrer Mission abbringen...

 

Frei nach wahren Begebenheiten erzählt "Söldner der Hölle" eines der dunkelsten Kapitel französischer Kolonialgeschichte, das die grausigen Schattenseiten der europäischen Zivilisation ebenso wie die finsteren Abgründe der menschlichen Seele enthüllt. Die Geschichte einer Reise durch Afrika, die im Wahnsinn endete, inspirierte schon Joseph Conrad zu seinem Meisterwerk "Herz der Finsternis" (1899). Serge Morati und Yves Laurent greifen mit ihrem Film ein brisantes Thema auf, das mit einem in Frankreich Anfang vergangenen Jahres verabschiedeten Gesetz wieder hochaktuell geworden ist. Dem umstrittenen Gesetz zufolge soll die Geschichte der "französischen Präsenz auf anderen Kontinenten" in den französischen Schulen und Universitäten vor allem in ihrer "positiven Rolle" dargestellt werden.

 

Der Regisseur Serge Moati, geboren 1946, ist Schriftsteller, Schauspieler, Regisseur und Produzent von Dokumentar- und Spielfilmen, darunter "Sapho" (1996), "Les complices" (1999), "Ein ganz normales Leben: Was ich schon immer über Homosexualität wissen wollte" (2001), "Un an après" (2003), "Feinde, Nachbarn, Freunde: Französische und deutsche Journalisten erzählen" (2004) und "Mein Freund, das Fernsehen" (2005). Für die Dokumentation "FrançoisMitterand - Franzose, Staatsmann, Legende" (2005) schrieb er das Drehbuch. Der Film "Söldner der Hölle" lief auf dem Festival FIPA 2005 in Biarritz außerhalb des Wettbewerbs.

Capitaines des ténèbres

Fernsehfilm, Frankreich 2004, ARTE F, Synchronfassung, Zweikanalton, 16:9 / 96 Min.

Regie: Serge Moati, Arnaud Jalbert, Drehbuch: Yves Laurent, Kamera: Gérard de Battista, Musik: Cyril Morin, Kostueme: Edith Vesperini, Schnitt: Cecilia Pagliarani, Pascale Chavance; Ausstattung: Régis Nicolino, Jean-Marc Pacaud; Maske: Pascale Guegan; Ton: Francis Baldos, Produktion: ARTE F

Mit: Manuel Blanc (Voulet), Richard Bohringer (Klobb), Clément Sibony (Peteau), Patrick Mille (Chanoine), Airy Routier (Joalland), Micky Sébastian (Frau Klobb), François Berland (Henric), Éric Laugerias (Bouthel), Gora Seck (Boubacar) 

Erstellt: 31-03-06
Letzte Änderung: 07-04-06