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Metropolis

Das Kulturmagazin auf ARTE - Samstags ab 17.30 Uhr (WH: Montag ca. 0.10 Uhr)

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21.05.2005 - 00.05 : metropolis - 19/05/05

Videoaktivisten

Das private Glück, die schönsten Stunden des Lebens und der aufregendste Urlaub: Festgehalten mit der eigenen Videokamera. Als Ersatz für Fotos, nur noch realer: Denn wir glauben, was wir sehen. Was wir nicht sehen, existiert für uns nicht. Längst hat sich die DV-Kamera weltweit 150 Millionen mal verkauft. Auf ihren Mini-DV-Bändern speichern wir so viele Bilder wie nie zuvor in der Geschichte.

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Es sind die Amateurfilmer, die plötzlich Katastrophen vor Ort spontan aufzeichnen, wenn Fernsehteams weit weg sind. Von der Tsunami-Welle hätten wir keine Vorstellung, wäre sie nicht auf Touristenvideos gebannt worden. So werden Herr und Frau Jedermann zu Reportern im Weltgeschehen. Weil die Kameras klein und erschwinglich sind und auch die Weiterverarbeitung der Bilder extrem preisgünstig ist, wird das DV-Bild auch ganz gezielt als wichtiges Mittel in der politischen Berichterstattung eingesetzt:

Kanal B wurde von jungen Leuten gegründet, die – wie sie selbst sagen - etwas Sinnvolles tun wollten und das ist die kritische Arbeit mit der DV-Kamera. Ihr Ziel ist es, globale politische und wirtschaftliche Verzahnungen aufzuzeigen, die die Fernsehsender ausblenden. Das Abschiebegefängnis in Berlin Köpenick. Kanal B lässt die Fälle der Selbstmorde aufzählen.

„Der Kurde Suhaib N. versucht sich mit einer Überdosis von medikamenten das Leben zu nehmen, um sich der drohenden Abschiebung in die Türkei zu entziehen.“
„Ein 42jähriger syrischer Familienvater springt von einem Balkon im zweiten Stock, als seine Familie zur Abschiebung abgeholt wird.“
„Im Abschiebegefängnis Berlin-Köpenick versucht der 26jährige Abschiebegefangene B aus Sierra Leone sich mit einem Bettlaken zu erhängen.“

Die DV-Bildern kann man sich kaum entziehen, weil sie in ihrer aufspürenden Direktheit eine Realität vermitteln, die erschrickt.

Auf den Tagen der Mainzer Fernsehkritik beschworen die Chefs der deutschen öffentlich-rechtlichen Fernsehsender mal wieder den Anspruch auf eine unparteiische Informationskultur. Doch der bleibt oft uneingelöst. Die Macher von Kanal B hingegen erhalten ihre Infos meist aus erster Hand von den Betroffenen vor Ort. Sie entscheiden dann sehr schnell, ob es Sinn macht und möglich ist, mit der DV-Kamera zum Geschehen zu gelangen. Wenn ja, geht’s sofort los. Sie sind äußerst handlungsfähig.
Die Filme werden im Internet veröffentlicht, so vertreibt Kanal B seine kritischen Analysen. 250 feste Abonnenten haben die alternativen Videoaktivisten und verschicken darüber hinaus noch rund 150 weitere VHS-Tapes im Monat.

Noch fehlt es an Strategien, Geld und Macht, diese anderen Nachrichtenbilder an eine breitere Öffentlichkeit zu bringen. Immerhin markiert die DV-Technik eine Etappe auf dem Weg in eine Zukunft, die weltweit Menschen einen freien Zugang zu unzensierten Bildinformationen ermöglicht. Ein Stück Gegenöffentlichkeit eben.
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Event
Am 21. Mai 2005
5 jahre kanalB: party!
Kato
im u-bhf. schlesisches tor
Kreuzberg Berlin

Links
>> Offizielle Homepage von Kanal B


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Metropolis
Samstag, den 21. Mai 2005 um 00.05 Uhr
Wiederholung am Sonntag, 22. Mai um 18.05 Uhr
Redaktion: WDR
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Erstellt: 19-05-05
Letzte Änderung: 19-05-05