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27/08/08

Drei Farben: Blau

Als Julie ihren Mann und ihre Tochter bei einem Autounfall verliert, verkauft sie das Landhaus der Familie und zieht in eine kleine Pariser Wohnung. Nach dem herben Schicksalsschlag lebt sie dort zurückgezogen und versucht, sich von der Vergangenheit los zu reißen...

Drei Farben: Blau
(Polen, Frankreich, Schweiz, 1993, 94mn)
ARTE F
Regie: Krzysztof Kieslowski
Kamera: Slawomir Idziak
Musik: Zbigniew Preisner
Schnitt: Jacques Witta
Darsteller: Benoît Régent (Olivier), Charlotte Véry (Lucille), Florence Pernel (Sandrine), Hugues Quester (Patrice), Hélène Vincent (die Journalistin), Juliette Binoche (Julie Vignon)
Autor: Krzysztof Kieslowski, Krzysztof Piesiewicz
Produzent: CAB Productions, CED Productions, Eurimages, France 3 Cinéma, MK2 Productions, Marin Karmitz, Zespol Filmowy "Tor"


Bei einem Autounfall verliert Julie ihren Mann Patrice, einen berühmten Komponisten, und ihre kleine Tochter Anna. Julie wird durch die Tragödie depressiv und entschließt sich, in die Anonymität der Großstadt zu fliehen. Sie verkauft alle Besitztümer und zieht in eine kleine Wohnung nach Paris. Doch die Flucht ist nicht von großer Dauer.
Eine Musikjournalistin äußert den Verdacht, Julie habe in Wirklichkeit das berühmte Werk ihres Mannes komponiert. Patrices Assistent Olivier, der Julie schon seit langer Zeit liebt, beschließt, das unvollendete Konzert zum Abschluss zu bringen. Damit gelingt es ihm, Julie aus der Isolation zu verhelfen und ihre Liebe zu gewinnen.

Die Trilogie "Drei Farben" thematisiert die Farben der französischen Nationalflagge, der Trikolore, und widmet sich deren symbolischer Bedeutung und der damit verbundenen Ideen von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit. Diese bilden den Ausgangspunkt für den Filmzyklus des polnischen Regisseurs Krzysztof Kieslowski "Blau" (1993), "Weiß" (1993) und "Rot" (1994). Kieslowski, der eine enge Beziehung zu Frankreich, seiner Kultur, Philosophie und Politik hatte, äußert sich zu seinem Werk folgendermaßen: "Wir haben versucht zu zeigen, was die drei historischen Begriffe heute für uns bedeuten. Für uns, die wir die Freiheit schon haben, gleich sind und in der Brüderlichkeit ein gemeinsames Ideal sehen." Eine Wohlstandgesellschaft also, die dennoch an den existenziellen Fragen des Lebens nicht vorbeikommt.
Der erste Teil der Trilogie "Drei Farben: Blau" behandelt, entsprechend der Farbsymbolik, das Thema Freiheit. Die von Juliette Binoche meisterhaft gespielte Protagonistin Julie exzerpiert eine drastische und konsequente Interpretation des Freiheitsbegriffs, indem sie sich von den Fesseln der Trauer befreit und ein neues Leben beginnt. Dabei setzt der französische Kameramann Jacques Witta nicht nur farblich die hintergründige Symbolik aus der Schreibfeder der Drehbuchautoren Agnieszka Holland ("Die Affäre von Rimbaud und Verlaine", 1995) und Krzysztof Kieslowski perfekt um, seine Bilder haben außerdem eine präzise Aussagekraft.
"Drei Farben: Blau" wurde 1993 bei den 50. Filmfestspielen in Venedig unter anderem mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet. Juliette Binoche erhielt den Preis als beste Hauptdarstellerin und Slawomir Idziak wurde mit dem Preis für die beste Kamera honoriert.

Erstellt: 12-03-08
Letzte Änderung: 27-08-08