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> Sendung vom 21. Februar 2003 > Backstage - Cumbia Villera

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20/02/03

Backstage - Cumbia Villera

Ausstrahlung am Freitag, den 21. Februar um 19.00 Uhr
Redaktion: Kobalt

Backstage - Cumbia Villera
Buenos Aires, Luxusviertel Recoleta. Nur die Upperclass feiert noch ungezwungen zwischen Tango und Shoppingmeile. Während hier das süße Leben herrscht, drohen über 50% der Argentinier zu verelenden. Massendemos sind an der Tagesordnung. Vielleicht deshalb frönt die Jugend aller Schichten der Cumbia Villera. Der Sound aus den Slums - eine Mischung aus afrokubanischen Tänzen, Trance und Sitarsounds, ist dabei, zu einem Sprachrohr der Unterschicht zu werden.

Der Vorort-Slum Berazategui ist der Kiez von Cumbia Villera Star Ezequiel Benitez, 34, Frontmann bei den "Pibes Chorros". Sie sind die Nr.1 des tropischen Raps und nennen sich provokant "Klauende Jungs".
In seiner Hütte komponiert der Vater von sechs Kindern Songs, die Diskriminierung, Hunger und folternde Polizisten anklagen. Ezequiel, genannt "Punga", der Räuber, gilt als der Tupac Shakur der argentinischen Unterschicht.

Die Lieblingssongs der “Klauenden Jungs" sind “Slumfeeling" oder "Gefangener", die von Unschuldigen im Knast und korrupten Politiker handeln. Trotz aller Gesellschaftskritik genießen die “klauenden Jungs" den Kultstatus einer Boyband. Bei sechs Konzerten pro Nacht gehören durchdrehende Mädels zum guten Ton. Die “Klauenden Jungs" geben mit ihren Songs Identität im allgemeinen Chaos. Endlich geht es um argentinischen Alltag und nicht mehr um eine billige Kopie des amerikanischen Traums.

Angefangen hatte der Kult mit der Tropenmusik Cumbia Tropical, dem Vorläufer der Cumbia Villera, schon immer der Sound der Arbeiterklasse. Billige romantische Schlager, basierend auf afrokubanischen Tänzen, gespielt von gegelten Schönlingen wie Daniel Agostini.

In Locations wie der “Invasion Tropical" tanzen die, die einer verkitschten Romantik frönen und statt von Revolution eher von einem Leben im Reihenhaus träumen. Diese Fans verachten die villeros als drogensüchtige Kriminelle.
Trotz ihres Superstarstatus polarisiert die Band der "Klauenden Jungs" Argentinien wie wohl noch nie eine Musikrichtung davor. Fernsehverbote sind an der Tagesordnung. Elternorganisationen laufen Sturm. Das steigert noch ihre Popularität. Die Künstler der Cumbia Villera werden seit kurzem auch von einigen Radiostationen boykottiert. Der Höhepunkt der Zensur: Regierungsstellen empfehlen, auf bestimmte Titel zu verzichten. Angeblich hat man Schäden bei Minderjährigen durch die Musik festgestellt. Mittlerweile zahlen alle hohe Strafen, die vor 22 Uhr Bands wie die "Klauenden Jungs" über den Äther schicken.

Offizielle Website : http://www.pibeschorros.com/

Erstellt: 27-05-04
Letzte Änderung: 20-02-03