Dokumentationsreihe, Deutschland 2007, ZDF, Erstausstrahlung, 26 Min.- 03.08.2008, 20.15 Uhr
Liu Xiaodong, Maler des gesellschaftlichen Umbruchs (1/4)
Regie: Ilka Franzmann
 |
|
|
Liu Xiaodong, dessen letztes Gemälde für Millionenbeträge versteigert wurde, hat sich auf einem Brachland in der tibetischen Hochebene eingerichtet: Politisch brisantes Territorium, seine Spezialität. Außergewöhnlich kritisch sezieren seine Bilder den gesellschaftlichen Umbruch Chinas. Die drängende, Besitz ergreifende Dynamik der Industrialisierung will er enthüllen. Den großen Komplex von Flucht und Vertreibung, vom Sterben der Tradition. Gerade mal zehn Tage Zeit nimmt sich Liu Xiaodong, um seine Vision der industriellen Eroberung dieses letzten Winkels Chinas auf die Leinwand zu bringen. In dem gewaltigen Panorama in 3.000 Metern Höhe will er Menschen der tibetischen Minderheit porträtieren. In China gibt es nur wenige Künstler, die souverän mit den Grenzen spielen: einerseits parteikonform zu sein, andererseits, politisch Position zu beziehen und Kritik zu äußern. Und so lässt Liu Xiaodong seine Figuren subtil die wirtschaftliche Industrialisierung als bedrohliche Kraft erleben, der sie hilflos ausgeliefert sind.
- 10.08.2008, 20.15 Uhr
Yang Fudong, Sinnsuche auf Celluloid (2/4)
Regie: Marco Wilms
Yang Fudong vermittelt Tradition und Moderne auf höchst individuelle Weise. Die Veränderungen und Ungleichzeitigkeiten in der heutigen chinesischen Gesellschaft, deplatzierte Tradition und ebenso heimatlose westliche Einflüsse mischen sich in filmischen Sequenzen, in denen Menschen miteinander agieren, ohne verbale Dialoge zu führen. Seine Figuren vermitteln meist das Gefühl des Anachronismus. Sie gehören einer anderen Zeit und einem anderen Ort an, als die, in der sie leben.
Wie im Stummfilm oder im Traum sind Gesten, Bewegungen, Blicke und Mienen der Akteure mit Bedeutung aufgeladen und dienen als erzählerisches Element. Träumerische, surreale Begebenheiten jenseits genauerer Bestimmungen von Ort und Zeit vollziehen sich in größter Langsamkeit vor unseren Augen. Vieles bleibt verborgen, rätselhaft, der Künstler spielt mit vagen Andeutungen. Die dazugehörige Filmmusik, traditionelle chinesische Volksmusik oder westlicher Jazz mit ihrem jeweiligen typischen Zauber binden das Unzusammenhängende in eine stimmungsvolle Kontinuität.
- 17.08.2008, 20.15 Uhr
Cao Fei, Multimedia-Künstlerin zwischen den Welten (3/4)
Regie: Marco Wilms
Die Kunstfotografin und Videokünstlerin Cao Fei verbindet in ihren Bildern auf sehr spielerische und humorvolle Weise Elemente der gegenwärtigen chinesischen Kultur. Sie inszeniert ihre Protagonisten und reflektiert damit gleichzeitig immer wieder das soziale Verhältnis zwischen dem Individuum und seiner gesellschaftlichen Einbettung. Zentral in ihren Arbeiten sind die Themen des "Speed Urbanism" in China und der soziale und ökonomische Wandlungsprozess in Stadt und Land.
Die Dokumentation besucht Cao Feis neuestes Projekt auf der Biennale 2007 in Venedig: das Second Life Spiel. Es ist eine Fortführung der beschriebenen, bisherigen Projekte. Und es nimmt Bezug auf die weltweit populäre Parallelwelt im Internet "Second Life". Es wird einen realen und einen virtuellen Pavillon geben. Die Besucher können sich online in ein virtuelles Venedig sowie in die Welt begeben und ihr Second Life Spiel beginnen. Chinas junge Generation, konfrontiert mit der permanenten Transformation von Identitäten und Werten, schafft sich ihre eigene Traum-Identität. In diesen Parallelwelten sucht die Multimediakünstlerin Cao Fei nach Antworten auf die existenziellen Fragen unserer Zeit.
- 24.08.2008, 20.15 Uhr, Wdh. am 04.09.2008 um 16.25 Uhr
Chi Peng, Fotograf des Affenkönigs (4/4)
Regie: Ilka Franzmann
 |
|
|
Chi Peng ist der 26-jährige rebellische Shootingstar Chinas. Gerade erst Mitte 20, gilt er als einer der innovativsten Vertreter der zeitgenössischen chinesischen Kunst-Avantgarde. Seine surrealen Kompositionen bringen Realität und Fiktion, traditionelle Motive und digitale Welten zusammen. Mit seiner frischen, unbedarften Fotokunst hat er sehr schnell den internationalen Kunstmarkt erobert. Chi Peng ist ein klassischer "Ich-Erzähler". Ob er nackt und zum Klon multipliziert durch Peking und europäische Städte läuft oder sich als Affenkönig inszeniert - er taucht immer wieder selbst als Figur in seinen Bildern auf. Digital und oft vielfach multipliziert, macht er sein "Alter Ego" zur wiederkehrenden Projektionsfläche in einer schmerzhaften Auseinandersetzung mit der urbanen Realität des heutigen China - mit neuen Träumen und alten Tabus wie dem immer noch stigmatisierten Thema Homosexualität.