Inhalt: Léa, eine wohlhabende Kurtisane der Pariser „Belle Epoque“-Gesellschaft zu Beginn des 20. Jahrhunderts, hat sich schon lange aus dem Gewerbe zurück gezogen und lebt ein angenehmes aber ruhiges Leben. Da wird sie von Madame Peloux, einer früheren Kollegin, gebeten, sich ihres gerade 20-jährigen Sohnes anzunehmen, bevor er in die beste Gesellschaft einheiraten soll. Was als spielerischer Flirt mit dem blendend aussehenden Chérie – wie er von seiner Mutter und bald auch von Léa genannt wird – beginnt, mündet trotz des großen Altersunterschiedes in eine leidenschaftliche Liaison, die sechs Jahre andauert. Bis Madame Peloux eines Tages für Chérie die Hochzeit mit der blutjungen Rose ansetzt, und er sich widerwillig darauf einläßt. Eine Doppelbeziehung zu führen weigert sich Léa und schickt Chérie weg, obwohl sie daran fast zerbricht. Chérie versucht Léa zu vergessen, doch er liebt Rose nicht und will zu Léa zurück kehren – doch es ist für beide zu spät.
Kritik: Schon einmal haben sich Frears und sein Drehbuchautor Hampton mit gefährlichen Liebschaften beschäftigt („Dangerous Liaisons“ von 1988), auch damals mit Michelle Pfeiffer in einer allerdings ganz anderen Hauptrolle. In der bis heute Maßstäbe setzenden Literaturverfilmung hatte sie noch die Rolle der naiven Unschuld im Netz der Intrigen, die hier in „Chérie“ von Rose verkörpert wird. Als Léa ist sie nun zunächst selbst aktiv an den Planspielen der Mutter beteiligt, verliert aber schon bald auch die Kontrolle über ihre Gefühle.

Chéri
Ein Film von Stephen Frears (UK/D/F 2009, 100 Min.)
Drehbuch: Christopher Hampton, nach dem gleichnamigen Roman von Colette (Frankreich 1920)
Mit: Michelle Pfeiffer (Léa), Rupert Friend (Chérie), Kathy Bates (Madame Peloux), Francis Tomelty (Rose)

Natürlich ist der Film schön anzusehen – die Kostüme, die geschliffenen Dialoge, die wunderbar in Szene gesetzte Michelle Pfeiffer – er lässt einen jedoch trotz der dramatischen Gefühle relativ unberührt, weil er sich nicht recht entscheiden kann, zwischen ironischer und melodramatischer Tonlage, und weil Frears sich zu sehr auf das Ambiente und die Ausleuchtung der Darsteller konzentriert. Die spielen alle wunderbar, Michelle Pfeiffer mit ätherischer Schönheit und allen voran einmal mehr Kathy Bates als zynisch-desillusionierte Gesellschaftsdame, aber bald hat man den Eindruck, das alles schon oft gesehen zu haben, denn hinter den Bildern scheint nichts auf, was die tragische Dimension des Geschehens vermitteln könnte. Das fehlt spürbar, und so bleibt der Film leider auf der Ebene des Kostümfilms mit amüsanten, scharfzüngigen Dialogen, bei denen man fast „touché“ rufen möchte, etwa wenn Madame Peloux gegenüber Léa auf ihre Art die Vorteile des Alterns benennt: „Finden Sie nicht auch, dass das Parfum besser haftet, wenn die Spannkraft der Haut nachlässt?“
So ist es kein schlechter Film geworden, aber man hätte sich bei dieser literarischen Vorlage und bei diesem Traumteam eben doch etwas Größeres und Ergreifenderes gewünscht.
Thomas Neuhauser