Basierend auf Interviews mit Zeitzeugen und den Original-Vernehmungs-protokollen der Gestapo, die bis 1989 in den Stasi-Archiven unter Verschluss lagen, inszenierte Marc Rothemund das exzellente Drehbuch von Fred Breinersdorfer als ein sensibles Porträt einer außergewöhnlichen jungen Frau und Ikone des Widerstands, das bei seiner Premiere 2005 auf der Berlinale mit Standing Ovations gefeiert wurde und den Silbernen Bären für die beste Regie sowie für die beste Schauspielerin gewann. "Sophie Scholl" war 2006 als bester ausländischer Film für den Oscar nominiert sowie 2005 für den deutschen Filmpreis und den besten europäischen Film.
Eineinhalb Jahre lebte und arbeitete Marc Rothemund ausschließlich für "Sophie Scholl". Penibel genau recherchiert und streng an die historischen Fakten angelehnt, zeigt der Film Sophie Scholls im Verlauf der Verhöre wachsende Anspannung - von Anfang an wollte Rothemund die Perspektive ganz eng an die Figur Sophie Scholl knüpfen und aus ihrer Wahrnehmung heraus die Verhöre und den Prozess noch einmal ins Bewusstsein der Kinozuschauer bringen. Es gelang ihm eine stimmige Auseinandersetzung mit der Nazi-Zeit. Rothemund wurde bereits für seinen ersten Kinofilm "Das merkwürdige Verhalten geschlechtsreifer Großstädter zur Paarungszeit" (1998) als bester Nachwuchsregisseur mit dem bayerischen Filmpreis geehrt. Auch sein zweiter Film "Harte Jungs" (1999) war ein Kinoerfolg. Es folgte der Fernsehfilm "Die Hoffnung stirbt zuletzt" (2002), der 2003 den Adolf-Grimme-Preis in Gold gewann.
Rothemund wusste, dass die Besetzung der Sophie Scholl maßgeblich für das Gelingen des Projekts verantwortlich sein würde. Nach langer Suche entschied er sich für Julia Jentsch, was sich als richtige Wahl herausstellte. Mit viel Sensibilität, und großem Einfühlvermögen stellt sie Sophie Scholl eindringlich und authentisch dar - sei es in mädchenhafter Scheu oder fiebriger Auflehnung. Für ihre Rolle gewann sie 2005 auf der Berlinale den Silbernen Bären für die beste Schauspielerin, den Deutschen Filmpreis als beste Hauptdarstellerin und den Europäischen Filmpreis. Julia Jentsch gelang spätestens mit Hans Weingärtners "Die fetten Jahre sind vorbei" (2004, auf ARTE am 24.05.07) der endgültige Durchbruch auf der Kinoleinwand. Der Film wurde beim Filmfestival in Cannes 2004 mit dem Preis der Jury ausgezeichnet. Danach spielte sie in Oliver Hirschbiegels "Der Untergang" (2004), der 2005 für den Oscar nominiert war.
André Hennicke stellt den Präsidenten des Volksgerichtshofs, Dr. Roland Freisler, so lebensnah dar, dass uns bei seinem hasserfüllten Gebrüll das Blut in den Adern gefriert" - so das Urteil "Der Zeit". Er gab 1985 in "Junge Leute in der Stadt" sein Kinodebüt. Seitdem spielte er in "So weit die Füße tragen" (2001) von Hardy Martins und überzeugte als Kriegsheimkehrer in "Kalt ist der Abendhauch" (2000). Dann war er im Berlinale-Beitrag "Der alte Affe Angst" (2003) zu sehen und schließlich in Hirschbiegels "Der Untergang" (2004). Als Produzent war er für "Knockin' on Heavens Door" (1997) mit Til Schweiger und Moritz Bleibtreu in den Hauptrollen verantwortlich.Ist Sophie die zum Handeln Entschlossene, so markiert Bruder Hans den intellektuellen Part. Verkörpert wird er von Fabian Hinrichs, der dafür 2005 mit dem New Faces Award geehrt wurde. Der Kinodurchbruch gelang ihm mit der Darstellung eines Zivilsoldaten im Thriller "Schussangst" (2003), der beim Filmfestival von San Sebastian 2003 mit der Goldenen Muschel ausgezeichnet wurde. Zuletzt war er in "Der Kriminalist" (2006), "Bella Block" (2006) und "Neandertal" (2006) von Ingo Haeb im Fernsehen zu sehen.
Alexander Held gestaltet Mohr mit fein kalkulierter Mimik als einen regimetreuen Opportunisten aus kleinbürgerlichen Verhältnissen, der Sophie um ihr Studium beneidet und sie am liebsten an den Herd zurückschicken möchte. Er wurde 1993 von Roland Emmerich für den Fernsehfilm "Morlock - König Midas" entdeckt. Noch im selben Jahr spielte er im Oscar-preisgekrönten Kinofilm "Schindlers-Liste" einen SS-Mann. Seitdem war in über 70 TV-Produktionen zu sehen. Auf der Kinoleinwand war er ebenfalls in "Der Schuh des Manitu" (2000) und in "Der Untergang" (2004) zu erleben. ------------------------------------------------------------------------------------------------------
Sophie Scholl - Die letzten Tage
Fernsehfilm von Marc Rothemund
Drehbuch: Fred Breinersdorfer, Kamera: Martin Langer, Musik: Reinhold Heil, Johnny Klimek, Kostueme: Natascha Curtius-Noss, Schnitt: Hans Funck; Ausstattung: Jana Karen; Ton: Roland Winke, Produktion: Goldkind Film, Produzent: Christoph Müller, Sven Burgemeister, Fred Breinersdorfer, Marc Rothemund
Mit: Julia Jentsch (Sophie Magdalena Scholl), Fabian Hinrichs (Hans Scholl), Gerald Alexander Held (Robert Mohr), Johanna Gastdorf (Else Gebel), André Hennicke (Richter Dr. Roland Freisler), Florian Stetter (Chistoph Probst), Johannes Suhm (Alexander Schmorell), Maximilian Brückner (Willi Graf), Jörg Hube (Robert Scholl), Petra Kelling (Magdalena Scholl), Franz Staber (Werner Scholl), Lilli Jung (Gisela Schertling)
ARTE/BR, Deutschland 2005, 114 Min.
Wiederholung am am Montag 11. Oktober um 14.45 Uhr









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