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KurzSchluss

"KurzSchluss - Das Magazin" zeigt die neuesten Kurzfilme aus aller Welt - und wirft einen Blick hinter die Kulissen: mit Porträts, Drehberichten, aktuellen Festival- und Filmtipps und vielen spannenden Interviews.

> 16. November > Porträt: Valérie Pirson

Mittwoch 16. November 2005 um 01.15 Uhr - 13/11/05

Porträt: Valérie Pirson

Anlässlich der Ausstrahlung ihres Abschlussfilms Pistazie erzählt die Regisseurin Valérie Pirson von ihrer Ausbildung und ihrem Werdegang.

November 2005. Seit Juni liegt die Hochschule für Kunstgewerbe hinter mir. Da fragt KurzSchluss an. Ich soll einfach mal über meine Erfahrungen berichten.
Ein reizvolles Angebot. O.k., ich bin dabei!
Rückblick – 5 Jahre zurück …

Es geht los!
Oktober 2000 – Ich hab’s geschafft! Man hat mich an der Nationalen Hochschule für Kunstgewerbe angenommen!
Die Schule ist eine Offenbarung. Mein Horizont weitet sich. Um 360 Grad und schließlich ins Unendliche!
Plötzlich kapiere ich, dass ich unendlich viele Möglichkeiten habe.
Erst einmal alles erkunden.
Zeichnen, malen, Bilder gestalten, mit 3D experimentieren, arbeiten im Raum, schreiben, tanzen, bewegen, inszenieren, in Szene setzen, ausstatten, Musik, Ton, Rhythmus… Alles ist irgendwie anders und doch wieder nicht.
Es gibt Überleitungen vom einen zum anderen und man kann sie nutzen.
Ich überschreite die mir selbst gesetzten Grenzen und stelle auf einmal fest, dass vieles mach- und erreichbar ist.

Diese Erkenntnis beflügelt mich. Ich bin ganz aufgeregt, kribbelig und hektisch. Systematisch vorgehen ist nicht mein Ding.
Ich habe schon zuviel Zeit verloren, muss nachholen, aufholen.
Nur Nichts versäumen. Ich werde angetrieben...... von mir selbst …
Ich will mitnehmen, was irgendwie geht.
Ich stürze mich Hals über Kopf in die Arbeit, experimentiere, probiere aus. Und verrenne mich immer wieder in Sackgassen.
Zweifel kommen auf … ändern, verbessern, alles infrage stellen, ein Schritt vor, zwei zurück.
Ich fange wieder von vorne an … doch dieses Mal anders.
ICH VERZETTELE MICH, ICH VERIRRE MICH. UND ICH SCHREIBE ALLES AUF.
ALSO, NOCHMAL VOLLE KRAFT VORAUS. DOCH DIESES MAL MIT KOPF UND VERSTAND

Nach und nach sehe ich klarer, die Dinge ordnen sich. Sie fügen sich da ein, wo sie hin gehören.
Hier und da finden sich Markierungen, Anhaltspunkte, Orientierungshilfen.
Konzepte und Theorien entstehen.
Meine grauen Zellen sind in Aufruhr. Ich WILL verstehen.
Langsam verbinden sich einzelne Punkte zu einem Ganzen. Zusammenhänge werden deutlich, die Richtung wird erkennbar.
MEIN BLICK WIRD KLARER, MEINE WAHRNEHMUNG BEWUSSTER.
Eine innere Stimme sagt mir, was ich tun muss.
Genau so soll es sein!

2000-2002: Zwei Jahre intensiven Suchens und Ausprobierens liegen hinter mir, immer begleitet von einem gewissen Maß an Frustration.
Ich habe noch nichts zu Ende gebracht, jedenfalls nichts, womit ich zufrieden wäre.
Doch es wäre reine Zeitverschwendung an den Details herumzubasteln, solange die Grundstruktur noch nicht steht.
Also mache ich mir weiter Notizen, schaue mich um, sammle hier und da etwas ein und packe es zu dem Rest.
… Bis auf weiteres.
Ich stopfe Wissen in mich hinein, kann aber noch nichts damit anfangen, Es kocht und brodelt in mir.
Und ich weiß immer noch nicht, was ich kann und was nicht …

Oktober 2003: Das dritte Studienjahr hat begonnen. Ich muss mich festlegen, muss mich für einen Studienschwerpunkt entscheiden....
Es ist schrecklich, ich weiß nicht, was ich tun soll.
Schließlich wähle ich ein Fach aus, von dem ich denke, dass es mir am meisten Abwechslung bietet und mir die größten Möglichkeiten lässt:
ANIMATIONSFILM
Ich habe keine Ahnung davon, habe vorher nie so etwas gemacht. Habe ich mich richtig entschieden?

2004: Das vierte und letzte Studienjahr. Die Stunde der Wahrheit naht.
Ich kann an nichts anderes mehr denken. Habe den Kopf voll mit meiner Abschlussarbeit.
Jetzt zahlt es sich aus, dass ich von Anfang an immer alles aufgeschrieben habe.
Auf einmal ist Zeit da, die ich mit dem füllen muss, was ich gelernt habe und was ich kann. Ich will es schaffen und endlich herausfinden, was ich leisten kann.

Juni 2005 – Ich hab’s geschafft, das Studium liegt hinter mir.
Ich platze vor Tatendrang.
Vor mir liegt eine Welt voller Möglichkeiten.
Seltsam - das Gefühl kommt mir bekannt vor.
Doch im Unterschied zu früher, fühle ich mich jetzt gut gerüstet.…
Also, Ärmel hochkrempeln und los!


Valérie Pirson für KurzSchluss (Das Magazin), Oktober 2005.

Erstellt: 07-11-05
Letzte Änderung: 13-11-05