Rezension zu "Gauklersommer"
- Tobias Gohlis/ What’s new auf der KrimiZEIT-Bestenliste Oktober?
KrimiZEIT-Bestenliste Oktober 2011
Spätestens seit „Kahlschlag“ gehört Camp Rapture in Ost-Texas zu den mythischen Orten der Kriminalliteratur. „Rapture wie Entzücken, nicht Rupture wie Bruch“ ist seit den 30er Jahren vom Sägewerk mit Rassismus und Sumpf drum (in Kahlschlag) zum Sumpfdrum mit moderatem Rassismus mutiert. Gauklersommer (original 2008: Leather Maiden) spielt nach Irakkrieg 1 (Nachgeschlagen) Eigentlich war das Irakkrieg 2, weil Golfkrieg 2 später als Irakkrieg 1 gezählt wurde), also dem, den Sohn Bush im Frühjahr 2003 führte. Es gibt jetzt einen weißen Prediger und einen schwarzen Prediger. So erfährt es Cason Statler nach seiner Rückkehr aus Irakkrieg 1, als er sich, neu bestallt als Kolumnist des Camp Rapture Reports, nach Neuigkeiten umhört. In allem anderen als der Hautfarbe sind die Prediger gleich: Geltungssucht, Finanzgebaren, also den wesentlichen Eigenschaften des amerikanischen Mannes. Ihren eher beiläufig erwähnten Streit um die Errichtung eine Schule im Schwarzen-Viertel vergisst man bald, erst zum Ende des Romans erinnert man sich wieder daran, und dann ist es beinahe zu spät. Zu spät – meistens – oder zu früh – selten – ist überhaupt fast alles in diesem Roman. Zum Beispiel hat Carsons Bruder Jimmy früher als alle alles eingeheimst, was an Ruhm, Anerkennung, Familie, Job usw. in Ost-Texas zu bekommen war, und jetzt verhält er sich, kaum ist die superschöne Caroline vor seinem Katheder aufgetaucht, wie im Frühling. Caroline hat wiederum in ihrer Jugend schon so viel erlebt, dass sie zur ältesten Form von Alter verharscht ist, zur vollendeten Zynikerin, alles ist ihr nur noch böses Spiel. Aber zunächst ist sie verschwunden, und Carson, ganz brav und noch ein wenig rekonvaleszent nach seinem Rettungseinsatz auf der Achse des Guten, sucht nach ihr. Dass er damit seine nähere Umwelt von rapture zu rupture umkehrt, kann er nicht wissen, weil er nur eine literarische Figur ist. Aber die Leser des großen Joe R. Lansdale rechnen vom ersten Satz an mit dem Schlimmsten, und sie tun sehr gut daran. Platz 4
- Thomas Wörtche/crimemag im culturmag 22.11.11
KrimiZEIT-Bestenliste Oktober 2011
„Something Wicked This Way Comes“heißt einer der großen amerikanischen Kleinstadtstadtromane von Ray Bradbury– der Jahrmarkt kommt in die Stadt, dabei ein tätowierter Mann und somit das Grauen. „Gauklersommer“ ist der glücklich gewählte deutsche Titel von Joe R. Lansdales Bradbury-Hommage, in der das Grauen mit dem Jahrmarkt in die Städte kommt und ein tätowierter Mann auch.
Thema von Lansdales Roman ist – wen wundert’s? – einmal mehr die Verheerungen einer Kleinstadt, das Offenlegen der „vielen unschönen Dinge, die unter der Oberfläche krabbeln und zappeln wie hungrige Würmer in verdorbenem Fleisch“.
Lansdale-Leser kennen Camp Rapture schon aus „Kahl-schlag“, als in den 1930ern eine beherzte und bewaffnete Frau sich zum Ordnungshüter ernannte und in der Schlangengrube aufräumte. Zwei Generationen später kommt ihr Enkel, der traumatisierte Irak-Kriegsveteran Cason Statler, der in Hous-ton als pulitzerverdächtiger Journalist über sich selbst und die Frau seines Chefredakteurs gestolpert war, zum Lokalblatt, um seine biografischen Wunden zu lecken und endlich mit dem Saufen aufzuhören.
