141 Min.(Bumbai)
Spielfilm, Indien 1995, ZDF, Synchronfassung
Regie: Mani Ratnam; Buch: Mani Ratnam, Umesh Sharma; Kamera: Rajiv Menon; Schnitt: Suresh Urs; Musik: A.R. Rahman; Produzent: Mani Ratnam, S. Sriram; Produktion: A.B.C.L., Madras Talkies
Mit: Arvind Swamy - (Shekhar Mishra Narayan), Manisha Koirala - (Shaila Brano), Tinnu Anand - (Shakti Samaj Leader), Nasser - (Nazar)
Es beginnt mit einer Liebesgeschichte auf dem Land: Der Journalist Shekhar stammt aus einer Hindu-Familie. Es ist Liebe auf den ersten Blick, als er die junge Muslimin Shaila trifft, obwohl die zumeist hinter einem Schleier verborgen bleibt. Alsbald zeigt sich: Shekars Liebe wird erwidert, die Eltern der beiden Liebenden sind allerdings entsetzt. Shekar und Shaila lösen den religiösen Konflikt auf ihre Weise, fliehen nach Bombay und heiraten schnurstracks zivil. Doch bereits in ihrer Hochzeitsnacht wirft ihnen die Hindu-Vermieterin aus Missmut über die religiöse Mesalliance ihre fünf kleinen Kinder zwischen die Beine. Der so verzögerte Vollzug der Ehe wird umso triumphaler nachgeholt. Doch dann schlägt die Stimmung um: In den religiösen Anschlägen der Jahre 1992 und 1993 und den Wirren der Straßenkämpfe gehen die inzwischen geborenen Zwillingssöhne der missbilligten Hindi-Moslem-Ehe verloren. Und mit einem Mal wird der Religionskonflikt, der bis dato einen Keil in die Familie getrieben hatte, angesichts der blanken Angst um die Kinder vollkommen nebensächlich...
Zusatzinfo
Die Religionsunruhen in Bombay werden in Mani Ratnams Film "Bombay" auf düstere und zugleich faszinierende Weise eingefangen. Mit entschiedenem Willen zum Dokumentarischen jagt die Handkamera durch Stätten der Verwüstung, der Hindu-Moslem-Konflikt wird durch die sehr persönliche Geschichte einer unmöglichen Liebe erzählt, die zum Bruch mit den traditionell verankerten Familien führt. Und doch gibt es wunderbar komische Momente in diesen brenzligen und beklemmenden Situationen. So ist zum Beispiel der Balanceakt zwischen Umständlichkeit und Direktheit in der verspäteten Hochzeitsnacht
des Paares höchst gelungen dargestellt: Ein Michael-Jackson-artiger Balz-Tanz mit eindeutigen Liedertexten, die von Ekstase singen, setzt sich gegen das Kussverbot des Bollywood-Kinos zur Wehr. "Bombay" markiert für den Bollywood-Film und seinen Regisseur Mani Ratnam einen wichtigen Scheidepunkt. Waren die Bollywood-Filme zuvor - und sind es bis heute in ihrer Mehrzahl - eskapistische Melodramen, so zog mit "Bombay" die Realität in diese indischen musik- und tanzlastigen Filme ein. Zwar bedient der Film alle Genrekonventionen: Es gibt komische Elemente, beeindruckend choreographierte Tanznummern, Liebesduette und das klassische Familienmelodram - doch wagt er es darüber hinaus als erster seiner Art, die realen Probleme der indischen Gesellschaft unmittelbar zu thematisieren.
Als Mani Ratnam "Bombay" drehte, lagen die verheerenden Ausschreitungen zwischen Hindus und Moslems gerade ein Jahr zurück. Bis heute ist dieses Thema eines der heißesten Eisen der indischen Gesellschaft. Auch ästhetisch bricht der Film in den Sequenzen, die die religiösen Konflikte behandeln, mit den Konventionen des klassischen Bollywood-Kinos, indem er sich mit Handkamera und verrissenen Schwenks von den wohl komponierten Studiobildern der indischen Musicaltradition distanziert.
Für Mani Ratnam wird die Kombination des Bollywood-Genres mit drängenden politischen Inhalten zum Markenzeichen: Sein bekanntester Film "Dil Se - Von ganzem Herzen" (1998) behandelt den Kaschmir-Konflikt und den daraus resultierenden Terrorismus. In "Yuva" (2004) nimmt er die Korruption in der indischen Verwaltung und die Studentenunruhen aufs Korn. Als bekanntester Vertreter des tamilischsprachigen Kinos gehören seine Filme heute zu den nicht allzu zahlreichen Beispielen heimischer Werke, die in ganz Indien zu sehen sind und für den Norden des Landes in Hindu synchronisiert wurden.
"Bombay", der zweifache Preisträger der Filmfare Awards, ist vierter Teil eines achtteiligen Schwerpunkts, der sich den Weltreligionen widmet.
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KurzSchluss - Das Magazin
Sondersendung zum Themenschwerpunkt "Religion"
Magazin, Frankreich 2007, ARTE F, Erstausstrahlung
ARTE hat als einziger Fernsehsender ein eigenes Kurzfilm-Magazin. "KurzSchluss - Das Magazin" zeigt die neuesten Kurzfilme aus aller Welt - und wirft einen Blick hinter die Kulissen: mit Porträts, Drehberichten, aktuellen Festival- und Filmtipps und vielen spannenden Interviews. Mehr Infos unter: www.arte.tv/kurzschluss
Die Programmierung in der Übersicht:
(1): "Kadosh", Spielfilm, am Donnerstag, den 11. Oktober um 20.40 Uhr
(2): "Frühling, Sommer, Herbst, Winter... und Frühling", Spielfilm, am Montag, den 15. Oktober um 20.40 Uhr
(3): "Der innere Weg", Kurzspielfilm, am Dienstag, den 16. Oktober um 00.45 Uhr, Original mit deutschen Untertiteln, Erstausstrahlung
(4): "KurzSchluss - Spezial Religion", am Mittwoch, den 17. Oktober um 1.00 Uhr
(5): "Jesus von Montreal", Spielfilm, am Donnerstag, den 18. Oktober um 20.40 Uhr
(6): "Die Große Reise", Spielfilm, am Montag, den 22. Oktober um 20.40 Uhr
(7): "Simon in der Wüste", Kurzspielfilm von Luis Buñuel, am Dienstag, den 23. Oktober um 1.40 Uhr
(8): Einer der Spielfilm-Beiträge war zum Zeitpunkt des Redaktionsschlusses noch nicht bestätigt (Programm nach Ansage).
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