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GESCHICHTE AM MITTWOCH : Programm - 19/07/06

Indira Gandhi, Die Ermordung von "Mutter Indien"

Am 14. Juni 2006 um 20.45 Uhr


1984 war das zerbrechliche Gleichgewicht, das Indien zusammenhielt, wie nie zuvor seit der 1947 erlangten Unabhängigkeit bedroht. Die Vision des ersten indischen Premierministers Nehru, die von der Bildung eines toleranten multinationalen Bundesstaates bestimmt war, begann unter dem Ansturm radikal-religiöser und separatistischer Strömungen zu bröckeln. Diese Entwicklung konnte auch seine Tochter Indira Gandhi, über viele Jahre erste Frau des Landes, nicht aufhalten.

Die Dokumentation zeichnet den Lebensweg der ungewöhnlichen Politikerin nach, die zuerst Erbin einer Dynastie, dann Nationalheldin und später gefährliche Autokratin war, bevor sie als "Mutter Indien" ermordet wurde.

Die 1917 geborene Indira Priyadarshini Gandhi engagierte sich schon früh im politischen Leben ihres Landes. Sie nahm an der indischen Unabhängigkeitsbewegung teil, wurde sogar verhaftet und 13 Monate von den Briten eingesperrt. Nach der Unabhängigkeit wurde Indira Gandhi zur Vertrauten ihres Vaters Nehru, des ersten Premierministers Indiens. Sie begleitete ihn auf Auslandsreisen und spielte nach dem Tod ihrer Mutter die Rolle der "First Lady". Nach Nehrus Tod im Mai 1964 wurde sie zur Ministerin in der Regierung von Lal Bahadur Shastri ernannt.

Shastri starb im Januar 1966, und Indira Gandhi wurde seine Amtsnachfolgerin. 1971 führte sie die Kongress-Partei zu einem überwältigenden Wahlerfolg. 1974, nach dem Sieg über Pakistan im Unabhängigkeitskrieg von Bangladesh und nach dem ersten indischen Atomtest, war sie populär wie nie zuvor. Doch sie wurde von der Armut des Landes und von Korruptionsvorwürfen gegen ihre Regierung eingeholt. Der Oberste Gerichtshof verurteilte sie 1975 wegen Wahlbetrugs. Daraufhin rief sie den Ausnahmezustand aus und ließ Tausende von politischen Gegnern verhaften. In der trügerischen Hoffnung, das Volk würde ihre Politik unterstützen, obwohl die Unterdrückung der Opposition das demokratische System des Landes untergrub, veranstaltete Indira Gandhi im März 1977 allgemeine Wahlen.

Doch die Kongress-Partei wurde geschlagen. Bei den Wahlen im Januar 1980 aber errang Indira Gandhi wieder einen Sieg. 1984 begann sie die Kontrolle über die separatistischen Bewegungen zu verlieren, die sie für ihre politischen Zwecke genutzt hatte. Problematisch war insbesondere das Pandschab, wo Sikh-Oberhaupt Jarnail Singh Bhindranwale eine Bewegung für die Errichtung eines unabhängigen Sikh-Staates anführte. Im Juni besetzte Bhindranwales Miliz das bedeutendste Sikh-Heiligtum, den Goldenen Tempel von Amritsar. Indira Gandhi ließ den Tempel stürmen. Dabei kamen mehrere Hundert Menschen ums Leben, unter anderem auch Bhindranwale. Die radikalen Sikhs schworen Rache. Am 31. Oktober 1984 wurde Indira Gandhi von Sikh-Mitgliedern ihres Sicherheitsdienstes ermordet.

Nick Read ist in seiner Dokumentation eine genaue und fesselnde Analyse der politischen, ethnischen und religiösen Spannungen in Indien gelungen. Anhand von Zeitzeugenberichten und unveröffentlichtem Archivmaterial beschreibt er eine Schlüsselperiode der indischen Geschichte, die noch heute im Lande selbst wie im internationalen Zusammenhang nachwirkt.

Lesen Sie das Dossier "Der politische Mord" (Ausstrahlung im Oktober 2004).

Indira Gandhi
Die Ermordung von "Mutter Indien"
Dokumentation, Großbritannien 2004, Synchronfassung, ARTE F
Regie: Nick Read
Am 14. Juni 2006 um 20.45 Uhr
(Wiederholung vom 20. Oktober 2004)

Erstellt: 12-06-06
Letzte Änderung: 19-07-06