Mit Tänzen wie den Goyang – übersetzt, die „Bohrmaschine“ – bringt der Dangdut neuen Schwung in die indonesische Szene. Er ist ein Ventil für viele der 240 Millionen Einwohner der größten islamischen Nation der Erde. Indonesien ist gespalten. Eine Minderheit islamischer Fundamentalisten vergleicht den Dangdut mit Pornografie. Bei einer Demo in den Straßen von Djakarta fordern sie ein Verbot für Küsse auf offener Straße. Und weil sie schon dabei sind, möchten sie den Frauen auch gleich das Tragen von zu luftiger Kleidung verbieten. Auch die Filiale des Playboy Magazins, die kürzlich in Indonesien eröffnet hat, wird von den Extremisten unter Beschuss genommen.
Le cas Inul DaratistaDie 27-Jährige Inul Daratista gilt als Urheberin des Skandals. Ihre Choreografien revolutionierten den Dangdut und die Moralvorstellungen des Landes. Sie ist die best bezahlte Künstlerin Indonesiens. Inul hat zwar noch keine einzige Audio-CD aufgenommen, dafür aber ihre Show über drei Millionen mal auf Video-CDs verkauft. Doch 2002 musste sie sich vor dem Rat der Religionsgelehrten, den Ulema, rechtfertigen. Diese hatten zuvor ein Inul-Verbot für alle Moslems ausgesprochen. Um die Zensur der Medien aufzuheben, blieb Inul nichts Anderes übrig, als sich öffentlich zu entschuldigen – auch beim streng konservativen Dangdut-Star Rhoma Irama, der sie in der Presse mit der SARS Epidemie verglichen hatte.
Inul wird zum Symbol der Emanzipierung. Als sie 2006 ein Angebot von Playboy ausschlägt, nackt für das Magazin zu posieren, demonstrieren erneut muslimische Extremisten vor ihrem Haus. Nicht um gegen diese Entscheidung zu protestieren, sondern um ihr einen Hang zur Pornografie zu unterstellen. Dabei geht einer der Karaoke-Clubs der Dangdut Diva in Flammen auf.
King of Dangdut Rhoma Irama.Während der 70 er Jahre, bevor er zum offiziellen Sittenhüter wurde, spielte Rhoma Irama den Helden auf der Leinwand. Als sich die indonesische Gesellschaft mehr und mehr dem Westen öffnete, änderte auch er seinen Look. Der Dangdut, das waren ursprünglich persische Flöten und indische Tablas. Rhoma Irama war es, der die harmlose Volksmusik, während der 70er Jahre, mit E-Gitarren und religiösem Gedankengut tunte.
Trotz silberner Domina-Stiefel wird der Deep Purple und Led Zeppelin Fan, Rhoma, zum ersten Guitar-Hero der islamischen Welt. Die Texte seiner Songs, zitieren den Koran. Sein Studio pflastern Reliquien aus glorreichen Zeiten. Der selbstproklamierte King of Dangdut war früher ein gern gesehener Gast bei Ex-Diktator Suharto. Heute versteht sich Rhoma Irama als Hüter dieses Musikgenres, das er wieder mit dem Koran in Einklang bringen möchte.
Trotz Rhomas Drohungen, hat Inul viele Nachahmer bekommen. Neue Sängerinnen stürmen die Szene mit immer gewagteren Schritten. Indonesische Magazine melden ständig neue Dangdut-Varianten – mal mit Chacha, mal mit House-Einflüssen. Sogar Popstars wie Melanie Subono, die eigentlich nichts mit Dangdut am Hut haben, unterstützen Inul. Die Politiker hatten das Ausmaß des Phänomens bereits 1999 erkannt. Während ihrer Wahlkampagne zur ersten demokratische Wahl nach Diktator Suharto, ließen sich viele von Dangdut Stars unterstützen.
Jeden Samstag Abend, lockt ein vierstündiger Dangdut-Kontest über 30 Millionen Indonesier vor die Fernseher. „Project Pop“ nennt sich diese indonesische Nu Metal Band. Ihr Clip ist eine Hommage an den Dangdut, der die Gesellschaft gespalten hat. Bis unter die Haut geht ihnen besonders Inuls Idee, dass diese Musik eine universelle Sprache sein könnte – für mehrere Hundert Bevölkerungsgruppen, die auf über 13.000 Inseln verteilt leben.
Links>> Website des Fanclubs von Inul Daratista
>> Inul's Rules
>> Website der Band Project Pop







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