Und natürlich – wen wundert’s? – stolpert er in eine ungelöste Geschichte: Die blendend schöne Caroline ist verschwunden, man hält sie für tot. Eine DVD taucht auf, um Cason Statlers Bruder Jimmy zu erpressen: Der ist Geschichtsprofessor, Überflieger und ein anständiger Bürger von Camp Rapture, was für sein Rumvögeln mit eben jener Caroline kein Hinder-nis ist. Cason muss seinen Bruder aus dem Schlamassel holen und damit geht die Büchse der Pandora auf. Denn das Böse ist in der Stadt, sogar ganz nahe an Statler dran …
Lansdale erzählt seinen country noir wie immer mit großer Verve, mit einem weiten Blick für die realpolitischen Grund-lagen der geschilderten Welt, für die Absurditäten des Lebens. In diesem Buch geht es neben dem Post 9/11-Trauma der Amis und den üblichen politisch sinnvollen Anti-Bush-Statements um den tiefen Rassismus, in dem sich schwarz und weiß gemütlich eingerichtet haben. Lansdale baut eine satiri-sche Geschichte über einen weißen und einen schwarzen Hassprediger ein, die sich gegenseitig bedingen und die beide nicht ganz unverdiente Opfer diabolischer Machenschaften werden. Es geht sonst noch um family values und Fundamen-talismen und um die Möglichkeiten für üble Gauklertricks, die einem solchen Nährboden entspringen. Dass man dennoch gerne mal in Ost-Texas (wo Lansdale enthusiastisch gerne in Nacogdoches lebt) vorbeischauen möchte, ist trotz dieser grimmigen Konstellation der deutlich spürbaren Zuneigung des Autors zu seinen Schauplätzen und den sehr menschlichen Menschlein, die seine Figuren allesamt sind, zu verdanken. (...)
Lansdale ist ein Genre-Autor, der zwischen horror und noir hin und her oszilliert. Er ist, pointiert gesagt, ein brillanter Trashautor. „Gauklersommer“ funktioniert völlig voraussagbar – wer das Böse ist, ist klar und genremässig noir-definiert und damit Klischee pur; viele Figuren, wie etwa Casons neue Freundin Belinda sind so nett, dass sie jedem Lektoratsgeschwätz über „Figurenzeichnung“ Hohn sprechen. Lansdales Hang zum literarischen Slashen kommt zur immer-hin dezenten Entfaltung, das house of horror ist da und das stille Grab mit lebendigem Inhalt auch. Im Galopp der Hand-lung bleiben ein paar Stränge liegen und werden nur hastig am Ende wieder notdürftig eingesammelt und die Freude an krachend derber Vulgärsprache wird so ziemlich unter-schiedslos an allen Figuren (was interessieren da groß Sozio-lekte?) ausgetobt. Zudem strotzt das Buch vor (vor)pubertärer Freude an analen Scherzen.
Lansdale schert sich einen feuchten Kehricht um die Werte „guter Literatur“ und darin liegt sein Charme. Alleine für Vignetten wie die Skizze eines völlig inkompetenten Sheriffs, der alles andere lieber wäre als das, ist der Roman jeden Cent wert. Aber so ist das mit Figuren aus dem Typenarsenal: Ent-weder ist der Dorf-Sheriff inkompetent oder aber stockschlau (wie z. B. Mario Balzic aus der Feder von K.C. Constantine – viel Bewegungsraum hat man nicht da nicht, will man nicht gleich „das Genre sprengen“ oder wir die üblichen Sprüche dazu auch heißen mögen. Diesen engen Platz aber nutzt Lansdale grandios aus.
„Gauklersommer“ ist nichts anderes als ein kleiner Roman über eine miese, fiese, irre und serialkillende Bonnie-&-Clyde -Variante. Irgendwelche Überhöhungen, symbolisch, meta-phorisch, allegorisch, sind wahrlich nicht Lansdales Ding. Davor und vor schicken Exegesen schützt glücklicherweise der hohe Trash-Faktor. Lansdale bringt den Unterschied zwi-schen U und E ganz präzise auf den Punkt: U muss nichts wollen, muss die Welt nicht erklären, braucht keinen zwei- bis vierfachen Schriftsinn, sondern muss nur in einem plausiblen Raum/Zeit-Rahmen spielen. So geht intelligente, gar witzige popular culture.
