Verkehrsknotenpunkt Alexanderplatz. Unweit von hier sind die Townhäuser von Berlin geplant. Etwa 1000 Meter entfernt, auf einem ehemaligen Brauereigelände, sollen 60 Einfamilienhäuser entstehen: Die „Prenzlauer Gärten". Schmale, rund 5 Meter breite Häuser, 3 bis 4 Geschosse hoch. Allen gemeinsam: helle Fassaden, mit schwarzen Metallelementen und bordeaux-roten Fallarm-Markisen. Architekt Stephan Höhne hat sich an englischen Townhäusern orientiert.Stephan Höhne, Architekt: "Wir haben natürlich dieses englische Modell nicht nachgebaut, sondern haben es weiter entwickelt. Wir arbeiten hier hauptsächlich mit französischen Fenstern, die also bis zum Boden gehen, kleinen Austritten, Balkonen, vielen Dachterrassen, um auch den Wohnwert zu erhöhen und ganz klar zu sagen, dass es sich hier um ein Wohnhaus handelt."
Große Torhäuser mit Eigentumswohnungen schützen die eigentlichen Stadtreihenhäuser: sie befinden sich vom Lärm abgeschottet, im Innern der in sich geschlossenen Anlage. Ein kleines Stück eigene Stadt aus einem Guss - für eine individuelle Gestaltung der Fassade bleibt da nur wenig Spielraum. Nur im Innern kann der Bewohner kreativ werden, sobald er sich ab 280.000 Euro in die Anlage einkauft hat.
Die Idee der Townhäuser ist nicht neu. In Holland, Italien , den USA oder England gibt es historische Beispiele. Hier wurden schon im späten 18. Jahrhundert ganz eigene Straßenräume geschaffen.
Stephan Höhne, Architekt: „In London haben um die Jahrhundertwende fast 80 Prozent der Innenstadtbevölkerung, der Wohnbevölkerung der Innenstadt, in Townhouses gelebt. Das heißt, dieses Londoner Stadtbild war natürlich sehr durch Townhouses geprägt."
Im historischen Zentrum der deutschen Hauptstadt - ein weiterer Ort, an dem Townhäuser entstehen sollen. Dort, wo andere europäische Städte dicht besiedelt sind, bietet Berlin große Freiflächen. Der Senat hat fast alle seiner rund 50 Townhausgrundstücke verkauft. Die Innenstadt soll Wohnort werden! Hans Stimmann, Senatsbau-direktor von Berlin: „Städtebaulich bedeutet das: Weg von den großen Blöcken und hin zu kleinen Häusern, deswegen etwas modisch Townhäuser. Man könnte ja auch Stadthäuser sagen, aber das ist ein Terminus, der sich durchgesetzt hat in Europa für diesen Typus von Häusern. Ökonomisch bedeutet das: Weg vom großen kollektiven Eigentum, oder dem Eigentum großer Gesellschaften, hin zu wirklich individuell kleinteiligem Eigentum."
Diese Individualität spiegelt sich auch in der Architektur. Denn hier konnte sich jeder Bauherr einen eigenen Architekten suchen. Das macht die Häuser teurer und exklusiver. Durchschnittlich eine Millionen Euro muss der Kunde für Grundstück und Haus aufbringen, will er zum neuen, gut situierten Stadtbürgertum Berlins dazugehören.
Hans Stimmann, Senatsbau-Direktor von Berlin: „Also ich würde das nicht so hoch hängen, dass das jetzt die Quelle einer wirklichen veränderten Gesellschaft ist. Aber es ist auf jeden Fall im inhaltlichen Sinne eine Re-Urbanisierung, also das sagt die Wiederaneignung einer total kollektivierten Innenstadt durch Bürger, durch Stadtbürger."
Im kommenden Jahr sollen sie dann fertig sein, die ersten Townhäuser. In direkter Nachbarschaft zu den Innenstadtwohnblöcken. Ziel ist es, Berlin City-Centre besonders für Familien attraktiv zu machen und eine Stadtflucht zu vermeiden. Vielleicht gelingt es ja, mit den Townhäusern eine belebte und lebenswerte Hauptstadt-Mitte zu schaffen.
Reportage: Carsten Binsack, Manfred Kotzurek, Tom Weichenhain
Links
>> Website des Projekts Townhouses in Berlin
>> Website der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung
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