128 Min.
von Steven Spielberg
Mit: Tom Hanks, Catherine Zeta-Jones, Stanley Tucci, Kumar Pallana, Diego Luna
Festival von Venedig 2004 - Eröffnungsfilm – Außerhalb des Wettbewerbs
Die Pressekonferenz zum Film (Real Video)
Synopsis: Viktor Navorski ist einer von Tausenden Touristen, die täglich im John F. Kennedy-Flughafen von New York landen. Aber während des Fluges hat in seinem kleinen osteuropäischen Land ein Staatsstreich stattgefunden, der es international isoliert und Viktor zum Staatenlosen macht. Er darf weder in die USA einreisen noch in sein Land zurückkehren. Viktor sitzt auf dem Flughafen fest und muss sich auf dem J.F.K.-Terminal durchschlagen. Für ihn beginnt ein neues Leben.Kritik: „Terminal“ hätte ein humanistisches Gleichnis über die Toleranz, über das idealisierte Wunschbild, das Amerika von sich entwirft, über den ungeheuren Mythos des Melting-pots, das Wunder der Integration sein können. Ein rührseliges Märchen unter dem glückverheißenden Sternenbanner, hand-made in USA. Aber hier führt nicht Frank Capra, sondern Steven Spielberg das Kommando, und Tom Hanks spielt den naiven und ehrlichen Fremden, den man sich eigentlich eher als James Stewart vorgestellt hätte. Überhaupt werden die Anspielungen immer massiver und bedrückender, wirkt der Film immer ungeschickter, je weiter die Handlung fortschreitet: Der Regisseur kann es wahrlich nicht mit seinen kunstfertigen Vorläufern aufnehmen!
Der Hightech-Flughafen, in dem sich Viktor verliert und in dem er überlebt, überlagert sich mit der komisch-absurden Welt, die Jacques Tati in „Tati im Stoßverkehr“ und „Mein Onkel“ unter die Lupe genommen hat. Aber der Spaß will sich hier nicht recht einstellen, außer in der glänzenden, zwerchfellerschütternden Szene, in der Viktor und eine Überwachungskamera ein improvisiertes Ballett zum Thema „Ich habe dich gesehen, aber siehst du mich?“ beginnen. Sie rettet beinahe den Film, der bis dahin in Höflichkeit und political correctness erstarrt. Viktor muss in der aseptischen Ladenstraße des Terminals überleben: Er schläft auf der Bank, isst schlecht, lernt die Sprache in einigen Wochen. Nachdem er sich gegen die schlimmsten Ungerechtigkeiten gewehrt hat, findet er schließlich einen Modus vivendi, indem er sich mit aufgefundenen Kofferkulis behilft, Zufallsfreundschaften schließt und Lücken im wahnwitzigen Verwaltungssystem der Einwanderungsbehörde nutzt. Allzu oft jedoch malt man sich wehmütig aus, was Chaplin oder Lubitsch aus diesem Stoff gemacht hätten!
Da Viktor aus einem imaginären osteuropäischen Land kommt, schreckt Spielberg vor keinem Klischee zurück: Viktor ist schlecht angezogen, zu ehrlich, aber eine robuste Natur und fleißig. Noch dazu erweist er sich als begnadeter Klempner: Seiner entzückten amerikanischen Dulcinea fabriziert er in der Toilette sogar einen Springbrunnen à la Gaudí. In den Nebenrollen gelingt es wunderbaren Schauspielern, dem dominierenden und oscarverdächtigen Tom Hanks Paroli zu bieten: Staney Tucci als Knecht-Ruprecht-artiger Inspektor der Einwanderungsbehörde, Kumar Pallana (der unvergessliche Pagoda aus den „Royal Tenenbaums“) und Diego Luna als schmachtender Liebhaber. Diese drei Schauspieler bringen die Handlung wieder ins Rollen. Und einmal darf man sogar zu Tränen gerührt sein: Wenn der kleine Mann Gupta beim Versuch, seinem Freund zu helfen, bunte Fähnchen schwenkt, um ein Flugzeug auf der Startbahn zum Halten zu bringen. Natürlich erinnert dieses Bild an ein anderes, das seinerzeit aufgenommen wurde und einen Mann vor einem chinesischen Panzer zeigt. Virtuos und auf Effizienz bedacht handhabt Spielberg auch hier wieder schockierende Bilder und starke Symbole. Unverzeihlicherweise unterfordert er damit jedoch sein Publikum und bleibt in Bodenhöhe, statt Kurs auf die Sterne zu nehmen.
Delphine Valloire








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