Die Ironie dabei jedoch ist, dass solches wahrhaft „populäre Erzählen“ (weil es tief in den populärkulturellen Traditionen verankert ist) in einem Winzverlag für ein „elitäres“ Fan-Publikum, den Hütern der Heiligen Flamme namens „Distink-tionsgewinn“, erscheinen muss, während die banalen bis prä-tentiösen Belanglosigkeiten von Jan Costin Wagner bis Nele Neuhaus, als „Genre“ getarnt, die breiten Lesermassen errei-chen.
Aber nicht alles entscheiden die Paratexte – egal, was man draufschreibt und wie man ihn im Markt platzieren möchte: Lansdale zum „seriösen“ Gegenwartsautor zu machen wäre genauso verbogen, wie aus Nele Neuhaus – oder wem auch immer aus diesem Segment – eine seriöse Genre-Autorin.
Und natürlich ist Lansdale ein grandioser Schriftsteller, ir-gendwo zwischen Horror und Noir.
Rezension zu „Sturmwarnung“
Tobias Gohlis/Die ZEIT 14. Dezember 2010
KrimiBestenliste Dezember 2010
Joe R. Lansdales „Kahlschlag“ ist kein Buch, das man im trauten Familienkreis bei Lebkuchen und Kerzenschimmer vorlesen sollte. Die Geschichte beginnt in einem subtropischen Wirbelsturm, Ost-Texas, dreißiger Jahre, Große Depression, ein Holzhaus im Wald. „An jenem Nachmittag regnete es Frösche, Flussbarsche und Elritzen.“ Und Sunset liegt halb nackt auf dem Dielenboden ihres Hauses. Während ihr Ehemann auf sie eindrischt und sich anschickt, sie zu vergewaltigen, rüttelt ein Hurrikan an den Wänden. Sie greift sich seine Waffe und schießt ihm ein Loch in den Kopf. Sie will nicht mehr. Dann fliegt das Haus weg.
In Ost-Texas sind Wetter und Taten wichtiger als Worte. Denen kann man sowieso nicht trauen. Man muss die Signale der Konvention beachten, wenn man überleben will. Deshalb will Uncle Riley die notdürftig bekleidete, aus mehreren Wunden blutende Sunset auch nicht nach Camp Rapture transportieren. Man könnte ihn hängen, ein Nigger mit einer weißen Frau auf dem Wagen.
Der 1951 geborene Joe R. Lansdale ist in den USA als großer Geschichtenerzähler bekannt, neben Krimis hat er hunderte von Horror- und Westerngeschichten geschrieben. Ihm, dem 2008 verstorbenen James Crumley und dem über El Paso schreibenden Rick de Marinis verdanken wir eine spezielle schwarze Sicht auf Texas: Öl, Sümpfe, Rassismus und dreckiger, messerscharfer Humor. Das hat mit Klischee wenig zu tun, eher mit ihrem gewitzten Aufbrechen. Lansdale hat eine Privatdetektiv-Serie mit einem schwulen Schwarzen und weißen Hetero als Ermittlerduo geschrieben, da kreischen die Gender-Stereotypen wie unter der Kreissäge. Womit wir wieder bei „Kahlschlag“ und den erstaunlichen Wendungen wären, die Lansdale seinem Plot verpasst hat. In Camp Rapture („Rapture wie Entzücken, nicht Rupture wie Bruch“) werden weder Uncle Riley noch Sunset gehängt. Vielmehr wird Sunset von ihrer Schwiegermutter, der Besitzerin des Sägewerks, zum Constable des Hinterwäldler-Kaffs ernannt und darf nun den 38er ganz legal tragen, mit dem sie ihren Mann und Amtsvorgänger erschossen hat.
