Von Bruno Podalydès, Gurinder Chadha, Gus Van Sant, Joel und Ethan Coen, Walter Salles & Daniela Thomas, Christopher Doyle, Isabel Coixet, Nobuhiro Suwa, Sylvain Chomet, Alfonso Cuaron, Olivier Assayas, Oliver Schmitz, Richard Lagravenese, Vincenzo Natali, Wes Craven, Frédéric Aubertin & Gérard Depardieu, Tom Tykwer und Alexander Payne
(Frankreich, 2006, 2h)
Mit Juliette Binoche, Steve Buscemi, Nick Nolte, Ben Gazzara, Gaspard Ulliel…


Synopsis: Zwanzig Fünfminutenfilme über genauso viele Ecken in Paris, Geschichten über Jungen und Mädchen, Junge und Alte, Arme und Reiche, Franzosen und Nichtfranzosen aus der Sicht von zwanzig Filmemachern. Sie schwanken zwischen Glück und Leid – und zwischen Scylla und Charybdis... Kritik: Es war ein zunächst erfreuliches Projekt: 2006 gibt es offenbar noch immer eine Menge Regisseure, die ohne jegliche Hemmung bereit sind, in Paris zu filmen, obwohl doch jede denkbare Szenerie schon mit den größten Namen assoziiert wird und die Kürze der Beiträge zu einem allzu unvollständigen Porträt unserer Zeitgenossen hätte führen können. Fünf Minuten sind jedoch für manche zu wenig (z. B. Gus Van Sant und Bruno Podalydès) und für viele andere sehr lang, z. B. für Isabel Coixet und ihre Parodie auf einen Fotoroman, für Gurinder Chadha („Kick it like Beckham“) und ihren sonst guten antirassistischen Beitrag, für Olivier Assayas, der die Liebe auf den ersten Blick zwischen einer amerikanischen Schauspielerin und einem Dealer erzählt, oder aber für Vincenzo Natali, der vom selben Phänomen bei einem jungen Touristen und einer Vampirin berichtet und dessen Behandlung des Fantasy-Genres seit seinem Film „Cube“ doch nur wie ein Beweis für schlechten Geschmack wirkt.
Nicht ein einziges Mal zeigt sich hier der Blick eines wahrhaftigen Kinomachers – mit Ausnahme des Films der Brüder Coen. Als einzige sind sie in der Lage, der Aufgabe auch entsprechend ihres Stils und ihres Renommees gerecht zu werden. In erschreckend vertrauter Manier stellt ihr Beitrag eine Art Modell der Komödie dar: Ein amerikanischer Tourist (Steve Buscemi) macht sich in der Pariser Metro wider Willen frei von überlebensnotwendigen Reflexen. Einigen wenigen Regisseuren gelingt es darüber hinaus, uns einen unverfälschten Eindruck jener Welt zu vermitteln, die sie uns zeigen wollten. Oliver Schmitz filmt den Absturz eines Mannes – alles beginnt mit einer Parkplatzreinigung und endet mit einer Messerattacke. Alexander Payne hat sich seinerseits in erfreulicher Bescheidenheit der Aufgabe gestellt, das Gesamtwerk mit dem Protokoll eines einzelgängerischen aber sehr aufmerksamen Touristen aus Amerika abzuschließen.
Alle anderen haben sich zu stark an öffentlichkeitswirksamen Reflexen orientiert und gleichzeitig von der üblen Gewohnheit Gebrauch gemacht, die hässlichsten und abgenutztesten Filmelemente des unaussprechlich komischen Claude Lelouch zu kopieren. Die Produzentin Claudie Ossard, die „Die fabelhafte Welt der Amelie“ finanzierte, ist vielleicht nicht ganz unschuldig an der Tatsache, dass „Paris je t’aime“ nicht mehr als eine Posse geworden ist, doch ist sie sicherlich nicht die einzige Verantwortliche für die schwindelerregende Durchschnittlichkeit dieses Films.
Julien Welter
Synopsis: Zwanzig Regisseure haben sich jeweils einem der Pariser Arrondissements angenommen und erzählen in ihrem ganz persönlichen Stil und dem von ihnen selbst gewählten Genre eine Liebesgeschichte, die nicht unbedingt immer ein glückliches Ende findet.
Kritik: Lange haben wir nun schon auf dieses ganz besondere Projekt gewartet, bei dem sich 20 Regisseure zusammenfanden, um in Paris zu drehen. Statt der ursprünglich geplanten 3 Millionen Dollar kostete der Film schließlich üppige 11 Millionen. Zwei Kurzfilme – von Christopher Boe und Rafael Nadjari – sind nicht im fertigen Film, und die Dreharbeiten dauerten viel länger als geplant. Kein Wunder, denn der Cast der Filme vereint Schauspieler wie Natalie Portman, Willem Dafoe, Bob Hoskins, Gena Rowlands, Juliette Binoche und viele mehr vor der Kamera, wenn auch in unterschiedlichen Episoden. Wie das bei Omnibusfilmen so ist, können sich 18 Filme qualitativ nicht auf einem Niveau bewegen, und so wundert es nicht, dass hier sehr gute, wie auch eher misslungene Werke vertreten sind. Sehr gelungen ist die Episode der Coen-Brüder (Fargo, The Ladykillers), die Steve Buscemi als amerikanischen Touristen in die Metro schicken. Er hat ein Buch über die Stadt dabei, „die Stadt des Lichts und der Liebe“ – wie es dort beschrieben steht – doch dies präsentiert sich ihm von ihrer ganz anderen, milde gesagt unfreundlichen Seite.
Auch Alexander Payne (Herr Schmidt, Sideways) schickt einen Touristen ins Rennen, diesmal ist es eine alleinstehende ältere Frau, die in der Off-Stimme ihr sehr schlecht verständliches Französisch ausprobiert, und trotz diverser kleiner Pannen sich in die Stadt verliebt. Zuerst lacht man noch über die ungeschickte Carol, doch schnell schon entdeckt man, dass sie ein sensibler Mensch ist, und lernt sie zu schätzen.Tom Tykwer (Lola rennt, Heaven) lässt erneut eine Lola rennen: Diesmal heißt sie Francine (Natalie Portman) und will Schauspielerin werden. Sie rennt zur Aufnahmeprüfung und ein blinder junger Mann zeigt ihr dabei den Weg. Sie verlieben sich. Doch die Liebe verblasst und Thomas erinnert sich schmerzlich (mit Zeitraffer gedreht), wie schön diese Zeit doch war.
Einige der Filme führen nirgendwohin. Gus Van Sant etwa, gelingt es in seinen Spielfilmen wunderbar, eine Atmosphäre zu entwickeln, aber in fünf Minuten hat sein einer Hauptdarsteller nur einen endlosen Dialog, während der andere schweigt. Das reicht nicht. Christopher Doyles Film ist so wirr, als wäre er unter dem Einfluss von Drogen entstanden. Leider können an dieser Stelle nicht alle Filme erwähnt werden. Am Ende baut der Soundtrack eine Art Klammer, und zeigt dabei kurze Momente aus allen einzelnen Episoden. Insgesamt erfüllt PARIS JE T’AIME die hohen Erwartungen nicht, die er selbst geweckt hat, indem die Produzenten einen einzigartigen, so noch nie gesehenen Episodenfilm versprachen. Nana A.T. Rebhan








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