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Kino-News

Schön anzuschauende, aber oberflächliche Verfilmung des Colette-Romans, mit großen Schauspielern, die in schönen Kostümen amüsante Dialoge sprechen.

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Kinostart 20. Januar 2005 - 25/01/05

Der Tango der Rashevskis

Ein Film von Sam Garbarski


Höchst kurzweilige Fallstudien zu den unterschiedlichen
Erscheinungsformen modernen jüdischen Lebens

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Synopsis: Die Rashevskis sind eine sehr liberale jüdische Familie, bis eines Tages 81-jährig die allseits geliebte Großmutter stirbt, die trotz ihrer lebenslangen Religionsfeindlichkeit ihr Begräbnis auf einem jüdischen Friedhof veranlasst hat. So beginnt unter den Familienmitgliedern eine Suche nach Bedeutung und Identität des gemeinsamen jüdischen Erbes.

Kritik: Sam Garbarski hat es vor vielen Jahren aus Bayern nach Paris verschlagen, wo er erst als Autor, dann als Regisseur von Werbeclips so erfolgreich wurde, dass er bald seine eigene Firma gründete. Nun hat er sich nach einigen Drehbüchern und Kurzfilmen in seinem Spielfilmdebüt als humorvoller Chronist des französisch-jüdischen Diasporafamilienlebens erwiesen. Die Mitglieder seiner zusammenfabulierten Ersatzfamilie sind nicht weniger eigenwillig als die der Familie Zuckermann in Dani Levys Komödie „Alles auf Zucker“, nur weniger proletarisch und laut, dafür etwas nachdenklicher, in ihrem Humor etwas feiner und des Tangotanzens mächtig. Denn anstatt mit ihren Kindern über die verloren gegangene polnische Heimat zu trauern, hat die 81-jährige Großmutter ihren beiden mittlerweile fast 60-jährigen Söhnen, der eine Schuhverkäufer, der andere Chirurg, den erotischen argentinischen Tanz als Lebenselixier mit auf den Weg gegeben.

Sehr liebevoll und bedächtig geht Garbarski mit den eigenwilligen Rashevksis um. Da ist zunächst Dolfo, der lebenslustige Großonkel, der den verfeindeten Bruder und Ex-Mann der Verstorbenen, einen Rabbi in einer Wüsteneinöde Israels vergeblich dazu bewegen versucht, sich zur Beerdigung einzufinden. Sein Neffe Simon, der Schuhverkäufer wiederum, hat zwei sehr rebellische Kinder – einen Sohn, der sich trotz seines Talents nicht zum Pianisten, sondern zum Innenarchitekten ausbilden lassen wollte und eine neurotische Tochter namens Nina in die Welt gesetzt. Bei der Beerdigung verliebt sich nun ausgerechnet ein Gojim, ein Ungläubiger – Antoine, der beste Freund des Bruders, in sie.

Für die nach der Beerdigung zu neuem Glauben Erwachte ist Antoine sogar bereit, zur orthodoxen Variante des Judentums zu konvertieren. Während die Beerdigung ihren Lauf nimmt, erwachen unter den Familienmitgliedern alte Vorurteile gegen Liberale, Araber und Ungläubige samt der daraus hervorbrechenden Familienzwistigkeiten. Mit einem sicheren Gespür für die feinen Nuancen des jüdischen Humor und gutem Rhythmus entwickelt Garbarski seine höchst kurzweiligen Fallstudien zu den unterschiedlichen Erscheinungsformen modernen jüdischen Lebens. Orthodox hin, liberal her, – letzten Endes zählt bei den Rashevskis dann doch nur, ob man in der Lage ist, ein „Mensch“ zu sein. Und von dieser Qualität besitzen auch die angeheirateten Mitglieder mehr als genug.

Martin Rosefeldt
Der Tango der Rashevskis
Regie: Sam Garbarski
Darsteller: Hippolyte Girardot, Ludmila Mikaël, Michel Jonasz, Daniel Mesguich, Nathan Cogan, Jonathan Zaccaï, Tania Garbarski
Frankreich, Belgien, Luxemburg 2003, 100’
FSK: ab 6

Erstellt: 18-01-05
Letzte Änderung: 25-01-05