Doch die (Leser-) Freude an der anachronistischen Errichtung eines Feminats und an den ersten Heldenstückchen der rothaarigen Ms Constable währt kurz. Zwar gelingt es ihr, mit Tapferkeit und Treffsicherheit dem lokalen Machtgefüge winzige Kerben zu verpassen. Aber als die Leiche eines Babys und kurz danach die einer jungen Frau auf den Feldern eines schwarzen Landwirts gefunden werden, treten die wahren Machthaber von Camp Rapture und der vom Ölboom besoffenen Kreisstadt Holiday auf den Plan. Souverän steuert Lansdale die Story in immer groteskere Umdrehungen. Ein Bösewicht trägt nichts als eine Küchenschürze (ein Lansdale-Lesern bereits aus der großartigen Novelle „Sturmwarnung“ bekannter, in die Jahre gekommener Schlägertyp). Ein anderer beherbergt in sich gleich zwei debattierende personae. Sunsets Helfer haben gegen diese Monster schweren Stand – zudem lauern schmutziges Geld und Verrat an jeder Ecke. Und ein apokalyptischer Heuschreckenschwarm, der alles kahlfrisst. Am Ende des irren Wirbels um Ehre, Öl und Macht steht Sunsets Einsicht: „Das einzig Wichtige ist, dass ich in meiner Mitte ruhe.“
Rezension zu „Sturmwarnung“
- Thomas Wörtche/ Freitag
Siehe auch Bestenliste April 2006
Joe R. Lansdale aus Texas bewegt sich wie der berühmte Fisch im Wasser durch alle Spielarten der populären Literaturformen. Seine über zwanzig Romane und weit über zweihundert Kurzgeschichten seit seinem Debüt 1980 sind Genre pur. Horror und Western, Kriminalliteratur, Comic. Weil sie Genre pur sind, sind sie nie „mehr als Genre“, sondern genau deswegen sehr ernstzunehmende Literatur. So wie Dashiell Hammett und wie alles auf dessen Niveau. In den USA ist Lansdale ein hochgeachteter Schriftsteller. Dass von einem Autor seines Kalibers hierzulande nur ein Bruchteil des Werkes übersetzt, gar lieferbar ist, illustriert nur abermals die Enge und die restriktive Ignoranz eines bestimmten Literaturbegriffs irgendwo zwischen Hochfeuilleton und nacktem Kommerz. Sapienti sat. Immerhin hat der winzige Berliner Shayol Verlag jetzt einen kleinen Roman von ihm, mit schönen Illustrationen versehen, veröffentlicht: „Sturmwarnung“. Ein knapper Text von 166 Seiten, der die Qualitäten von Lansdales Erzählkunst fast prototypisch erkennen lässt.
Die Handlung spielt im Jahr 1900, genauer vom 4. bis zum 9. September in Galveston, dem „Juwel von Texas“. Spätestens seit der Diskussion um Hurricane Katrina wissen wir, dass Galveston am 8. September 1900 von einer noch gewaltigeren Sturmflut nachgerade ertränkt worden war. Wie in New Orleans einhundertfünf Jahre später hätte das Desaster von Galveston durch sorgfältigere Prognosen und sinnvolle Schutzmaßnahmen abgemildert werden können. So starben zehntausende von Menschen, die Stadt selbst verschwand beinahe vollständig vom Antlitz der Erde.
In diese sich anbahnende und schließlich losbrechende Naturkatastrophe baut Lansdale eine raffinierte Geschichte. Der schwarze Boxer Li´l Arthur hat zur Erbitterung des weißen Establishments den lokalen, weißen Champion geschlagen. Jetzt lässt man einen Monsterschläger aus Chicago anreisen, der dem „Nigger“ den Garaus machen soll, am besten final. Der heißt John McBride und strotzt vor Gewalt und Testosteron, ein muskelbepacktes Ekelpaket, so scheint es. Während der Hurricane sich aufbaut und auf die Stadt zurast, bereiten sich die beiden Duellanten vor.
Lansdale entwirft fast miniaturhaft Bilder aus dem rassistischen Alltag von Texas, der von brutalem Sexismus und einer allgemeinen Gewaltgeilheit geprägt ist. Das Apfelkuchen-Amerika findet hier nicht statt, die Gnadenlosigkeit von Lansdale erinnert an den kalten Blick von Dashiell Hammett, bei dem Analyse und Wertung ebenso nur scheinbar auseinanderklaffen. Die Beschreibung an sich ist auch bei Lansdale eine Wertung. Sie steckt bei ihm in der Auswahl der beschriebenen Szenen. Die allerdings strotzen hin und wieder von abstossender Gewalt, vor Blut und Sperma. Sie sprechen z.B. aus, was genau passiert, wenn sich ein brutaler Freier an einer schutzlosen Hure vergeht.
Lansdale protokolliert gemeines, ekelhaftes Denken, das die politischen und sozialen Verhältnisse präzise beschreibt. All das, was mindere Belletristik verdrängt oder notfalls opulent stilisiert, verfremdet oder ästhetisiert, kommt hier mit einer gewissen archaischen Rohheit zum Ausdruck, die alles andere als Naivität, sondern Intention ist. Man kann es als „geschmacklos“ abqualifizieren. Man riskiert dann allerdings, einen viertelbildungsbürgerlichen „Geschmack“ zugrunde zu legen, mit dem man auch Rabelais und Grimmelshausen aus der Weltliteratur kicken kann.
