Montag, 31. März 2008 um 00.15 Uhr - 26/03/08
Limit
Ein Stummfilm von Mario Peixeto (Brasilien 1931)
Drei Schiffbrüchige, zwei Frauen und ein Mann, sitzen in einem treibenden Boot und erzählen einander ihre Lebensgeschichte. Alle drei befinden sich auf der Flucht: Die eine Frau flieht vor der Polizei, die andere vor einem alkoholabhängigen Ehemann und der Mann vor der Trauer um seine verstorbene Geliebte. Vereint in dem Gefühl, im Leben keinen Platz mehr zu haben, driften sie über den Ozean und steuern auf eine Katastrophe zu.
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| © ARTE F / Collection Archivo Mario Peixoto |
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Drei desillusionierte, vom Leben enttäuschte Menschen, zwei Frauen und ein Mann, treiben nach einem Schiffbruch in einem kleinen Boot auf dem Ozean. Um sich die Zeit zu vertreiben, erzählen sie sich gegenseitig ihre Lebensgeschichte, die in allen drei Fällen tragisch und düster ausfällt. Die eine Frau berichtet von ihrer Flucht aus dem Gefängnis, dem gescheiterten Versuch ein Leben als Schneiderin zu führen und der Verfolgung durch die Polizei. Das Leben stellt für sie eine permanente Flucht ohne Ziel dar.
Auch die andere Frau ist geflohen, nicht vor der Polizei, sondern vor einem trunkenen Ehemann und der Monotonie des Alltags. Auch sie weiß nicht, wo sie hingehört. Dem Mann, einem Witwer, ist es nicht besser ergangen. Zuerst hat er seine Frau verloren, dann seine Geliebte. Einsamkeit, Schmerz und Verzweifelung prägen das Dasein der drei Schiffbrüchigen, die das Schicksal vereint hat. Mutlos und ohne rechten Lebenswillen treiben sie auf der wilden See, der sie ihr Schicksal überantworten. Es dauert nicht lange, bis das Meer sie zu sich nimmt.
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| © ARTE F / Collection Archivo Mario Peixoto |
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ZUSATZINFORMATIONDie Ausgangssituation des Films erinnert entfernt an Boccaccios "Il Decamerone": Menschen, die die Not vereint, beginnen einander Geschichten zu erzählen. Nur dass es im Falle von "Limit" nicht erfundene Geschichten sind, die erzählt werden, sondern die tragischen Lebensgeschichten der Erzählenden. Und auch der Ort, an dem man Zuflucht sucht, ist kein großräumiges Landhaus, sondern ein kleines, kippliges Boot. Als Protagonisten für seinen Stummfilm wählt Peixoto zwei Frauen und einen Mann. Drei Menschen und ein Schicksal, denn alle diese Menschen haben den Glauben an den Sinn des Lebens verloren, sind desillusioniert und steuern willentlich dem Tod entgegen. Angst, Verzweiflung, Isolation und Aufbegehren gegen die zeitliche und örtliche Begrenzung sind die Hauptthemen des Films.
Die poetische Kraft seiner Bilder macht Peixotos' ersten und letzten Film "Limit" zu einem Meisterwerk der Stummfilmkunst. Der dem Film eigene langsame Rhythmus und die Wiederholungsstrukturen seines musikalischen Hauptmotivs, der dritten "Gymnopédie" von Erik Satie, verstärken die Wirkung der suggestiven Bilder noch. Der zum Zeitpunkt des Drehs erst 22-jährige Peixoto widmet sich in "Limit" einer der großen philosophischen Fragen des 20. Jahrhunderts: dem unlösbaren Widerspruch zwischen der Vergänglichkeit des menschlichen Lebens und der Unendlichkeit des Universums. Das Leben erscheint aus dieser Perspektive als permanentes Aufbegehren gegen die verfügte Endlichkeit.
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| © ARTE F / Collection Archivo Mario Peixoto |
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"Limit" wurde am 17. Mai 1931 im Rahmen des "Chaplin-Clubs" im Ciné Capitólio in Rio de Janeiro uraufgeführt. Die Einspielung der Filmmusiken - der Kanon reicht von den Romantikern César Franck und Alexander Borodin über Claude Débussy bis zu den Modernen (Ravel, Strawinski, Satie und Prokofjew) - erfolgte per Schellackplatte durch "DJ" Brutus Pedreira, einen Mitstreiter des Regisseurs. Danach geriet der Film in Vergessenheit und wurde erst 1957 wiederentdeckt und seitdem mehrfach restauriert (1978, 1998, 2007). Die hier präsentierte Fassung entstand durch das Arquivo Mario Peixoto in Zusammenarbeit mit der Cinemateca Brasileira und ARTE. Anders als der Louvre, der für eine Reihe von Stummfilmkonzerten 2005 eine neue Musik in Auftrag gab, besannen sich die Autoren dieser Restaurierung auf die Originalmusik. Neben dem Hauptthema, der dritten "Gymnopédie" von Satie, sind das vor allem bekannte Werke von Débussy ("Children's Corner", "Golliwogg's Cake-walk", "Prélude à l'après-midi d'un faune"). Versöhnliche Szenen sind mit eher harmonischer Streichquartett-Musik von Débussy, Borodin und Ravel untermalt. Für die Friedhofsszene entschied sich Pedreira für einen dramatischen Choral von César Franck. Und die mitreißenden Orchesterwerke ("Feuervogel" von Strawinski und "Symphonie classique" von Prokofjew) verleihen dem "Soundtrack" des Films eine erstaunliche Modernität.
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Limit
(Brasilien, 1931, 116mn)
ARTE F
Regie: Mario Peixeto
Kamera: Edgar Brasil
Musik: Alexander Borodin, Claude Débussy, César Franck, Erik Satie, Igor Strawinski, Maurice Ravel, Sergei Prokofjew, zusammengestellt von Brutus Pedreira
Schnitt: Mario Peixoto
Darsteller: Brutus Pedreira (Mann Nr.2), Olga Breno (Frau Nr.1), Raul Schnoor (Mann Nr.1), Tatiana Rey (Frau Nr.2)
Autor: Mario Peixoto
Produktion: Cinédia, Restaurierung: Arquivo Mario Peixoto/Funarte/Cinemateca Brasileira/ZZ Production, Zusammenarbeit mit ARTE
Produzent: Mario Peixeto
Erstellt: 26-03-08
Letzte Änderung: 26-03-08