Sehen konnte man solche Filme im Westen am besten in den Enklaven der ausgewanderten Inder, in London etwa oder in den großen Küstenstädten der USA. Dort gibt es schon lange Kinos, die sich auf "Bollywood" spezialisiert haben - auf Filme, die aus dem indischen Hollywood stammen. (Bombay + Hollywood = Bollywood; aber viele der Filme werden auch im Süden Indiens gedreht, z.B. in Hyderabad.)
Doch seit einiger Zeit ist der indische Film im Westen viel mehr präsent als früher. Dafür gibt es mehrere Gründe: eine zunehmende "kulturelle Globalisierung" (man hat mehr Appetit auf das Exotische), das Anwachsen der indischen Diaspora im Ausland, sowie die Verwestlichung Indiens, vor allem seit seiner wirtschaftlichen Öffnung Anfang der Neunzigerjahre.
Tatsache ist, dass die bedeutenden westlichen Filmfestivals den indischen Film in all seinen Facetten in den letzten Jahren viel häufiger ins Programm nehmen als bisher. Mira Nairs Monsoon Wedding gewann sogar den Hauptpreis bei den Filmfestspielen in Venedig; Lagaan (2001) von Ashutosh Gowariker wurde für den Oscar nominiert. Manche der Filme gelangen inzwischen nicht nur in spezialisierte, sondern ganz normale europäische und amerikanische Kinos. Auch das relativ neue Medium DVD trägt zur größeren Verbreitung des indischen Kinos bei.
Der österreichische, in den USA lebende Filmemacher Herbert Krill ist diesem Phänomen in seiner Dokumentation Bollywood Remixed nachgegangen. Remixed steht für die Synthese, die sich aus indischem Kino und westlicher Kultur ergibt.
Er reiste dazu um die halbe Welt: nach Bombay und in den indischen Süden; nach London und nach Kalifornien; und schließlich auch nach Wien (wo der indische Film hoch im Kurs steht) und Tirol (ein beliebter Drehort indischer Filmteams). Dabei beschränkte er sich nicht auf das Kino selbst, sondern beobachtete auch andere Aspekte der indischen Populärkultur, wie die indische Film- und Popmusik.
In Indien ging er auch westlichen Einflüssen nach: der Mode, dem neuen Körperkult und dem langsamen Sichtbarwerden alternativer Sexualität.
Hauptthema ist jedoch der Film: bedeutende Schauspieler, Regisseure und andere Filmemacher werden vorgestellt. So etwa die indischen Stars Amitabh Bachchan, Shah Rukh Khan, Aishwarya Rai und Bipasha Basu. Der Regisseur von Lagaan, Ashutosh Gowariker, wird interviewt, ebenso wie die hauptsächlich im Westen arbeitenden Regisseure Shekhar Kapur, Mira Nair und die aus Kenia stammende Gurinder Chadha (Bend It Like Beckham).
Auch der in den U.S.A. lebende Produzent und Regisseur Ismail Merchant, der zusammen mit seinem Partner James Ivory über Jahrzehnte die Marke "Merchant- Ivory-Film" geschaffen hat, kommt zu Wort. Natürlich sind Ausschnitte der genannten Filme zu sehen, wie auch von Devdas, Sometimes Happy Sometimes Sad, der Komödie Bollywood Calling von Nagesh Kukunoor, den südindischen Geheimtipps Khadgam und Murari, wie auch den indischen, jedoch englischsprachigen Mango Soufflé und Everybody Says I'm Fine!, und anderen mehr.
Weitere visuelle Höhepunkte von Bollywood Remixed: die Filmfare Awards (die indischen Oscars); Dreharbeiten in der Film City in Bombay sowie in den österreichischen Alpen; das Musical "Bombay Dreams" im Londoner West End; und das indische Filmfestival in Los Angeles.
Bollywood Remixed
Das indische Kino erobert den Westen
Eine Dokumentation von Herbert Krill
Dokumentation von Herbert Krill (Regie und Buch)
Österreich/Deutschland 2004, 77 Min
Kamera: Peter Roehsler; Schnitt: Gernot Grassl
22.45 Uhr - Hochzeit auf indisch
(Kuch kuch hota hai)
Ein Spielfilm von Karan Johar
Kuch Kuch Hota Hai ist Bollywood pur - ein opulentes Fest für die Sinne. Exotische Farben, mitreißende Musik, schwungvolle Tanzszenen, herzerweichende Liebesgeschichten und überlebensgroße Dramatik - der Film des jungen Erfolgsregisseurs Karan Johar ist eines der besten Beispiele für ein kommerzielles, indisches Kino, das auch im Westen zunehmend Verbreitung findet. Kuch Kuch Hota Hai spielte in Großbritannien und den USA mehrere Millionen Euro ein und war einer der ersten Filme, die auch außerhalb der indischen Exil-Gemeinden Publikum fanden.
Die Story des Films ist simpel, wie in allen Produkten Bollywoods. Erzählt wird von einer Liebe zwischen einer Frau und zwei Männern. Tina stirbt bei der Geburt ihrer Tochter Anjali. Rahul zieht seine Tochter alleine auf. Jeden Geburtstag erhält Anjali aber einen Brief ihrer Mutter. Im letzten Brief, an ihrem achten Geburtstag, erfährt Anjali die Geschichte ihrer Eltern, als diese noch Schulfreunde waren. Namensgeber für Tinas Tochter war Anjali Sharma, die beste Freundin der beiden. Doch die Freundschaft zerbrach, nachdem Rahul Tina zur Freundin nahm, während Anjalis Liebe unbeantwortet blieb.
In ihrem letzten Brief bittet Tina die Tochter, die beiden Freunde wieder zu vereinen. Allerdings ist Anjali jetzt verlobt, die Hochzeit steht kurz bevor. Die Begegnung zwischen den beiden Anjalis in einem Feriencamp aber verändert die Situation von Grund auf. Die Liebe, das wird deutlich, ist nicht mehr aufzuhalten.Hochzeit auf indisch
(Kuch kuch hota hai)
Ein Spielfilm von Karan Johar
Indien 1998, 172 Min., Hindi/Englisch mit deutschen Untertiteln
Erstausstrahlung
Regie und Buch: Karan Johar
Kamera: Santosh Thundiiayil
Musik: Jatin-Lalit (Pandit)
Mit: Shah Rukh Khan (Rahul Khanna), Kajol (Anjali Sharma), Rani Mukherjee (Tina Malhotra), Farida Jalal (Mrs. Khanna)








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