Die meisterhafte Komposition von Lansdales Roman nun besteht darin, alle seine Figuren nun einer größeren Gewalt, nämlich dem Hurricane, ausgesetzt, aneinander vorbeiwirbeln zu lassen, sie in neue Beziehungen zu einander zu setzen, die Welt, ganz im Sinne Bachtins, „umzustülpen“.
Und nebenbei baut er noch einen wichtigen Subtext ein. Li`l Arthur Johnson, der zähe schwarze Boxer, wird sich später Jack Johnson (1878-1946) nennen und der erste schwarze Weltmeister im Schwergewicht werden. Miles Davis hat ihm als Ikone schwarzen Selbstbewusstseins 1970 seine bahnbrechenden Jack-Johnson-Sessions gewidmet. Klar, dass Joe R. Lansdale diesen im Roman sehr absichtsvoll gesetzten Aspekt mit keinem Wort offenlegt.
Kurzrezension zu "Wilder Winter"
- Thomas Wörtche/Plärrer
Ein Texas noir, wobei wir nie vergessen wollen, dass auch dem roman noir eine amerikanische Erfindung zugrunde liegt: „Wilder Winter“ von Joe R. Lansdale, der chronologisch erste Roman der Hap-Collins-&Leonard-Pine-Serie (Original: 1990) jetzt erstmals bei Shayol. Wie ein guter französischer néopolar ein durch und durch politisches Buch, in dem Lansdale die selbstverschuldete und selbstgefällige Realitätsuntüchtigkeit der Aktivisten der 60er Jahre wütend kommentiert. Wie immer bei ihm mit einem Schuss Grand Guignol und hervorragenden, witzigen, coolen Dialogen, die der biedersinnigen Verlagslandschaft und der dito pc-Gemeinde die Haare zu Berge stehen lassen. Man kann schon fast sagen: Weil Lansdale ein wirklich Großer ist, darf er bei einem Kleinverlag erscheinen.
Kurzrezension zu "Die Wälder am Fluss"
Texas Gothic nennen die Amerikaner eine bestimmte Art finsterer Geschichten aus einem gewalttätigen, von der Aufklärung nicht erreichten Hinterland, in dem Bigotterie und Wahnsinn wie ein am Himmel festgefaultes Abendrot fiebrig über eine harte Erde funzeln. Joe R. Lansdale liefert mit „Die Wälder am Fluss" ein Meisterstück des Genres: dies ist nicht nur sein stärkstes Buch bisher, sondern überhaupt ein großer Provinzroman aus den USA. Er spielt in den Dreißigern in Osttexas, wo der Ku-Klux-Klan die Schwarzen tyrannisiert und jeden Weißen, der als Niggerlover gilt. Dass Prostituierte aus den Bretterkneipen der schwarzen Siedlungen grausig ermordet werden, sei keine große Sache, wird dem einzigen weißen Teilzeitpolizisten nahegelegt, der sich der Sache annehmen will. Wäre es doch eine, so die perfide Drohung, könnte das County schnell Lynchjustiz erleben. Diese aus der Sicht eines Zehnjährigen erzählte Geschichte mit William Faulkners Werken zu vergleichen, ist kein Werbekurzschluss. In ihrem herben Porträt von Engstirnigkeit und Wahn, Armut und Verhärtung, aber auch Anstand und Trotzigkeit erinnert sie an Faulkners Krimis um den Anwalt Gavin Stevens und die grimmigsten Erzählungen um den Snopes-Clan.Thomas Klingenmaier, Stuttgarter Zeitung, Mai 2005
Die wichtigsten Links:
- Homepage des Autors mit Bio- und Bibliographie, Kurzgeschichten, Souvenirs und neuesten Meldungen aus dem Lansdale-Kosmos, in englischer Sprache
- Autorendossier mit ausführlicher, kritischer Bibliographie D/ENG
- Wikipedia-Artikel zu Lansdale ENG
- Rezension zu "Die Wälder am Fluss" von Dieter Paul Rudolph
(aus: www.titel-forum.de)
- "Die Wälder am Fluss": Inhalt, Kommentare und Meinungsforum
(aus: www.krimi-couch.de)
- Biographie und Werke
(aus: www.krimi-couch.de)









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